Machtwechsel FDP-Spitze entscheidet sich für Rösler

Vom Favoriten zum Kandidaten: Philipp Rösler wird sich um das Amt des neuen FDP-Parteichefs bewerben. Darauf einigten sich Präsidium und Landesvorsitzende der Liberalen. Das Gesundheitsressort will Rösler behalten.

FDP-Politiker Rösler vor der Präsidiumssitzung: Der Neue soll die Partei wieder aufrichten
REUTERS

FDP-Politiker Rösler vor der Präsidiumssitzung: Der Neue soll die Partei wieder aufrichten

Von


Berlin - In einer gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Landesvorsitzenden der FDP ist eine Vorentscheidung über die Nachfolge von Guido Westerwelle gefallen. Die Spitzenrunde einigte sich am Dienstagnachmittag darauf, dass Philipp Rösler auf dem kommenden Bundesparteitag im Mai in Rostock als neuer Parteichef kandidiert.

Der 38-Jährige würde im Falle seiner Wahl den 49-jährigen Noch-Amtsinhaber Guido Westerwelle ablösen. Er hatte die FDP seit zehn Jahren geführt und bereits am Sonntag seinen Rückzug von der Parteispitze angekündigt.

Sein Amt als Bundesgesundheitsminister wird er behalten, erklärte Rösler. Zuvor war über einen Wechsel ins Wirtschaftsministerium, das sein Parteikollege Rainer Brüderle innehat, spekuliert worden. Doch der hatte klar gestellt, um sein Amt kämpfen zu wollen. Aus dem FDP-Bundesvorstand wurde SPIEGEL ONLINE bestätigt, dass Brüderle als Wirtschaftsminister im Amt bleiben wird.

Röslers Kandidatur wurde dem Vernehmen nach mit großem Applaus aufgenommen. Zuvor sei es zu einer schonungslosen Aussprache gekommen, hieß es. Lediglich der Berliner Landesvorsitzende Christoph Meyer stellte die bisherige Zusammensetzung des Bundeskabinetts in Frage, er blieb aber damit allein. Danach tagten der Parteivorstand und die FDP-Fraktion.

Druck auf Westerwelle?

Er wolle auch die Funktion des Vizekanzlers übernehmen, erklärte Rösler am Dienstag. Aus der Umgebung Röslers hieß es, er habe am Wochenende in einem Gespräch mit Westerwelle darauf gedrungen.

Westerwelle hatte am Montag im Präsidium klargestellt, dass er sein Amt zur Verfügung stellen werde, sofern eine Kandidatin oder ein Kandidat für den Parteivorsitz antrete. Er zeigte sich überzeugt vom Erfolg seines Nachfolgers. "Ich bin zuversichtlich, dass diejenigen, die sich anschicken, die Führung zu übernehmen, das packen werden", sagte er nach Teilnehmerangaben auf der gemeinsamen Tagung der Fraktion und des Vorstands. Er kündigte an: "Ich habe vor, meine Arbeit als Außenminister fortzusetzen." Dies sei mit großem Beifall aufgenommen worden.

Spekulationen um mögliche Homburger-Nachfolge

In Berlin kamen Gerüchte auf, der NRW-Landeschef und Gesundheits-Staatssekretär Daniel Bahr - der zum Führungstrio um Rösler und FDP-Generalsekretär Christian Lindner zählt - stehe als möglicher Nachfolger an der Fraktionsspitze bereit. Eine Entscheidung könne noch am Dienstag fallen. Die Amtsinhaberin Birgit Homburger steht seit Monaten in Teilen der Partei in der Kritik. Doch Bahr dementierte umgehend - er habe keine Ambitionen auf dieses Amt.

Der Fraktionsvorstand hatte der 45-jährigen Homburger am Montagabend das Vertrauen ausgesprochen. Man werde sich von außen keine Veränderungen aufdrängen lassen, hieß es von Teilnehmern. FDP-Schatzmeister Hermann Otto Solms sagte im ZDF, Homburger mache einen "sehr guten Job". Der nächste reguläre Wahltermin für die Fraktionsspitze ist erst im Oktober.

Wenn Rösler beim Parteitag in Rostock gewählt wird, wäre er der 13. Parteivorsitzende seit Gründung der FDP. Als Präsidiumsmitglied ist er seit 2005 mitverantwortlich für den Kurs der Partei. In Niedersachsen war er Fraktionschef, Landesvorsitzender und Wirtschaftsminister, ehe er Ende 2009 ins Kabinett Merkel wechselte.

Am Abend treffen sich die Spitzen von Union und FDP zum ersten Koalitionsausschuss seit Westerwelles Machtverlust im Kanzleramt. Dabei dürfte es neben verschiedenen Fachfragen auch um die Personalentscheidungen der FDP gehen.

Mit Material von dpa, dapd

insgesamt 165 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Braunschweiger77, 05.04.2011
1. Pharma- Rösler?
Die FDP wird sich noch nach Westerwelle zurücksehnen. Mit Pharma-Rösler dürfte das Projekt 2% für die FDP in greifbarer Nähe liegen.
Vergil 05.04.2011
2. -
Zitat von sysopDer Favorit hat sich entschieden: Philipp Rösler*will*auf dem Bundesparteitag*im Mai als Kandidat für das Amt des neuen Parteichefs antreten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,755172,00.html
Hm. Sympathisch ist er, gut sicherlich auch - aber ob er den nötigen Biss hat?
Kurt Limdäpl 05.04.2011
3. Soll er doch...
Ich werde diesen Verein eh nie wählen!
gallstone, 05.04.2011
4. na hoffentlich ...
Zitat von sysopDer Favorit hat sich entschieden: Philipp Rösler*will*auf dem Bundesparteitag*im Mai als Kandidat für das Amt des neuen Parteichefs antreten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,755172,00.html
... ändert das nichts am freien fall der fdp. brauchen tut die keiner!
Auswahlaxiom, 05.04.2011
5. Schon verloren.
Zitat von sysopDer Favorit hat sich entschieden: Philipp Rösler*will*auf dem Bundesparteitag*im Mai als Kandidat für das Amt des neuen Parteichefs antreten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,755172,00.html
Schon verloren: Entweder es findet sich noch ein Besserer oder die FDP kommt über 3% nicht mehr hinaus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.