Führungschaos: Machtkampf bei der Linken geht weiter

Die Parteispitze tagte viereinhalb Stunden - und konnte sich doch nicht einigen: Der Führungsstreit bei den Linken schwelt weiter, nun soll die Basis einbezogen werden. Oskar Lafontaine erklärte sich offiziell bereit, wieder Parteichef zu werden, sein Konkurrent Bartsch will sich aber nicht zurückziehen. 

DPA

Berlin - Der Führungsstreit in der Linkspartei geht weiter. Eine Spitzenrunde mit Politikern aus Bund und Ländern in Berlin brachte am Dienstag kein Ergebnis. "Die Debatte wird weiter geführt werden", sagte Parteichef Klaus Ernst nach dem Ende der viereinhalbstündigen Sitzung.

Die Basis solle über Regionalkonferenzen einbezogen werden, zudem würden sich die Landes- und Bundesspitzen erneut treffen. Es habe eine "sehr kulturvolle Debatte" gegeben und "keine in irgendeiner Weise heftigen Auseinandersetzungen".

Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch erhält demnach seine Kandidatur für den Parteivorsitz weiter aufrecht. Auch Ex-Parteichef Oskar Lafontaine habe in der Runde seine "Bereitschaft" bekräftigt, erneut anzutreten, sagte Ernst.

Vor der Sitzung hatte Lafontaine eine Kampfkandidatur um den Parteivorsitz gegen Bartsch ausgeschlosssen. "Es ist klar, dass eine Kampfkandidatur ausscheidet", sagte Lafontaine am Dienstag. "Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere." Seine Bedingung läuft auf die Forderung hinaus, dass sein parteiinterner Gegenspieler Dietmar Bartsch auf die bereits angekündigte Kandidatur für den Parteivorsitz verzichtet.

Im Ringen um den Chefposten scheint es drei Möglichkeiten zu geben. Entweder Lafontaine verzichtet auf eine Kandidatur und überlässt das Feld Bartsch, der seinen Hut bereits vor einem halben Jahr in den Ring geworfen hatte. Oder Bartsch ordnet sich in einer neuen Parteiführung unter und wird beispielsweise Bundesgeschäftsführer. Am Montag hatte Bartsch das allerdings bereits ausgeschlossen. Als dritte Option bliebe übrig, dass beide verzichten und ein anderer Kandidat gesucht wird.

Die Linke muss auf ihrem Parteitag am 2. und 3. Juni eine neue Führung mit zwei Vorsitzenden wählen. Eine Kandidatin für die Doppelspitze gibt es bisher noch nicht.

Der Führungsstreit bei den Linken hat sich auch wegen der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen verschärft, bei der die Partei jeweils mit gut zwei Prozent beim Einzug in die Parlamente gescheitert war.

fab/dpa/dapd

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Dieser Satz über eine Kampfkandidatur ...
bert.hagels 15.05.2012
---Zitat von Lafontaine--- Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere. ---Zitatende--- ... sagt doch alles über den Mann aus. Wenn sich die Linke selbst pulverisieren will, dann kann sie sich gerne zum Spielzeug des eitlen alternden Mannes machen.
2.
7eggert 16.05.2012
Wieso wird immer negativ berichtet, wenn die Parteiführung NICHT hinter verschlossenen Türen ausgekungelt wird, sondern eine DEMOKRATISCHE Wahl stattfindet?
3. ...
mad_man_walking 16.05.2012
Zitat von sysopDPADie Parteispitze tagte viereinhalb Stunden - und konnte sich doch nicht einigen: Der Führungsstreit bei den Linken schwelt weiter, nun soll die Basis einbezogen werden. Oskar Lafontaine erklärte sich offiziell bereit, wieder Parteichef zu werden, sein Konkurrent Bartsch will sich aber nicht zurückziehen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833402,00.html
Es ist doch ganz einfach: Wenn Lafontaine nicht Vorsitzender wird, dann ist die LINKE in nächsten Bundestag sicher nicht mehr vertreten.
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