Frust über Entwicklung Marina Weisband trat heimlich bei den Piraten aus

Die Piratenpartei hat ihr bekanntestes Mitglied verloren: Ex-Geschäftsführerin Marina Weisband ist bereits vor einem Jahr ausgetreten. Die Piraten seien "verbrannt", sagt Weisband. Ein Comeback schließt sie nicht aus.

Ex-Geschäftsführerin Weisband
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Ex-Geschäftsführerin Weisband


Marina Weisband ist nicht mehr Mitglied bei der Piratenpartei. "Obwohl ich nicht mehr dabei bin, hänge ich noch an der Partei", sagte die ehemalige Geschäftsführerin dem SPIEGEL. Deshalb sei sie letztes Jahr "ganz still ausgetreten".

"Ich wollte nicht die Schlagzeile: 'Marina Weisband kehrt Piraten den Rücken'. Das haben die nicht verdient", so die 28-Jährige.

Mit dem Schritt habe sie sich für die Arbeit an Schulen von Parteien unabhängig machen wollen, erklärt Weisband im SPIEGEL. Sie will jetzt in dem sogenannten Aula-Projekt, das von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wird, Onlinebeteiligung in die Schulen bringen. An vier Orten wird derzeit erprobt, wie Schüler mit einer eigens entwickelten Software Politik mitbestimmen können.

Die Partei habe sich "nicht zum Positiven verändert", sagte sie der "taz". Zudem sei ihr politische Neutralität bei ihrem neuen Projekt wichtig. "Ich wollte der Partei nicht schaden", zitiert die Zeitung die 28-Jährige. Deshalb habe sie nicht über ihren Parteiaustritt gesprochen.

Ein Comeback in der Politik schließt Weisband nicht aus. Sie müsste sich dafür aber eine neue Partei suchen. Denn: "Das Label Piraten ist verbrannt", sagt sie. Laut Weisband ist der progressive Flügel aus der Partei vertrieben worden, nun seien dort nur noch viele konservative Menschen, "die das Internet in den Grenzen von 1990 wollen".

2011 waren die Piraten mit 8,9 Prozent der Stimmen in das Landesparlament Berlin eingezogen. Laut aktuellem ZDF-Politbarometer werden der Partei bei den Wahlen am 18. September kaum Chancen auf einen Wiedereinzug eingeräumt. In Führung liegt die SPD.

cht/brk



insgesamt 73 Beiträge
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vonschnitzler 09.09.2016
1. Tja komisch...
alle wollen mehr direkte Demokratie und wettern, dass an Ihnen vorbeiregiert wird und keiner wählt die Piraten, die genau dafür stehen - warum bloß?
chronoc 09.09.2016
2. Herrlich, diese Marketing-Sprache!
"Das Label Piraten ist verbrannt" Toll! Eine Partei ist also eine Marke? Nicht etwa was ganz verrücktes, wie....eine Überzeugung? Nicht schlecht! Die gute Frau hat offenbar keine Überzeugungen, sondern suchte nur ein Wirtstier für ihre eigenen Maßstäbe. "...die das Internet in den Grenzen von 1990 wollen" Ebenfalls eine tolle Aussage, die beweist, wie sinnlos die Piraten, trotz ihrer anfänglichen Erfolge, sind. Wenn es sonst keine Probleme gibt, liebe Onlinegemeinde! Die Welt ist ja soweit in Ordnung, aber wenn ich den Film nicht kostenlos und illegal streamen darf, werde ich zum Tier! Danke, Frau Weisband! Aber für was?
goodcharlotte 09.09.2016
3. Danke Marina!
Unter Marina Weisband war die Piratenpartei wunderbar, ich habe sie auch gewählt. Mit Anke Doscheit Berg kam nochmal ein Hoffnungsschimmer, dann haben die anderen übernommen. Seit die uninformierten Afd- und Pegida-Trolle, wie auch einige Kommentatoren bei SPON aus ihren Löchern gekommen sind, bin ich froh, dass wir nicht mehr direkte Demokratie haben.
Raimunde Krudenbruch 09.09.2016
4. Jetzt mal halblang...
JEDE Partei ist eine Marke! Sie steht für etwas - das ist ja das Prinzip der Partei. Die Piraten sind eine Partei mit neuen Strukturen gewesen, die schnell große Erfolge eingefahren hat. Jede solche Organisation zieht damit automatisch Opportunisten und Machtgeile Schaumschläger an. Entweder die Organisation kommt damit klar, oder sie lässt sich davon übernehmen. Pech gehabt, Piraten. Ihr wart nicht stark genug, stabil genug und einfach zu naiv...
vaclav.havel 09.09.2016
5. Richtige Entscheidung
Tja, dann sind wir beide ja praktisch zur selben Zeit und aus denselben Gründen ausgetreten, Frau Weisband. Die Piraten haben sich kaputt machen lassen, von extremen Gruppen, die dort plötzlich das Ruder übernahmen, um auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen.
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