Rechtsextremer Waffenhändler "Migrantenschreck"-Betreiber Rönsch nach Deutschland ausgeliefert

Weil er im Netz illegal Waffen verkauft haben soll, wurde der Rechtsextremist Mario Rönsch in Ungarn festgenommen. Nun wird er an die deutschen Strafverfolgungsbehörden überstellt.

Von und


Der Ende März in Ungarn verhaftete Rechtsextremist Mario Rönsch ist nach Deutschland ausgeliefert worden. Nach SPIEGEL-Informationen wurde der 34-jährige Thüringer am Donnerstag aus Ungarn in die Bundesrepublik ausgeflogen. Gegen 16 Uhr landete die Maschine mit Rönsch, der von zwei Polizeibeamten begleitet wurde, auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld, wo er von der deutschen Justiz in Empfang genommen wurde.

Rönsch gilt als Kopf des illegalen Online-Waffenversandhandels "Migrantenschreck", der sich auf eine rechtsgerichtete Klientel spezialisiert hatte und mit rassistischen Sprüchen um Kunden warb.

Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft ist Rönsch dringend verdächtig, zwischen Mai und November 2016 von Ungarn aus den illegalen Versandhandel organisiert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll er in mindesten 193 Fällen erlaubnispflichtige Schusswaffen illegal an mehrere in Deutschland wohnhafte Erwerber veräußert haben. Die Waffenverkäufe sollen über eine von ihm betriebene Firma und diverse ungarische Kontoverbindungen abgewickelt worden sein.

Am 28. März war Rönsch, der von den deutschen Strafverfolgungsbehörden per europäischem Haftbefehl gesucht wurde, in Ungarn verhaftet worden.

Rönsch, der zeitweise auch AfD-Mitglied war, gilt zudem als einer der Hintermänner einer anonymen Hetzseite, die auf russischen Servern betrieben wird, und von einem dazugehörigen Facebook-Auftritt, der zeitweise zwei Millionen Likes hatte. Auf diesen Plattformen wurden ausländerfeindliche Hetzbotschaften und Verschwörungstheorien verbreitet und der Waffenshop "Migrantenschreck" beworben. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Rönsch wegen Volksverhetzung und Verleumdung.

Wer verschickt den Hetz-Newsletter?

Die Hetz-Website blieb auch nach der Verhaftung von Rönsch im Netz, nur der dazugehörige "Newsletter" wurde nicht mehr versandt. Doch seit wenigen Tagen erhalten Abonnenten des Verteilers plötzlich wieder die regelmäßigen Hassbotschaften. Unter Betreffzeilen wie "Aufgedeckt: Merkel bereitet endgültige Zerstörung Deutschlands vor" verbreitet der Newsletter frei erfundene oder völlig verdrehte "Nachrichten", die sich vor allem gegen Flüchtlinge, Muslime und Politiker etablierter Parteien richten.

Da Rönsch noch in Haft sitzt, ist fraglich, ob er die neuesten Rundmails überhaupt selbst initiiert haben könnte. Wahrscheinlicher ist, dass er Mitstreiter hat, die den Mailverteiler während seiner Zeit im Gefängnis weiter bedienen.



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.