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12. September 2013, 19:02 Uhr

Umstrittenes Magazin-Cover

SPD verteidigt Steinbrücks Stinkefinger-Pose

Wirbel um Peer Steinbrücks provokante Pose: Gut eine Woche vor der Bundestagswahl zeigt sich der SPD-Kanzlerkandidat auf einem Magazincover mit ausgestrecktem Mittelfinger. Die SPD verteidigt die Aktion - für FDP-Chef Rösler ist hingegen klar: "So etwas geht nicht."

Berlin - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück posiert gut eine Woche vor der Bundestagswahl mit ausgestrecktem Mittelfinger auf einem Zeitschriftencover. Am Freitag erscheint das Stinkefinger-Bild auf dem Titel des "Süddeutsche Magazins". Chefredakteur Timm Klotzek postete vorab ein Foto des ungewöhnlichen Bildes auf Twitter.

Das Foto entstand im Rahmen der "Sagen Sie jetzt nichts"-Interviewreihe, bei dem die Antworten in Form von Fotos gegeben werden. Auf die Frage "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?", zeigte Steinbrück beim Fotoshoot den Stinkefinger.

Laut sueddeutsche.de wollte Steinbrücks Sprecher Rolf Kleine die Stinkefinger-Pose zunächst nicht freigeben. Steinbrück aber habe gemeint: "Nein, das ist okay so".

Steinbrücks Sprecher Rolf Kleine verteidigte das Foto auf SPIEGEL ONLINE. Er widersprach der Darstellung von sueddeutsche.de, dass er den Abdruck des Fotos noch habe verhindern wollen. "Ich sehe keine Schwierigkeit darin, warum sollte ich eine Schwierigkeit sehen?", sagte er.

"So etwas geht nicht"

Der Mittelfinger beziehe sich schließlich nicht auf Wähler, sondern auf eine Frage des "SZ"-Magazins, dass er sich um nette Spitznamen ja sicher keine Sorgen machen müsse. Kleine verwies zudem auf einen Tweet des Kanzlerkandidaten zu dem Foto. "Klartext braucht nicht immer Worte", postete das Team von Steinbrück am Nachmittag im Kurznachrichtendienst.

Das Foto entstand laut Kleine bereits vor einigen Wochen. Über den Plan des Magazins, das Wortlos-Interview kurz vor der Wahl zu drucken, sei man stets im Bilde gewesen, sagte er weiter.

Im Internet machte das Foto binnen Minuten die Runde, die Kommentare in sozialen Netzwerken schwanken zwischen Fassungslosigkeit, peinlichem Berührtsein und vereinzeltem Respekt.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kommentierte auf Twitter: "Das kann doch wohl nicht der Stil eines Bundeskanzlers sein." FDP-Chef Philipp Rösler kritisierte die Cover-Pose am Rande des Wahlkonvents seiner Partei in Mainz. "Die Geste verbietet sich als Kanzlerkandidat. So etwas geht nicht", sagte der Vizekanzler am Donnerstag.

Steinbrücks Geste hat in der Politik einige Vorbilder: Im Jahr 2000 zeigte der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, einem Jugendlichen den Mittelfinger. Kürzlich posierte auch die frühere Oberpiratin Marina Weisband mit Stinkefinger auf einer Anti-Nazi-Demo. Die Geste ist in der Partei ohnehin sehr beliebt. Auf einem Magazincover ist der Finger in Kombination mit Politik allerdings eher ungewöhnlich.

vme/amz/dpa

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