SPIEGEL ONLINE: Frau Hessel, der designierte FDP-Parteichef Philipp Rösler hat die Landeschefs Ihrer Partei aufgefordert, mehr Frauen für die Wahl in Spitzengremien auf dem Bundesparteitag in der kommenden Woche aufzustellen. Woran hapert es, dass Frauen bei den Liberalen so unterrepräsentiert sind?
Katja Hessel: Wir haben auf dem Feld einfach zu wenig getan. In den Landesverbänden schaut es zwar besser aus, aber im Bund sind Frauen in der FDP deutlich unterrepräsentiert. Dabei stellen 50 Prozent der Frauen die Wählerschaft - und die werden von uns seit Jahren nicht ausreichend bedient. Daran muss sich etwas ändern.
SPIEGEL ONLINE: Und dazu muss ausgerechnet ein Mann aufrufen?
Hessel: Warum nicht? Herr Rösler ist ein moderner Mann, es ist Aufgabe eines künftigen Parteichefs, sich Gedanken zu machen, wie die Geschlechter in den Parteigremien angemessen repräsentiert sind.
SPIEGEL ONLINE: Bei den liberalen Frauen gibt es Bestrebungen, eine Frauenquote von 40 Prozent verbindlich für alle Spitzenpositionen in der FDP einzuführen. Was halten Sie davon?
Hessel: Ich bin gegen starre Quoten. Allerdings würde ich für eine freiwillige Selbstverpflichtung plädieren. In den nächsten Jahren muss es gelingen, den Anteil der Frauen in FDP-Spitzenpositionen zu erhöhen. Es geht aber auch um Themen. Wir Liberale werden immer noch von mehr Männern als Frauen gewählt. Dabei könnten wir unter den gut gebildeten Akademikerinnen durchaus mehr punkten. Nur - wir müssen auch Angebote machen.
SPIEGEL ONLINE: An was denken Sie?
Hessel: Um die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um bessere Aufstiegschancen für Frauen in den Unternehmen. Die Selbstbeschränkung auf bestimmte Themen wie Steuerpolitik reicht nicht mehr aus. Frauen erfahren Politik anders als Männer.
SPIEGEL ONLINE: Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger ist die einzige Frau, die sich bislang um einen der drei Vizeposten bewirbt. Sollte einer der beiden möglichen Mitkandidaten - etwa Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle - sich zugunsten einer weiteren Frau zurückziehen?
Hessel: Ich halte nichts von öffentlichen Appellen. Wenn wir Frauen mehr in Spitzengremien vertreten sein wollen, müssen wir das organisieren.
SPIEGEL ONLINE: Wenn Brüderle nicht verzichtet, könnte es aber zum Wettstreit mit NRW-Landeschef Daniel Bahr kommen. Soll es Kampfkandidaturen auf dem Bundesparteitag um die Vizeposten geben?
Hessel: Ich bin für mehr innerparteiliche Demokratie und würde mir daher auch Kampfkandidaturen wünschen.
SPIEGEL ONLINE: Die Bundesjustizministerin ist auch im Gespräch als mögliche Fraktionschefin im Bundestag. Können Sie sich Frau Leutheusser-Schnarrenberger als Nachfolgerin von Frau Homburger vorstellen?
Hessel: Frau Leutheusser-Schnarrenberger ist eine sehr gute und couragierte Politikerin und Justizministerin. Sie macht auf jedem Posten eine gute Figur.
Das Interview führte Severin Weiland
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