TV-Dokumentation: Margot Honecker gibt Maueropfern Mitschuld

Erstes Fernsehinterview seit 20 Jahren: In einer Dokumentation spricht Margot Honecker über das Ende der DDR. Zweifel am System sind der Witwe des damaligen Ost-Berliner Staatschefs bis heute fremd. Sie teilt gegen Flüchtlinge und Dissidenten aus.  

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Margot Honecker (im Juli 2010): "Man brauchte ja nicht über die Mauer zu klettern"

Berlin/Hamburg - Sie war einst die mächtigste Frau der DDR, lebt seit 20 Jahren zurückgezogen in Chile, nun spricht Margot Honecker in einer TV-Dokumentation über das Ende der DDR.

Im Dokumentarfilm "Der Sturz - Honeckers Ende", der am Montagabend im Ersten ausgestrahlt wird, zeige sich die einst mächtigste Frau der DDR und Gattin des SED-Chefs Erich Honecker uneinsichtig mit den an der Mauer getöteten Flüchtlingen, teilte der NDR am Freitag mit. In dem 90-minütigen Film des Dokumentarfilmers Eric Friedler bezeichnet die frühere DDR-Ministerin nach Angaben des Senders den Tod von DDR-Flüchtlingen als "Dummheit". "Man hat sich vor allem auch immer gefragt: Wieso hat er das riskiert? Warum? Denn das braucht ja nicht sein. Der brauchte ja nicht über die Mauer zu klettern", sagt Honecker laut NDR.

Der Film analysiert den Angaben zufolge mit Original-Filmausschnitten und Zeitzeugen-Interviews von Opfern, aber auch Staatsmännern wie Helmut Schmidt, Wolfgang Schäuble und Michael Gorbatschow die letzten Tage des einstigen DDR-Machthabers, der im August 100 Jahre alt geworden wäre.

Erst Anfang März erschien das Interview-Buch "Zur Volksbildung". Margot Honecker hatte dazu mit dem ostdeutschen Verleger Frank Schumann gesprochen, den sie von früher kennt. Während die Ex-Ministerin im Buch mit keiner kritischen Frage konfrontiert wird, halte es Friedler in seinem Dokumentarfilm ganz anders, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Der Film sei eine atemberaubende Geschichtsstunde und bleibendes Unterrichtsmaterial, lobte das Blatt vorab.

Wirklich überraschend ist nicht, was Margot Honecker zu Protokoll gibt. Interessant ist aber, mit welcher Vehemenz Fehler ausgeblendet und der politische Gegner aufs Neue verantwortlich gemacht wird für das Aus des Arbeiter- und Bauern-Staats. Schon im Buch "Zur Volksbildung" beharrte sie darauf: Die DDR habe auf Gleichheit, Gerechtigkeit, Glück und Wohlstand gefußt.

Margot Honecker sehe in dem Film keinen Anlass, sich für die Staatssicherheit zu entschuldigen, erklärte der NDR. Die Stasi war nach Ansicht der Polit-Witwe eine legitime Notwendigkeit. Zu politischen DDR-Häftlingen sage sie, die seien kriminell gewesen. Traumatisierte Opfer, die in geschlossenen Jugendwerkhöfen litten, seien für sie "bezahlte Banditen".

fab/dpa/dapd

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1. Was soll dabei herauskommen,
caecilia_metella 30.03.2012
wenn es schon wieder ein Regisseur aus dem Westen ist?
2. Ach
hman2 30.03.2012
Zitat von caecilia_metellawenn es schon wieder ein Regisseur aus dem Westen ist?
Wo ist das Problem? Sind die weniger qualifiziert als die von der DEFA?
3. Was wäre denn herausgekommen,
zweibein 30.03.2012
Zitat von caecilia_metellawenn es schon wieder ein Regisseur aus dem Westen ist?
wenn es ein Regisseur aus dem Osten wär?
4. Sie bekommt...
lukapp 30.03.2012
... ihren Ehrensold. Wir sollten sie sonst in Ruhe lassen. Leider hat nicht geklappt, was Biermann damals sang: Nicht Rache, nein Rente, im Wandlitzer Ghetto -- und Friede ihrem letzten Atemzug.
5.
Leehong 30.03.2012
Zitat von zweibeinwenn es ein Regisseur aus dem Osten wär?
DIE LINKE - Kinoswerbung 2005 Wahlwerbung - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=ObjDWWaFrc8) wahrscheinlich sowas
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Notizen aus der U-Haft: Erich Honecker packt aus

Parteienystem der DDR
Parteienbildung nach 1945
Die Sowjetische Militäradministration ließ mit ihrem Befehl Nr. 2 vom 10. Juni 1945 zwar schon frühzeitig die Bildung von Parteien zu (die KPD, die SPD, die CDU und die LDPD). Sie tat dies jedoch vor allem, um die Richtung der Parteien von vornherein steuern zu können. Nachdem es kurzfristig so ausgesehen hatte, als könnten die Kommunisten einen eigenständigen deutschen Weg zum Sozialismus einschlagen, wurde jedoch bald deutlich, daß die sowjetische Führung nicht willens war, in ihrer Besatzungszone Parteien mit unterschiedlichen Konzeptionen zu dulden.

Zwangsvereinigung von KPD und SPD
Im April 1946 kam es zur Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Die neue Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) errang dank der sowjetischen Besatzungsmacht allmählich ein Machtmonopol. Die beiden anderen Parteien - die CDU und die LDPD - verloren ihre Eigenständigkeit. Der abgesetzte Vorsitzende der CDU Jakob Kaiser ging in den Westen; der konzessionsbereite Vorsitzende der LDPD Wilhelm Külz verstarb 1948.

In jenem Jahr wurden von der SED zwei weitere Parteien gegründet: die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD).

Blockparteien
Bis 1989 waren die Christliche Demokratische Union der DDR (CDU), die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD), die Liberale Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD) mit der Sozialistischen Einheitspartei (SED) im Demokratischen Block zusammengeschlossen. Als Blockparteien waren sie sowohl in der Volkskammer als auch in der Regierung vertreten - hatten jedoch nahezu keinen politischen Einfluss.

Die Bedeutung der Blockparteien, die die Führungsrolle der Kommunisten anerkannten, erwies sich für die SED als ambivalent. Einerseits schirmten sie deren Herrschaft ab, andererseits hatten sie auch für diejenigen eine Nischenfunktion, die sich der SED entziehen wollten.

Nationale Front
In der Nationalen Front der Deutschen Demokratischen Republik, die jeweils eine Einheitsliste für die Wahlen aufstellte, waren sämtliche Parteien zusammen mit den Massenorganisationen vereinigt. Zu ihnen gehörten der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB), die Freie Deutsche Jugend (FDJ), der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD), der Kulturbund der DDR (KB) sowie die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB). Diese Massenorganisationen sollten die Bürgerinnen und Bürger der DDR ideologisch erfassen, für die Ziele der SED gewinnen und letztlich auch kontrollieren.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
Prominente Verurteilte

Egon Krenz, Staats- und Parteichef, 1997 zu sechseinhalb Jahren verurteilt, Reststrafe 2003 zur Bewährung

Heinz Keßler, DDR-Verteidigungsminister, 1993 zu siebeneinhalb Jahren verurteilt, Reststrafe 1998 zur Bewährung

Klaus-Dieter Baumgarten, Chef der DDR-Grenztruppen, 1996 zu sechseinhalb Jahren verurteilt, im Jahr 2000 begnadigt

Fritz Streletz, Generalstabschef NVA, 1993 zu fünfeinhalb Jahren verurteilt, Reststrafe 1997 zur Bewährung