Männerfeindschaft Lafontaine-Schröder Wieso Oskar und Gerhard einander vergeben sollten

Werden sich Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine aussprechen? Seit zehn Jahren sind die einstigen Verbündeten erbitterte Feinde, nun hat der Linkenchef dem Altkanzler ein Angebot gemacht. Der schweigt noch dazu - eine Versöhnung wäre ein Segen für Deutschlands politische Kultur. Und für die SPD.

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Schröder und Lafontaine: Szenen einer Männerfeindschaft
Berlin - Die Worte sind milde, der Ton klingt freundlich. Ja, er sei zu einer Aussprache mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder bereit, sagt Oskar Lafontaine im "Stern". Der Streit mit dem einstigen Genossen, die Zeit der Verletzung liege lange zurück. Allerdings müsse sich auch Schröder ein Stück auf ihn zubewegen. "Es gibt Regeln im Leben: Der Jüngere grüßt den Älteren", findet Lafontaine.

Er ist 66. Schröder knapp sieben Monate jünger.

Lafontaine rollt dem Altkanzler den Ball zu, nun muss er ihn aufnehmen. Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit die politische Männerfreundschaft zwischen dem Niedersachsen und dem Saarländer am 11. März 1999 spektakulär zerbrach. In diesem Jahrzehnt wurden sie zu erbitterten Feinden. Sie beharkten sich per Interviews und in Zeitungskolumnen. Persönlich sprachen sie nie wieder ein Wort miteinander. Hass gibt es in der Politik viel, doch selten wird er so offen ausgetragen wie im Fall Lafontaine-Schröder.

Nimmt Schröder das Versöhnungsangebot an? Noch schweigt der Polit-Pensionär. Er denke nach, heißt es in seinem Umfeld. Ein klares Nein klingt anders.

Wie so oft im Leben steckt auch hinter den zarten Annäherungsversuchen dieser beiden zerstrittenen Männer eine Frau. Nachdem sie von Lafontaines Krebserkrankung erfahren hatte, übermittelte Doris Schröder-Köpf dem Erzfeind ihres Mannes persönliche Genesungswünsche. Die ehemalige Kanzlergattin hatte in jungen Jahren selbst einen Tumor. Sie konnte wohl mitfühlen, wie es Lafontaine nun gehen musste. Den Saarländer beeindruckte die Geste. Er schrieb zurück und bedankte sich.

Ein Fortschritt. Immerhin. So viel menschlicher Austausch wäre bis vor kurzem zwischen dem Hause Schröder und dem Hause Lafontaine unvorstellbar gewesen. Die beiden waren gemeinsam als starkes Team in die rot-grüne Bundesregierung gestartet. Wirkliche Freunde waren sie wohl nie. Doch sie hatten ein Bündnis geschmiedet zu ihrem eigenen Nutzen und zum Nutzen der SPD. Ohne dieses Bündnis wäre der rot-grüne Wahlsieg 1998 niemals gelungen.

Doris Schröder-Köpf ging an die Decke

Das Zweckbündnis zerbrach, weil im Regierungsalltag keiner der beiden Alpha-Männer dem anderen den Vortritt lassen wollte. Schröder als Kanzler hatte wohl keine Lust, sich vom SPD-Chef Vorgaben machen zu lassen. Lafontaine wiederum frustrierte, dass er gegen den mächtigen Regierungschef kaum noch mit seinen Positionen durchdrang. Außerdem fühlte er sich vom Schröder-Lager in der Regierung gemobbt.

Nach seinem Blitzrücktritt als Finanzminister und SPD-Chef attackierte Lafontaine Schröder und die SPD, wo und wann er nur konnte. Er lehnte die Hartz-Gesetze ab, schrieb hasserfüllte Kolumnen, gründete schließlich die Linkspartei mit.

Dabei kam es auch zu handfesten Auseinandersetzungen mit Doris Schröder-Köpf. Einer der vielen Höhepunkte des Zwists war ein Aufsatz Lafontaines in der "Bild"-Zeitung. Darin verglich der Weltökonom aus Saarbrücken Schröder mit dem Weimarer "Hungerkanzler": "Es ist so, als wäre Heinrich Brüning wieder auferstanden, der mit seiner Sparpolitik Massenarbeitslosigkeit verursachte und Hitler den Weg bereitete." Doris Schröder-Köpf ging an die Decke. Empört forderte sie das damalige Noch-Parteimitglied Lafontaine auf, endlich aus der SPD auszutreten. Sie versuchte sogar, ihn daheim im Saarland anzurufen, um ihm ihre Wut persönlich mitzuteilen. Doch sie hatte die falsche Nummer.

Sinnvolle Aussprache

Nun also Versöhnung? Vielleicht. Dafür spricht aus Sicht von Schröder und Lafontaine, dass es nicht gut sein kann, sich ein Leben lang mit derart tiefen Feindschaften zu belasten. Dagegen spricht, dass sie sich viel zu lange das politische Leben gegenseitig zur Hölle gemacht haben. Wie soll da ernsthafte Versöhnung gelingen?

Sinnvoll wäre eine Aussprache allemal: für die politische Kultur in Deutschland, die neben dem Kampf auch die Versöhnung kennen sollte.

Und ein Politiker würde sich sicherlich besonders freuen - SPD-Chef Sigmar Gabriel. Wenn sich die beiden bundesrepublikanischen Polit-Dinos Lafontaine und Schröder aussprechen, wäre dies ein starkes Signal für eine weitere Annäherung zwischen seiner Partei und der Linken. Rot-rote Bündnisse hätten dann, wenn man so will, den offiziellen Segen der Altvorderen.



insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
tomtomtomtomtom 28.01.2010
1. Aktion Titelzwang abschaffen
Sollen die beiden mal machen. Vielleicht hilft ja eine Kombination aus Altersweisheit und Altersmilde dabei...
Roque Spiegel 28.01.2010
2. ...
Zitat von sysopWerden sich Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine aussprechen? Seit zehn Jahren sind die einstigen Verbündeten erbitterte Feinde, nun hat der Linkenchef dem Altkanzler ein Angebot gemacht. Der schweigt noch dazu - eine Versöhnung wäre ein Segen für Deutschlands politische Kultur. Und für die SPD. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,674550,00.html
Was für ein im Sinne seiner Partei kluger (letzter?) Schachzug von Lafontaine.
woscho 28.01.2010
3. Diese beiden Kampfgockel
Zitat von sysopWerden sich Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine aussprechen? Seit zehn Jahren sind die einstigen Verbündeten erbitterte Feinde, nun hat der Linkenchef dem Altkanzler ein Angebot gemacht. Der schweigt noch dazu - eine Versöhnung wäre ein Segen für Deutschlands politische Kultur. Und für die SPD. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,674550,00.html
hieven die SPD bestimmt nicht aus dem Tal der Tränen. Das hat ja doch wohl ganz andere Gründe in der Parteistruktur. Vor dem allgemeinen Niedergang wird wohl keine Partei-Farbe gefeit sein, wie alle mit ihren Wählern umspringen.
Matthias Künzer, 28.01.2010
4. -
Zitat von sysopWerden sich Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine aussprechen? Seit zehn Jahren sind die einstigen Verbündeten erbitterte Feinde, nun hat der Linkenchef dem Altkanzler ein Angebot gemacht. Der schweigt noch dazu - eine Versöhnung wäre ein Segen für Deutschlands politische Kultur. Und für die SPD. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,674550,00.html
Nein.
Ben Major 28.01.2010
5. Gewinn.....
Zitat von sysopWerden sich Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine aussprechen? Seit zehn Jahren sind die einstigen Verbündeten erbitterte Feinde, nun hat der Linkenchef dem Altkanzler ein Angebot gemacht. Der schweigt noch dazu - eine Versöhnung wäre ein Segen für Deutschlands politische Kultur. Und für die SPD. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,674550,00.html
Ein Gewinn für Deutschlands politische Kultur wäre es, wenn Oskar Lafontaine als substanzloser Selbstdarsteller und Schröder als korrumpierter Büttel russischer Staatskonzerne gleichermaßen geächtet werden. Sollte ich die Chance haben den Altkanzler zu treffen, dann werde ich sicher ein Ei, oder eine Tomate mitnehmen, für den "lupenreinen Demokraten".
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