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Prostitution: Bordellbetreiber sollen auf Zuverlässigkeit überprüft werden

Prostituierte im Kölner Bordell "Pascha" (Archivbild): Strengere Gesetze Zur Großansicht
DPA

Prostituierte im Kölner Bordell "Pascha" (Archivbild): Strengere Gesetze

Mindestalter für den Betreiber, mehr Rechte für die Polizei: Wer in Deutschland ein Bordell betreibt, muss nach SPIEGEL-Informationen künftig mit strengeren Auflagen rechnen. Auch ein Grundrecht soll eingeschränkt werden.

Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) will die Regeln für Bordellbetreiber stärker verschärfen als bislang bekannt. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus dem aktuellen Arbeitsentwurf ihres Ministeriums für das neue sogenannte Prostituiertenschutzgesetz hervor. Bordellbetreiber müssen demnach künftig mindestens 21 Jahre alt und "zuverlässig" sein, um eine Erlaubnis zu bekommen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Dafür dürfen sie in den fünf Jahren zuvor beispielsweise nicht wegen Zuhälterei oder Schwarzarbeit verurteilt und mindestens zehn Jahre nicht in einem verbotenen Verein wie einem Rockerklub Mitglied gewesen sein. Ebenfalls neu ist, dass "Räume, die für die Prostitutionsausübung bestimmt sind, nicht über den Einzelfall hinausgehend zur Nutzung als Schlaf- und Wohnraum bestimmt" sein dürfen, wie es in dem Entwurf heißt. In vielen Bordellen ist es üblich, dass Sexarbeiterinnen dort auch übernachten.

Außerdem bekommen Polizei und Behörden wie Gesundheitsämter das Recht, Bordelle "jederzeit zu betreten". Dies soll auch für Wohnungsbordelle gelten: "Das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) wird insoweit eingeschränkt", heißt es in dem 79 Seiten langen Entwurf.

Um die geplante Kondompflicht zu gewährleisten, müssen Betreiber ausreichend Präservative bereitstellen und ein Hinweisschild anbringen, heißt es weiter. Auch für Prostituierte kommen neue Regeln: Sie müssen sich künftig anmelden und die Bescheinigung bei Kontrollen vorzeigen - dies soll auch unter Pseudonym möglich sein.

Die Große Koalition hatte sich im Februar auf eine Reform des Prostitutionsgesetzes geeinigt. Demnach ist käuflicher Sex ohne Kondom künftig bundesweit verboten. Zudem sollen für 18- bis 21-jährige Sexarbeiterinnen besondere Auflagen gelten. Statt der von der Union geforderten Zwangsgesundheitsuntersuchung ist einmal im Jahr eine "medizinische Beratung" für Prostituierte vorgeschrieben.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 114 Beiträge
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1. Ach du meine Güte...
juergw. 11.04.2015
das wäre ja so im Vergleich,als wenn man eine Bank auf ihre Zuverlässigkeit überprüfen würde...
2. Ueberpruefung
joerg22 11.04.2015
Dann wird eben ein Strohmann das Bordell führen liebe Frau Minister. mehr Köpfchen bitte.
3. Find ich gut
shooop 11.04.2015
Prostitution müsste verboten werden. Ich weiß, es ist das angeblich älteste Gewerbe der Welt und lässt sich nicht verbieten, aber es ist menschenverachtend, wenn man sich den Körper eines anderen Menschen kaufen kann. Der Weg, den wir jetzt gehen, der ist falsch. Ich war selbst schon beruflich in Bordellen und die 'Arbeitgeber' sind allesamt brutale Schweine, die die Frauen psychisch und physisch misshandeln. Das kann man sehen, wenn man es sehen will. Der Weg, den wir gegangen sind, der sollte die Frauen schützen und aus der Illegalität rausholen. Ich glaube, das das gescheitert ist. Die Illegalität ist vermutlich mehr Schutz für die Frauen als der jetzige Zustand.
4. Zeitarbeitsfirmen
slider 11.04.2015
könnten doch die Huren (ehrenhafter Name) vermitteln, die verleihen doch schon heute Arbeitssklaven in die ganze Wirtschaft und verdienen an der Arbeit anderer.
5. Zumindest ein Fortschritt!
thunderstorm305 11.04.2015
Dass Wohnungsbordelle nun auch überprüft werden, ist zumindest ein richtiger Fortschritt. Das Problem sind nicht die bekannten Rotlichtbezirke, sondern Wohnhäuser in denen sich Bordelle in normalen Wohnungen niedergelassen haben. Es ist immer interessant wie lange es dauert, bis die auf lokaler Ebene bekannten Probleme den Bundestag erreicht haben. Aber wie soll man die Regel verstehen dass der Puff in Zukunft nicht als Wohn- und Schlafstätte benutzt werden darf? Das bedeutet doch dass die meisten Wohnungsbordelle ein Problem bekommen. Denn diese Wohnungen werden natürlich auch sonst neben der Arbeit von den Prostituierten benutzt. Aber vielleicht kann man das Problem noch besser lösen, in dem man den Eigentümergemeinschaften das Recht gibt verbindlich einen Puff in ihrer Anlage zu verbieten?
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