Machtkampf Freie Union meutert gegen Pauli

Intrigen, Machtkämpfe, Streit vor Gericht: Gabriele Paulis Freie Union ist kurz nach ihrer Gründung zerrüttet. 200 Mitglieder fordern Paulis Rücktritt, weil sie die Partei wie "ein Königreich" führe. Jetzt gibt es Gerüchte, dass die Ex-Landrätin aussteigt - und wieder eine neue Partei gründet.

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München - Vielleicht begann alles schon mit diesen Latex-Fotos. Als sich Gabriele Pauli, frühere Landrätin in Fürth und als CSU-Rebellin in die Geschichte eingegangen, im April 2007 für die "Park Avenue" in mondänem Outfit ablichten ließ, wählte man als Kulisse eine Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald. Die Villa, in der die Unternehmerin Sabrina Olsson lebte. Olsson, 47, war einst mit dem prominenten Vermarkter von FC Bayern-Stars, Peter Olsson, liiert, und hat vielleicht deshalb eine Affinität zu schillernden Persönlichkeiten. In jedem Fall blieb ihr Gabriele Pauli im Gedächtnis.

Freie-Union-Vorsitzende Pauli: "Ich kann gar nicht verstehen, wie man so an seinem Posten klammern kann"
dpa

Freie-Union-Vorsitzende Pauli: "Ich kann gar nicht verstehen, wie man so an seinem Posten klammern kann"

Anlass genug für die dreifache Mutter, sich neben der Kosmetikbranche künftig auch der Politik zu widmen, und zwar in Paulis Freier Union. Olsson ging vor gut vier Wochen zur Gründungsversammlung der Partei in den Münchner Hofbräukeller und wurde zur Zweiten Vorsitzenden berufen.

Damit ging der Ärger los. Denn offenbar eint die beiden Damen an der Spitze zwar ein selbstbewusstes und stilsicheres Auftreten, doch in der Frage, wie man eine politische Partei führt, liegen Welten zwischen Pauli und Olsson.

Die Geschäftsfrau aus Grünwald wirft der fränkischen Landtagsabgeordneten vor, sie leite die Freie Union wie eine Privatveranstaltung: "Es zählt nur ihre Meinung. Sie hält die Regeln der Satzung überhaupt nicht ein, das ist doch hier kein Königreich", empört sich Olsson. Vor allem bei einer Vorstandssitzung in Jena Anfang des Monats zoffte man sich gehörig. Es habe sich herausgestellt, dass Paulis neuer Berater Richard Lutz Zugang zu Daten habe und dass er über alles informiert werde, "obwohl er gar keine Funktion hat". Andere dagegen würden gar nicht angehört. "Wer Frau Pauli unbequem ist, den sägt sie ab", sagte Olsson.

Ärger um Amtsenthebung vor Gericht

Gabriele Pauli hält Olsson und ihrem zweiten Stellvertreter, dem Rechtsanwalt Michael Meier, entgegen, sie würden die Aufbauarbeit der Partei extrem behindern und hätten ihr zudem Korruption vorgeworfen.

Vergangenen Sonntagabend jedenfalls verkündete Pauli per Rundschreiben, die beiden Vorstandsmitglieder seien ihrer Ämter enthoben.

Olsson und Meier behaupten nun, die Parteichefin hätte umgehend ihre E-Mail-Adressen abgeschaltet. Paulis Bruder habe im übrigen Zugang zur Internetdomain der Freien Union, ohne dass darüber abgestimmt worden sei.

Die Ex-Landrätin erklärte dagegen, merkwürdigerweise seien Passwörter der Freien Union geändert worden, man habe keinen Zugriff mehr gehabt, der Schuldige werde gesucht.

Die Sache ging vergangenen Montag vor Gericht. Meier forderte vom Amtsgericht Gemünden eine Eilentscheidung, um wieder an seine E-Mails zu kommen und die sofortige Wiedereinsetzung in den Vorstandsposten, da die Amtsenthebung durch Pauli gar nicht rechtens sei. Nun liegt der Fall zuständigkeitshalber beim Amtsgericht Fürth.

Pauli beruft plötzlichen Parteitag ein

Die Turbulenzen nahmen zu: Paulis Stellvertreter luden am Dienstag spontan zu einer Vorstandssitzung in die Autobahnraststätte Hallertau. Das Ergebnis: Rund 200 Mitglieder unterzeichneten eine Rücktrittsforderung an Pauli, die ihr Mittwoch früh zugestellt wurde.

Die Vorsitzende terminierte gleichzeitig für kommenden Sonntag einen außerordentlichen Bundesparteitag in Celle. Der Grund: Sie möchte die Vorstandschaft neu wählen lassen und der Freien Union eine neue Satzung verpassen. Der Entwurf sei Donnerstag im Internet zu lesen.

Pauli begründete den plötzlichen Parteitag mit der Notwendigkeit, eine "basisdemokratische Entscheidung" herbeizuführen. Es lasse sich rechtlich einwandfrei belegen, dass in dringenden Fällen ein Parteitag einberufen werden könne. Die Wahl des Vorstands im Hofbräukeller sei von ihr wegen der geringen Mitgliederzahl damals ohnehin immer als Übergangslösung bezeichnet worden. Erst danach habe sich die Partei ja bundesweit ausgedehnt. "Ich kann gar nicht verstehen, wie man so an seinem Posten klammern kann", warf Pauli ihren Stellvertretern vor.

Immerhin gibt es auch Posten in der Freien Union, die von der Parteichefin offenbar ohne Rücksprache vergeben werden. Das durch zahlreiche Doku-Soaps gezogene freizügige "Penthouse"-Model Kader Loth etwa nennt sich nun Frauenbeauftragte der Partei . Vor laufenden Kameras neben dem Kanzleramt hat der Busenstar erst kürzlich Angela Merkel Ratschläge angeboten und versprach in Interviews: "Ich werde mich politikgerecht kleiden."

"Ich will bayerische Ministerpräsidentin werden. Was muss ich tun?"

Die Personalie sorgte dennoch für einigen Protest in der jungen politischen Gruppierung, aber Pauli sagte über Loth: "Sie hat Öffentlichkeitswirkung."

Olsson, Meier und ihre Gefolgschaft vermuten indes, dass die Vorsitzende bereits an einer neuen Truppe von Anhängern feilt und am Sonntag eine neue Partei gründen will, um die nur vier Wochen alte Freie Union hinter sich zu lassen.

Mittlerweile werden im Netz auch Enthüllungen über Paulis frühere politische Ziele angeboten: der Ex-Berater des Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber, Michael Spreng, bezichtigt in seinem Blog die CSU-Rebellin des "frühen Größenwahns". Spreng erzählt von einer Begegnung im Sommer 2006, bevor Pauli an Stoibers Rücktritt feilte. Damals habe sie einen Rat gebraucht. "Ich will bayerische Ministerpräsidentin werden. Was muss ich tun?", habe Pauli gefragt. Er habe dann verblüfft vorgeschlagen, sie solle doch erst einmal versuchen, ein Ministeramt zu bekommen. "Das war ihr offenbar zu langwierig und anstrengend", schreibt Spreng.

Diese Version ihrer Machtansprüche schert Pauli indes wenig. "Es wird sehr viel über mich in die Welt gesetzt. Ich kann schließlich nicht allem nachgehen", kommentierte sie den Beitrag.



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