"Tiger"-Unglück in Mali Hubschrauber-Absturz "war nicht zu überleben"

Beide Piloten starben beim Absturz eines Bundeswehr-Kampfhubschraubers in Mali. Ein Schreiben des Verteidigungsministeriums liefert neue Erkenntnisse.

"Tiger"-Kampfhubschrauber in Mali (Archivaufnahme)
DPA

"Tiger"-Kampfhubschrauber in Mali (Archivaufnahme)


Beim Absturz eines "Tiger"-Kampfhubschraubers im Norden Malis wurden am 26. Juli beide Soldaten an Bord getötet. Ein Bericht des Verteidigungsministeriums liefert zwar neue Erkenntnisse - doch nach wie vor ist nicht geklärt, was genau ursächlich war für den Unfall des Bundeswehr-Helikopters.

Der Hubschrauber flog demnach mit einer Geschwindigkeit von etwa 135 Knoten (rund 250 Stundenkilometer) in einer Höhe von etwa 550 Metern über dem Boden, als er "plötzlich und für die Besatzung überraschend radikal die Nase senkte und in einen starken Sinkflug überging", heißt es in dem Schreiben des Verteidigungsministeriums an die Obleute des Bundestags-Verteidigungsausschusses.

Absturz "war nicht zu überleben" / Lösten sich Rotorteile?

Was den dramatischen Sturzflug auslöste, konnten auch die Experten eines Untersuchungsteams laut dem Ministeriums-Papier nicht abschließend klären. Kurz nach dem Absturz hatten die Piloten eines zweiten "Tigers" ausgesagt, sie hätten kurz vor dem Absacken am Rotor der Unglücksmaschine wegfliegende Teile beobachtet, sicher aber waren sie sich nicht.

Zunächst hatte sich die These bestätigt. So fanden Bundeswehr-Ermittler nach tagelanger Suche in der malischen Wüste in größerer Entfernung von der eigentlichen Absturzstelle Rotorteile, die nicht durch den starken Aufprall abgesprengt wurden, sondern vorher abgefallen sein müssen.

Die Suche nach Hinweisen ist äußerst schwierig, da der "Tiger" fast vollbetankt und komplett bewaffnet zu Boden ging. Deshalb wurde der Helikopter durch einen Feuerball nahezu vollständig zerstört, die Waffen explodierten. Der Absturz, heißt es in dem Bericht des Ministeriums, "war nicht zu überleben".

Mittlerweile glauben die Experten, dass die gefundenen Rotorteile erst während des Sturzflugs abfielen und nicht der Auslöser für den Absturz selber waren. So heißt es in dem Schreiben des Ministeriums, die Teile hätten sich gelöst, "nachdem das Luftfahrzeug in den starken Sinkflug übergegangen war".

Ob die Unfallursache jemals komplett aufgeklärt werden kann, wird in Bundeswehrkreisen mittlerweile bezweifelt. Ein Grund ist nach SPIEGEL-Informationen, dass einer der beiden Flugschreiber bei dem Absturz zu stark beschädigt wurde, um ein Auslesen der Daten zu ermöglichen. Ob die Daten des zweiten Geräts Klarheit bringen, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Die Bundeswehr unterstützt in Gao die Mission Minusma, die als einer der gefährlichsten Uno-Einsätze weltweit gilt. Ziel ist die Stabilisierung des Krisenstaats. Außerdem unterstützt die Bundeswehr eine EU-Ausbildungsmission in Mali.

mgb/Reuters



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