Von Florian Gathmann und Veit Medick
Der Dienstwagen sei das letzte, was sie als Mitglied der Landesregierung interessiere - so haben es Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann im Wahlkampf gebetsmühlenartig wiederholt. Es ist ein nicht untypisches Kokettieren mit weiblicher Bodenständigkeit. Nach dem Motto: Die Insignien der Macht sind für Frauen in der Politik zweitrangig. Das kommt beim Wahlvolk gut an.
"Frauen stehen nicht auf Brimborium", sagt die Grünen-Politikerin Göring-Eckardt. Das klingt ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Aber ganz aus der Luft gegriffen ist es vielleicht nicht. Oder wäre es vorstellbar, dass Angela Merkel sich ein derart monströses Kanzleramt bauen ließe, wie es ihr Vor-Vorgänger Helmut Kohl tat? Nun sitzt sie in dem Betonkasten an der Spree, wo nicht einmal die Klimaanlage ordentlich funktioniert. Auf dieses Detail hätte Merkel als Bauherrin bestimmt geachtet.
In Schleswig-Holstein erinnert man sich noch daran, wie Ministerpräsidentin Heide Simonis, wenn sie im Landtag zu Gast war, zum Mittagessen brav in der Schlange der Kantine wartete. Und die Theologin Christine Lieberknecht bleibt auch als Regierungschefin so unprätentiös, dass sie jederzeit auf die Kanzel ihrer Heimatkirche in Ramsla treten könnte - so wie vor ihrer politischen Karriere.
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