Machtkampf CSU-Vize Weber warnt vor weiterer Seehofer-Demontage

Erst Jamaika, dann Machtkampf - so soll die Nachfolge bei der CSU geregelt werden. Doch Bayerns Finanzminister Söder hält sich nicht daran. Im SPIEGEL weist Parteivize Weber den Seehofer-Rivalen zurecht.

CSU-Vize Weber
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Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Manfred Weber warnt seine Partei vor einem anhaltenden und verletzendem Machtkampf um die Nachfolge von Horst Seehofer.

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Heft 47/2017
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"Das Wahlergebnis von 2008 war für die CSU die bittere Lehre, dass vor allem der innerparteiliche Umgang mit Edmund Stoiber viele bürgerliche Wähler enttäuscht hat", sagte Weber dem SPIEGEL. "Das darf uns nicht mehr passieren." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Indirekt kritisierte Weber damit auch Bayerns Finanzminister Markus Söder, der sich Hoffnungen macht, Seehofer bald im Amt des Ministerpräsidenten zu folgen. "Gerade als bürgerliche Partei müssen wir im Umgang miteinander Vorbild sein, dafür haben die Menschen ein feines Gespür. Es braucht jetzt Mannschaftsgeist", sagte Weber, der auch Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament ist.

Parteichef Horst Seehofer gilt nach dem schlechten Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl als angeschlagen. Eine Debatte um seine Nachfolge hat sich Seehofer aber so lange verbeten wie die Jamaika-Gespräche in Berlin andauern. Doch nicht alle halten sich daran.

Vor allem Finanzminister Söder lässt keine Gelegenheit aus, um Seehofer zu piesacken. Mal schickt er Verbündete in den fränkischen Bezirksverbänden mit Attacken gegen Seehofer vor, mal seine Freunde in der Münchner CSU. Der vorläufige Höhepunkt der Angriffe auf den Parteichef war jüngst beim Treffen der bayerischen Jungen Union in Erlangen zu besichtigen. Dort hielten Delegierte Schilder mit der Aufschrift "MP Söder" in die Luft.

Nicht nur Weber glaubt, dass dieses Gebaren der CSU schade. Auch Ilse Aigner, die Vorsitzende im mächtigen CSU-Bezirk Oberbayern, hatte vergangene Woche in einem Zeitungsinterview gemahnt: "Das Bild, das wir abliefern, ist katastrophal."

Rivalen Seehofer, Söder
DPA

Rivalen Seehofer, Söder

Ähnlich war es im Jahr 2007, als sich die CSU nach zähen, auch offen ausgetragenen Scharmützeln und Verletzungen von ihrem langjährigen Parteichef und Ministerpräsidenten Edmund Stoiber abnabelte. Die Quittung für soviel Uneinigkeit musste die CSU bei der Landtagswahl im Herbst 2008 hinnehmen. Zum ersten Mal seit Langem verfehlte die Partei mit Ministerpräsident Günther Beckstein damals die absolute Mehrheit.

Im Herbst des kommenden Jahres stehen in Bayern erneut Landtagswahlen an. So wie es derzeit ausschaut, sind die Chancen gering, dass die CSU ihre absolute Mehrheit verteidigt.

Weber hat Chancen auf CSU-Vorsitz

CSU-Vize Weber werden in der Debatte um die Nachfolge Seehofers Chancen auf den Posten des Parteichefs eingeräumt, wenn es, was immer wahrscheinlicher wird, zu einer Trennung der Ämter von CSU-Vorsitz und Ministerpräsident kommen sollte. Das Problem ist jedoch, dass Weber als EVP-Fraktionschef in Brüssel stark gebunden ist.

Weber versucht seiner Partei klarzumachen, dass es kein Makel ist, wenn er in Brüssel Politik macht. Im Gegenteil: So sei die CSU als einzige bayerische Partei prominent bei wichtigen Entscheidungen in Europa vertreten. Wenn Griechenlands Schuldenpremier Alexis Tsipras im Europaparlament redet, gibt ihm CSU-Mann Weber kontra. Und am vergangenen Mittwoch schaute er in London bei Theresa May vorbei, um über die festgefahrenen Brexit-Gespräche zu reden.

Das Problem ist nur: Zwar können sich viele Weber als Ergänzung zum polternden Söder vorstellen. Die Idee jedoch, dass die CSU aus Brüssel geführt werden kann, übersteigt die Vorstellungsgabe der meisten CSU-Mitglieder. Zu einem Wechsel in die Bundespolitik oder nach Bayern ist Weber - Stand heute - nicht bereit.

Wegen der andauernden Jamaika-Sondierungen verlängert sich auch der Machtkampf in der CSU. Ihre für Samstag geplanten Gremiensitzungen in München sagte die Partei ab. Bei den Treffen der Landtagsfraktion und des Vorstands sollte es offiziell nur um die Sondierungsergebnisse gehen. Es wurde jedoch nicht ausgeschlossen, dass dort auch die schwelende Personaldebatte um Seehofer eine Rolle spielen könnte.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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