Machtoptionen für NRW Traumpaar, Dreier, Horror-Hochzeit

Kraft oder Rüttgers? Der Ausgang der NRW-Wahl am Sonntag ist völlig offen, klar ist nur: SPD und CDU brauchen mindestens einen Partner zum Regieren. SPIEGEL ONLINE analysiert die Machtoptionen, ihre Chancen - und mögliche Folgen für den Bund.

Kandidaten Kraft, Löhrmann, Rüttgers (bei TV-Duell): Sieben Optionen, welche kommt?
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Kandidaten Kraft, Löhrmann, Rüttgers (bei TV-Duell): Sieben Optionen, welche kommt?

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Berlin - Schwarz-Gelb, Schwarz-Rot, Schwarz-Grün ... Ja, was denn nun? Seit Wochen sagen die Umfragen zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ein derart knappes Rennen voraus, dass alles möglich scheint - und nichts sicher ist. 37 zu 37 steht es zwischen CDU und SPD in der jüngsten Forsa-Erhebung vom Donnerstag, die anderen Meinungsforscher sehen die Union leicht vorn - doch egal, wie man es dreht und wendet, bisher reicht es weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün. Das liegt vor allem an der Linken, die wohl über die Fünfprozent-Hürde springen und die Regierungsbildung so erschweren wird.

Zwei Statistiker von der Universität Mannheim wollten jetzt wissen, wie wahrscheinlich welche Koalitionsoption ist. Unter Rückgriff auf historische Wahlergebnisse und inhaltliche Aussagen der NRW-Parteien erstellten Marc Debus und Thomas Bräuninger ein Modell. Ergebnis: Reicht es rechnerisch für Schwarz-Grün, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 65 Prozent, dass sie auch miteinander koalieren. Kein anderes Bündnis sei derart wahrscheinlich.

Ein netter Versuch - nur ist nicht überliefert, dass Deutschlands Wählerinnen und Wähler sich beim Urnengang gerne an Rechenmodelle halten. Und so gilt: Geht die Wahl am kommenden Sonntag in etwa so knapp aus wie Umfragen prophezeien, dürfte es ein Weilchen dauern, bis klar ist, wer künftig in der Düsseldorfer Staatskanzlei residiert.

Nordrhein-Westfalen droht ein langer Machtpoker.

Es geht um viel. Sogar um die Zukunft der Kanzlerin. Sollte die schwarz-gelbe Koalition von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ihre Mehrheit verlieren, wäre auch Angela Merkels Bundesratsmehrheit Geschichte. Ihr politischer Gestaltungsspielraum wäre erheblich eingeengt, große Projekte blieben wohl auf der Strecke - Ärger in der ohnehin zerstrittenen Berliner Regierungskoalition wäre vorprogrammiert. Und die Kritiker an Merkels Kurs dürften sich im Falle einer Niederlage am Sonntag auch innerparteilich mehren.

Für die SPD und ihre Spitzenkandidatin Hannelore Kraft ist die Wahl nicht weniger wichtig. Die Partei lechzt nach der desaströsen Niederlage bei der Bundestagswahl nach einem Erfolgserlebnis. Die Genossen haben die Wahl an Rhein und Ruhr zur "Denkzettelwahl" über die Politik der Bundesregierung erklärt. Das Ergebnis dürfte aber auch als Gradmesser gelesen werden, ob die von Parteichef Sigmar Gabriel begonnene Neuaufstellung der Sozialdemokraten funktioniert oder nicht. Die Aussichten sind nicht schlecht, richtig ist aber auch: Sollte es nicht für Rot-Grün reichen, würden den Sozialdemokraten erst einmal ein paar zermürbende Debatten bevorstehen - zum Umgang mit der Linkspartei und der Option Große Koalition.

Und die Grünen würden durch eine gemeinsame Regierung mit der CDU im bevölkerungsreichsten Bundesland endgültig den Lagerwechsel vollziehen, der sich mit der schwarz-grünen Koalition in Hamburg schon angedeutet hat.

Wer hat welche Machtoptionen? Wie realistisch sind sie? Und welche Folgen hätten sie für die Bundespolitik? SPIEGEL ONLINE analysiert sieben mögliche Bündnisse.

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Seite 1
kleiner-moritz 06.03.2010
1.
Zitat von sysopDie Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen rückt näher. Wer wird am Ende als Sieger hervorgehen? Welche Koalitionen sind denkbar?
Wer gern auf dem Basar einkauft, der wird an dem Gefeilsche und Gejammere der SPD wegen des bösen Sponsorings (http://www.net-tribune.de/nt/node/19177/news/Das-waere-peinlich-fuer-Gabriel-Sponsoring-Affaere-nun-auch-bei-der-SPD) der CDU sicher keinerlei Anstoß nehmen und unbekümmert SPD ankreuzen.
discipulus, 06.03.2010
2.
Zitat von kleiner-moritzWer gern auf dem Basar einkauft, der wird an dem Gefeilsche und Gejammere der SPD wegen des bösen Sponsorings (http://www.net-tribune.de/nt/node/19177/news/Das-waere-peinlich-fuer-Gabriel-Sponsoring-Affaere-nun-auch-bei-der-SPD) der CDU sicher keinerlei Anstoß nehmen und unbekümmert SPD ankreuzen.
Und wem es gleichgültig ist, dass Politiker bestechlich sind, der wird unbekümmert bei Schwarzblaugelb das Kreuz machen.
HHeureka 06.03.2010
3.
Zitat von kleiner-moritzWer gern auf dem Basar einkauft, der wird an dem Gefeilsche und Gejammere der SPD wegen des bösen Sponsorings (http://www.net-tribune.de/nt/node/19177/news/Das-waere-peinlich-fuer-Gabriel-Sponsoring-Affaere-nun-auch-bei-der-SPD) der CDU sicher keinerlei Anstoß nehmen und unbekümmert SPD ankreuzen.
Und wer Parteiprogramme aufmerksam liest, die Worte von Politikern mit ihren Taten vergleicht, einen Blick für Realität und das Machbare hat und trotzdem das Optimale will, wird hoffentlich das Kreuz bei denen machen die am besten zur persönlichen Einstellung und zu einer funktionierenden Gesellschaft passen. Zumindest sollte es in einer Demokratie so laufen.
astrid1814 06.03.2010
4. Hallo was ist das denn?
Zitat von HHeurekaUnd wer Parteiprogramme aufmerksam liest, die Worte von Politikern mit ihren Taten vergleicht, einen Blick für Realität und das Machbare hat und trotzdem das Optimale will, wird hoffentlich das Kreuz bei denen machen die am besten zur persönlichen Einstellung und zu einer funktionierenden Gesellschaft passen. Zumindest sollte es in einer Demokratie so laufen.
Wie heißt die Partei? Her damit, die kriegt sofort mein Kreuzlein.
saul7 06.03.2010
5. ++
Zitat von sysopDie Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen rückt näher. Wer wird am Ende als Sieger hervorgehen? Welche Koalitionen sind denkbar?
Obwohl es zwischen SPD und LINKE erhebliche Differenzen gibt, kann ich mir vorstellen, dass sie sich, wenn die Wählervoten es hergeben, zu einer Koalition entschließen könnten. Eventuell mit den GRÜNEN zusammen. Für Schwarz/Gelb wird es vermutlich nicht reichen, und Jamaika haben die GRÜNEN ausgeschlossen. Eine Ampel liegt auch noch im Bereich des Möglichen. Die SPD-Vorsitzende in NRW wird alles tun, um die jetzige Lendesregierung abzulösen und damit auch Einfluss auf die Bundesregierung qua Bundesrat zu bekommen.
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