Neuer CSU-Generalsekretär Blume Der Anti-Wadlbeißer

Der neue CSU-Generalsekretär Markus Blume passt so gar nicht zum kraftstrotzenden Stil seiner Vorgänger. Der frühere Eiskunstläufer ist ein leiser Stratege.

CSU-Mann Blume
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Der Generalsekretär hatte gesprochen. Anschließend der künftige Ministerpräsident. Und dann war Markus Blume dran.

Es ist ja viel von Demut die Rede dieser Tage in der CSU. Demütiger als Blume beim politischen Aschermittwoch seiner Partei in Passau kann man sich einen Auftritt nicht vorstellen - und das auch noch an seinem 43. Geburtstag.

Kein Mensch in der Dreiländerhalle wollte nach Andreas Scheuer und Markus Söder und dem einen oder anderen Bier noch einen Vortrag hören. Die einen waren schon auf dem Weg nach draußen, die anderen scharten sich vor der Bühne für Erinnerungsfotos mit dem neuen Hoffnungsträger Söder. Aber irgendwer hatte sich im Vorfeld ausgedacht, dass Blume auch noch reden sollte. Also brachte er die Sache irgendwie zu Ende.

Beim nächsten Aschermittwoch wird alles anders sein. Blume ist gerade vom Stellvertreter zum Generalsekretär aufgestiegen, der bisherige Amtsinhaber Scheuer wechselt ins Bundeskabinett nach Berlin. Also wird Blume im kommenden Jahr die Eröffnungsrede halten. Dann werden die Leute ihm zuhören.

Ob sie ihm zujubeln werden wie seinen Vorgängern Scheuer und Alexander Dobrindt, wenn diese in Passau wieder mal so richtig gegen den politischen Gegner holzten, darf allerdings bezweifelt werden. Blume ist kein rhetorischer Wadlbeißer, kein politischer Haudrauf.

Er macht einfach nur seine Arbeit. Und die hat Blume in den vergangenen Jahren so gut erledigt, dass nun wirklich kein Weg mehr an ihm vorbeiführte. Für alle möglichen Ämter wurde er immer wieder gehandelt - stets stand ihm seine Münchner Herkunft im Weg: An den beiden Großkopferten der Landeshauptstadt-CSU, Kultusminister Ludwig Spaenle und seinem Staatsekretär Georg Eisenreich, kam er einfach nicht vorbei. Mehr Posten für München waren nach dem komplizierten geografischen Proporz der Partei nicht drin.

Blume hat Disziplin und Geduld

Blume, einst bayerischer Jugendmeister im Eiskunstlauf, hat Disziplin und Geduld bewiesen. So wie schon 2003, als Parteimitglieder mit gefälschten Stimmen seine Kandidatur für den Landtag verhinderten. Blume ließ die Sache auffliegen, die am Ende die Strauß-Tochter und damalige Münchener CSU-Chefin Monika Hohlmeier das Amt und den Ministerposten kosteten. Fünf Jahre später zog er ins Parlament ein.

In der Zwischenzeit arbeitete Blume als Unternehmer und Berater, auch für einen russischen Oligarchen, was ihm zeitweise aus der Partei zum Vorwurf gemacht wurde. Vielleicht hat sich der Diplom-Politikwissenschaftler auch aus dieser Zeit eine Nüchternheit und Ruhe bewahrt, die vielen in der CSU abgeht.

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Große Koalition: Das ist das CSU-Personal

Dass sich ausgerechnet Horst Seehofer das neue Fraktionsmitglied schon früh ausgeguckt hat, wirkt auf den ersten Blick rätselhaft. Aber vielleicht weiß gerade der scheidende Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende, dass man in seiner emotional immer am Anschlag agierenden Partei auch Leute wie Blume braucht.

Der sagt Sätze wie: "Nicht die Lautstärke ist entscheidend, sondern die Richtigkeit in der Position."

2014 machte Seehofer den Abgeordneten zum Chef der Partei-Grundsatzkommission, 2017 zum Vizegeneralsekretär. Da hatte Blume gerade ein frisches CSU-Grundsatzprogramm vorgelegt, das von Seehofer mit wahren Lobeshymnen bedacht wurde.

Bei den Koalitionsverhandlungen war Blume im engsten CSU-Kreis dabei

Wie sehr ihn der Alte schätzt, zeigte sich zuletzt am Ende der Koalitionsverhandlungen in Berlin: Blume war in der finalen Nacht gemeinsam mit CSU-Landesgruppenchef Dobrindt und Scheuer im kleinsten Kreis dabei. Angeblich stammte auch von ihm die Idee, in der festgefahrenen Debatte um die Ressortverteilung das erweiterte Innenministerium für Seehofer zu beanspruchen.

Nun also soll Blume die Partei fit für den Landtagswahlkampf machen - mit dem Spitzenkandidaten und Bald-Ministerpräsidenten Söder an der Spitze. Das kann funktionieren, weil der Seehofer-Mann Blume in der Partei breit anerkannt ist, auch von Söder selbst. Der künftige Regierungschef dürfte sich außerdem glücklich schätzen, einen kühlen Denker und Organisator in der Parteizentrale sitzen zu haben.

Dennoch ist die Herausforderung riesig: Von der absoluten Mehrheit, die es für die CSU in Bayern zu verteidigen gilt, ist man noch weit entfernt. Vor allem die AfD, bei der Bundestagswahl im Freistaat mit 12,4 Prozent der Stimmen unerwartet erfolgreich, bereitet den Christsozialen große Sorgen. Dass Bayern keine Alternative brauche, weil es die CSU gibt - mit dieser Prognose hat Blume in der Vergangenheit falschgelegen.

Als Generalsekretär sehe er nun seine Aufgabe darin, "das bürgerliche Lager wieder zu einen", sagte Blume der "Abendzeitung". Und: "Wir müssen zusammenführen, nicht spalten."

Die richtigen Vorrausetzungen dafür bringt er mit. Ob seine Partei mitspielt, steht auf einem anderen Blatt.

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drent 07.03.2018
1. Tja, liebe Preissn,
wir können auch staad und hinterfotzig und für die Leute gschmackig unsere bayerische Politik betreiben. Darum haben wir ja auch schon euch ein Jahrtausend überlebt. Mia san mia.
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