Pegida in Dresden Rhetorik des Hasses

Weniger Demonstranten, schrille Töne: Pegida-Redner wettern in Dresden gegen Angela Merkel, Flüchtlinge und die angebliche "Selbstvernichtung Deutschlands". Anführer Bachmann versteigt sich dazu, Justizminister Maas mit Goebbels zu vergleichen.

Von , Dresden

DPA

Die Invasoren sind eingefallen. Der Staat schützt die Bürger nicht. Also wehren sich die Bürger; sie leisten Widerstand. Willkommen im belagerten Deutschland, willkommen in der Gedankenwelt von Pegida.

Auch am Montagabend ziehen Tausende Demonstranten durch Dresden. Die gleiche Zeit, dieselbe Stadt, dieselben Feindbilder: Politiker, Journalisten, Flüchtlinge. Auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche, wo die Kundgebung beginnt, tritt Lutz Bachmann ans Mikrofon. Der Pegida-Mitbegründer, gegen den eine Anklage der Staatsanwaltschaft Dresden wegen Volksverhetzung anhängig ist, löst sogleich einen Eklat aus: Er vergleicht Bundesjustizminister Heiko Maas mit Joseph Goebbels. Die Menge jubelt.

Ein weiterer Redner fordert Angela Merkel zum Rücktritt auf. Überall in der Republik entstehe Protest gegen die Politik der Bundeskanzlerin. Sie werde es bei der derzeitigen Entwicklung nicht schaffen, sich bis zur Bundestagswahl 2017 im Amt zu halten. Die Pegida-Anhänger fühlen sich von der politischen Klasse verraten. Drei Silben hallen immer wieder über den Platz: "Wi-der-stand!"

"Pegida, Rassistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt!"

Anschließend beginnen die Demonstranten ihren wöchentlichen "Spaziergang" durch Dresden. Auf etwa 8000 schätzt die Studentengruppe "Durchgezählt" die Zahl der Teilnehmer. Vergangene Woche sollen es bis zu 11.000 Demonstranten gewesen sein.

Vor dem Staatsschauspiel in der Dresdner Innenstadt warten Gegendemonstranten auf die vorbeiziehenden Pegida-Anhänger. 800 bis 1000 sind es laut "Durchgezählt". Zur Gegendemonstration aufgerufen hatte die Organisation Gepida, was für "Genervte Einwohner protestieren gegen Intoleranz Dresdner Außenseiter" steht.

Ein Ring aus Polizeibussen trennt die beiden Gruppen. "Pegida, Rassistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt!", rufen die Gegendemonstranten. "Faules Pack!", erwidern die Pegida-Anhänger. Es bleibt bei Beschimpfungen. Die Polizei meldet am Ende des Abends keine gewalttätigen Übergriffe.

Als die Pegida-Anhänger wieder auf dem Neumarkt angekommen sind, spricht Tatjana Festerling zu ihnen. Die ehemalige Hamburger AfD-Politikerin gehört seit einigen Monaten zu den führenden Köpfen bei Pegida.

Ein Spruch wie Hohn

Sie kritisiert Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel und CSU-Chef Horst Seehofer. Keiner aus diesem "Trio Infernale" habe einen Plan, wie die öffentliche Ordnung geschützt werden könne. Festerling nennt Merkel "die gefährlichste Frau Europas". Auch der EU wirft sie in der Flüchtlingskrise Versagen vor. Die Deutschen müssten "Widerstand gegen die Selbstvernichtung Deutschlands" leisten. Die größte Unterstützung käme dabei von den osteuropäischen Staaten: von Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei. Auf Plakaten in der Menge ist Dank zu lesen an Victor Orbán; wie schon in den vergangenen Wochen rufen die Demonstranten seinen Namen.

Festerling beklagt sich über die "Horden von Eindringlingen", nennt Flüchtlinge "Invasoren". Hinter ihr steht ein Transparent: "Pegida-Deutschland gewaltfrei und friedlich", steht drauf. Bei ihrer Rhetorik erscheint der Spruch wie Hohn.



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