Mannheim Wassermangel löst Massentumult in Flüchtlingsheim aus 

Erst ging das Trinkwasser aus, dann kam es zu einer wilden Rangelei: In einem Mannheimer Asylbewerberheim haben 200 Flüchtlinge gegen den Getränkemangel protestiert.


In Mannheim ist es wegen Wassermangels in einer Flüchtlingsunterkunft zu Tumulten gekommen. Nach Polizeiangaben waren drei Männer bei der Ausgabe von Trinkwasser leer ausgegangen und hatten daraufhin protestiert. Ihnen schlossen sich demnach etwa 200 Menschen an, die von Mitarbeitern der Unterkunft Getränke forderten und so erhebliche Tumulte auslösten.

Die Flüchtlinge versuchten dabei, ein Getränkelager aufzubrechen. Rund 50 Polizisten waren mit zwei Pferden im Einsatz, um die Lage zu beruhigen. Zwei der anfangs beteiligten Männer wurden festgenommen, der dritte entkam zunächst. Verletzt wurde niemand.

Unberechtigt war der Protest offenbar nicht: Bei der Getränkeausgabe stand nach Angaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe nicht genügend Wasser bereit. Davon erhalten die Flüchtlinge regulär zwei Liter pro Tag, bei Hitze auch mehr. "Eine Knappheit darf in der Form nicht vorkommen", sagte ein Sprecher. Man habe geklärt, dass es das künftig nicht mehr geben werde. Nach 30 Minuten seien den Asylbewerbern Ersatzgetränke angeboten worden.

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Flüchtlinge in Deutschland: Kein Platz
Die große Anzahl von Asylbewerbern verursacht seit Wochen Probleme bei der Unterbringung und Versorgung. Im Streit um die Finanzierung der Verfahren und Asylbewerberunterkünfte haben Länder und Kommunen zuletzt Unterstützung von der SPD erhalten. Die Mittel des Bundes für die Flüchtlingshilfe müssten mindestens verdoppelt werden, sagte SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel: "Nach einem Jahr Aufenthalt sollte der Bund die finanziellen Leistungen für Asylbewerber und Geduldete übernehmen."

Zuletzt hatte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) eine Kopfpauschale vom Bund gefordert. Für ein stärkeres Engagement des Bundes machte sich auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), stark. Die Flüchtlingshilfe für die Kommunen müsse auf mindestens zwei Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt werden, sagte sie der "Rheinischen Post".

Bei den Verhandlungen mit dem Bund über die Flüchtlingsfrage können die Länder zumindest auf eine schnellere Entscheidung hoffen. Ein für den Herbst geplantes Bund-Länder-Treffen könnte auf September vorgezogen werden. Zur Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer nach einem Termin im September sagte Kanzleramtschef Peter Altmaier im ZDF-"Morgenmagazin": "Dafür sind wir sehr offen."

mxw/dpa

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