Mängel bei der Bundeswehr: Wehrbeauftragter wirft Verteidigungsministerium Tatenlosigkeit vor
Scharfe Schelte vom Wehrbeauftragten: Hellmut Königshaus hält dem Verteidigungsministerium vor, nichts gegen Ausbildungs- und Ausrüstungsprobleme bei der Bundeswehr zu tun. Der Sparzwang der Bundesregierung erhöhe das Sicherheitsrisiko für Soldaten, so der FDP-Mann.
Hamburg - Der neue Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), hat dem Verteidigungsministerium laut einem Zeitungsbericht vorgeworfen, Mängel bei der Einsatzvorbereitung und Ausrüstung von Soldaten zu ignorieren. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, kritisiert Königshaus in seinem ersten Zwischenbericht an den Verteidigungs- und Haushaltsausschuss, die schweren Defizite in diesen Bereichen seien nach wie vor nicht abgestellt worden. Vor allem bei der Ausbildung der Soldaten habe die Bundeswehrführung nicht auf frühere Klagen über gravierende Defizite reagiert.
"Bemühungen um Abhilfe konnten nicht festgestellt werden", schreibt der seit Mai amtierende Königshaus in seinem Bericht über das erste Halbjahr 2010, der der "FTD" vorlag. Nach dem Tod von insgesamt sieben deutschen Soldaten in Afghanistan war im April eine Debatte über Ausbildungs- und Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr entbrannt. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten damals zugesichert, alles zu tun, um die Sicherheit der Soldaten im Einsatz sicherzustellen.
Besonders gravierende Mängel bestehen nach Ansicht des Wehrbeauftragten auch bei der Ausbildung der Soldaten in der Heimat, hieß es in dem Bericht. Die Defizite beträfen sowohl die Grundausbildung als auch die Vorbereitung auf Einsätze. Einsatzsoldaten klagten weiterhin über "die unzureichende oder zum Teil gänzlich fehlende Ausbildung an Schusswaffen". Zudem stünden nicht genügend geschützte Fahrzeuge vom Typ Dingo und Eagle IV sowie Fuchs-Transportpanzer zur Verfügung, um alle Soldaten hinreichend an den Geräten zu trainieren.
In seinem Bericht stellt Königshaus laut "FTD" auch einen direkten Zusammenhang zwischen dem Sparzwang bei der Bundeswehr und Sicherheitsrisiken für die Soldaten her. Durch Kürzungen der Haushaltsmittel für den Betrieb der Hubschrauber im Heer und der daraus resultierenden weiteren Reduzierung der Flugstunden seien "die Flugsicherheit und letztlich Leben und Gesundheit der Besatzungen" gefährdet, kritisiert der FDP-Politiker.
anr/AFP/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Politik
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Deutschland
- RSS
- alles zum Thema Bundeswehr
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Mittwoch, 30.06.2010 – 07:51 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Bundeswehrbericht: Soldaten starben wegen schlechter Ausrüstung (26.06.2010)
- Bundeswehr: Die große Leere (21.06.2010)
- Guttenbergs Sparszenarien: Bundeswehr könnte um 100.000 Soldaten schrumpfen (22.06.2010)
- Traumatisierte Soldaten: "Dann hat die Seele 'Stopp' gesagt" (22.06.2010)
- Wehrpflicht: Schwarz-Gelb winkt Wehrdienst-Reform durch (17.06.2010)
- Neuer Wehrbeauftragter Königshaus: Der Kanonenrohr-Stratege (14.04.2010)
MEHR AUS DEM RESSORT POLITIK
-
Abgeordnete
Bundestagsradar: Alle Fakten, alle Abstimmungen, alles Wissenswerte -
Regierung
Schwarz-gelbe Koalition: Das ist Merkels Kabinett -
Umfragen
"Sonntagsfrage": Der aktuelle Trend anhand von Umfragen -
Nachgefragt
Abgeordnetenwatch auf SPIEGEL ONLINE: Ihr direkter Draht in die Politik -
Rundgang
Kanzleramt, Bundestag, Ministerien: Das ist das politische Berlin
