Zukunft der CSU Söder. Sonst nix

Horst Seehofer als Parteichef verabschiedet, Markus Söder zum Nachfolger gewählt - die CSU will einen Neustart. Aber wohin? Und ist Söder dafür der Richtige?

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Aus München berichtet


Sein Großvater habe ihm damals gesagt, er solle es bleiben lassen mit der Politik, lieber was "Gescheites machen". So erinnert Markus Söder an diesem Samstag in der kleinen Münchner Olympiahalle die Empfehlung des Opas, als ihm sein Enkel im Frühjahr 1983 vom Eintritt in die Junge Union und die CSU berichtete. "Ich habe mich nicht dran gehalten", sagt Söder am Parteitagspult unter Gelächter.

Aus heutiger Sicht war es für den jungen Mann zweifellos richtig, den großväterlichen Rat zu übergehen - ob das auch für seine Partei gilt, wird die Zukunft zeigen. Im Januar 2019 ist der Franke Markus Söder, 52, jedenfalls der Mann, in den die CSU große Hoffnungen setzt. Bayerischer Ministerpräsident ist Söder bereits seit vergangenem Frühjahr, nun wählen ihn gut 87 Prozent der Delegierten auf dem Münchner Parteitag auch zu ihrem Vorsitzenden.

Ministerpräsident und CSU-Chef - damit ist der Nürnberger im christsozialen Olymp angelangt. Nur Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber und Horst Seehofer hatten gleichzeitig beide Ämter inne. "Natürlich bin auch ich ein bisschen aufgeregt, mehr als sonst", sagt Söder in seiner Bewerbungsrede. Man merkt es ihm an.

Der neue Liebling der CSU

Der Machtmensch Söder ist jetzt da, wo er immer hinwollte. Aber ab jetzt lastet auch aller Druck auf ihm allein. Auf Horst Seehofer, der auf dem Parteitag als Vorsitzender ziemlich nüchtern verabschiedet wird, kann er ab jetzt nichts mehr schieben. Der neue Parteichef soll die verunsicherte CSU wieder aufrichten, moderner machen, weiblicher - am Ende aber vor allem erfolgreicher. Eine andere Währung gibt es nicht in der Politik, erst recht nicht in der CSU.

Was sonst passiert, konnte Söder in den vergangenen Jahren bei Horst Seehofer beobachten. Dass Seehofer die CSU 2013 noch mal zur absoluten Mehrheit im bayerischen Landtag führte, dass der Parteichef über viele Jahre mit großem Geschick auch ihren bundespolitischen Einfluss garantierte: Zuletzt war er nur noch der Watschenmann. Für den Abstieg der CSU, ablesbar vor allem an ihren Ergebnissen seit der Bundestagswahl 2017, trug Seehofer sicherlich einen Großteil der Verantwortung, nicht zuletzt wegen seines Kurses in der Flüchtlingspolitik und dem daraus folgenden Dauerstreit mit Angela Merkel. Aber eben auch der Rest der Parteiführung, die das mittrug.

LUKAS BARTH-TUTTAS/ EPA-EFE/ REX

In der kleinen Olympiahalle scheint es an diesem Samstag so, als wollten ihn die meisten Delegierten nur noch so schnell wie möglich loswerden. Immerhin machen sie den gerade abgetretenen Parteichef (auf Vorschlag seines Nachfolgers) direkt zum Ehrenvorsitzenden, ein Modell der CSU-Zentrale für seine Kellereisenbahn bekommt er zum Abschied auch noch. Und Seehofer bleibt fürs erste Bundesinnenminister.

Söder, früher als Ehrgeizling, Alleingänger und Haudrauf verschrien, ist jetzt der Liebling der CSU; der allermeisten Christsozialen jedenfalls. Dass er einige noch überzeugen muss, zeigen die 13 Prozent, die ihn nicht gewählt haben. Natürlich gibt es da noch Parteivize Manfred Weber, der als Spitzenkandidat der EVP in die Europawahl Ende Mai zieht, er könnte anschließend als erster CSU-Politiker Chef der EU-Kommission werden. Aber was wirklich zählt für die Partei, ist Bayern - und ihr Einfluss in Berlin. Und da muss Söder nun liefern.

An Demut scheint es ihm mit Blick auf diese Aufgabe tatsächlich nicht zu mangeln. Schon das ist überraschend, wenn man an den Söder früherer Tage denkt. Aber vor allem der desaströse Landtagswahlkampf, in den er bereits als Spitzenkandidat gezogen war, hat offenbar tiefe Spuren bei Söder hinterlassen. "2018 war ein hartes Jahr, auch für mich", sagt er. "Ich habe viel gelernt, auch Fehler gemacht."

Der sanfte Söder

Im Streit mit der CDU im vergangenen Frühsommer schien Söder seinen Parteichef zeitweise noch überflügeln zu wollen in Kompromisslosigkeit und markigen Sprüchen, aber bereits damals rüstete er auch als erster Spitzenmann der CSU wieder ab. Inzwischen kommt Söder mitunter so sanft daher, dass mancher ihn wirklich kaum wiedererkennt. Dass ihn deshalb auch Skepsis entgegenschlägt, nimmt er in München klugerweise gleich vorweg. "Meint der das ernst? Ist das Taktik?" Er kenne diese Fragen, sagt Söder in seine Parteitagsrede. Aber keine Sorge, beteuert er: "Ich bin wirklich entschlossen, die richtigen Lehren zu ziehen."

Eine ausgefeilte Fehleranalyse, wie von ihm Söder und Seehofer nach der Landtagswahlklatsche versprochen, wird es allerdings nicht geben. Lieber nach vorne schauen. Und der Erneuerung Zeit geben. "Lasst uns endlich anfangen, nur noch gut über uns zu reden", ruft er den Delegierten zu. Wie gesagt, Söder, einst ein legendäres Lästermaul, scheint das ernst zu meinen.

Bildergalerie: Das sagen Weggefährten zu Seehofers Abschied

Profil mit Stil - so lautet sein neuer Lieblingsspruch. Die CSU müsse sich ihrer Wurzeln besinnen, aber vor allem mit Geschlossenheit punkten. Dazu gehört für ihn auch ein entsprechender Umgang mit der Unionsschwester CDU. Dass die mit Annegret Kramp-Karrenbauer vor Weihnachten auch eine neue Vorsitzende gewählt hat, macht die Sache aus Söders Sicht leichter, weil sie beide unbelasteter miteinander umgingen als zuvor Seehofer und Merkel. Dass Kramp-Karrenbauer zu Söders Krönungsparteitag angereist ist, genau wie der auch neu gewählte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak und der ebenfalls christdemokratische Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus, darf als entsprechendes Signal der großen Schwesterpartei gelten.

"Liebe Brüder und Schwestern in der Union", sagt Kramp-Karrenbauer zum Beginn ihrer Rede - da hat sie den Saal schon für sich gewonnen. Auch die CDU-Chefin wünscht sich zwei profilierte Parteien. Es müsse sein wie unter echten Geschwistern, fordert sie: Man streite, "aber wenn die Nachbarskinder kommen, hält man zusammen". So ähnlich hat das Kramp-Karrenbauer schon kürzlich bei ihrem Besuch der CSU-Neujahrsklausur gesagt, Gastgeber und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, im vergangenen Jahr der wohl ausdauerndste christsoziale Streithansel, demonstrierte dort ebenfalls großes Harmoniebedürfnis.

Sie müssen es halt nur durchhalten. Der Europawahlkampf mit dem gemeinsamen CSU-Spitzenkandidaten Weber wird eine erste Probe sein - vor allem, falls das Ergebnis nicht wie gewünscht ausfällt.

Markus Söder jedenfalls ist fest entschlossen. Sagt er.



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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
heinrich-wilhelm 19.01.2019
1. Warum
traue ich diesem Söder nicht? Bei Seehofer wusste man,woran man war. Markige Sprüche und Forderungen,zT ultimativ,aber beim Schwur in Berlin kuschte er regelmässig. Und Söder,wo lässt der sich einordnen..Der sanfte ist ein „ fake“,dazu ist zu sehr Egomane. Warten wir es ab,bin mal gespannt.Wie wird die Saarländerin mit dem Franken auskommen?
angelobonn 19.01.2019
2. CSU erfolgreich
Entgegen den stetigen Wiederholungen im Artikel war die CSU auch im Jahr 2018 die erfolgreichste Partei Deutschlands. Söder sitzt der einzig verbliebenen bürgerlichen Regierung vor. Die Koalitionsverhandlungen konnten im Rekordtempo erfolgreich beendet werden und Bayern muss sich nicht nach irrationalem Verhalten der Grünen im Bundesrat enthalten, wie der Verlierer und Merkel-Anhänger Bouffier aus Hessen. Hätte Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik nicht die AfD groß gemacht, hätte die CSU auch wieder eine absolute Mehrheit erzielt.
Orthoklas 19.01.2019
3. König Markus
1. Söder ist der Falsche. 2. Die CSU wird ihren monarchistischen Touch nicht los. 3. Neuausrichtung auf unbekannte Zeit verschoben.
Haarfoen 19.01.2019
4. Heiße Luft ...
Wie schon an anderer Stelle geschrieben: Der Radiosender Bayern 2 hat vor Kurzem eine Sendung über die Taten des Herrn Söder (Finanzminster / MP) ausgestrahlt. Fazit: Rund um die Uhr blumige Ankündigungen, aber keine Leistungsergebnisse. Widersprüchliches Geschwätz etwa zum Schutze der bayrischen Landschaft, aber keinerlei Aktivität in Richtung Siedlungskonzepte oder der Neuordnung von Gewerbe- und Industriegebieten. Jetzt haben wir den "sanften", den integrativen Söder ... nachdem der Mann aggressiv und fahrlässig zum Beispiel gegen die Griechen (arbeiten zu wenig) und Migranten (Asyltourismus) polemisiert hat. Unser liebes Bayern ist ja schon seit längerem von den begrenzt ehrenhaften Amigos regiert, die ihr Fähnlein in den Wind drehen. Söder ist schlicht inkompetent, aber hungrig nach Macht und Anerkennung. Bayern wird es überleben, FJS wurde ja auch überlebt - schade nur um die verpassten Chancen und all das ganze Porzellan, das zerdeppert wird.
bermany 19.01.2019
5. Sein Opa hatte recht
Für mich ist Söder noch immer der Architekt des Eklat mit der CDU, der meist Seehofer zugeschrieben wird. Ich traue ihm nicht, aber ich bin ja Gott sei Dank auch kein Bayer.
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