Stoiber lobt Söder "Ich sehe im Moment nicht, was er nicht richtig macht"

Bayerns neuer Ministerpräsident Markus Söder lud seinen Förderer Edmund Stoiber in die Staatskanzlei ein, um sich von ihm ausgiebig vor der Kamera loben zu lassen. Eine Anleitung für politische Narzissten.

Bayerische Staatskanzlei

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Markus Söder, 51, ist jetzt genau drei Wochen bayerischer Regierungschef - und bleibt sich auch im neuen Amt treu: Der Politiker Söder war schon immer ein Meister der Selbstinszenierung, ob als Landtagsabgeordneter, CSU-Generalsekretär oder Minister in verschiedenen Ressorts. Nun also aus der Münchner Staatskanzlei heraus.

Und da kommt jetzt sein alter Mentor Edmund Stoiber, 76, ins Spiel. Der langjährige Ministerpräsident und CSU-Chef machte Söder einst zum Generalsekretär. Und dass aus dem von ihm ausgemachten Talent nun wirklich die Nummer eins der bayerischen Politik geworden ist, erfüllt Stoiber mit riesigem Stolz.

Deshalb ließ sich der CSU-Ehrenvorsitzende Stoiber offenbar sogar von Söder überreden, am Dienstag nach Ostern in die bayerische Regierungszentrale zu kommen, um sich im Amtszimmer des Ministerpräsidenten gemeinsam filmen zu lassen.

Anderthalb Minuten lang ist der Clip, den die Staatskanzlei anschließend auf die Seite der Landesregierung gestellt und auf YouTube veröffentlicht hat. Entstanden ist ein Lehrstück in Sachen politischem Narzissmus. Und vielleicht auch eine kleine Ermahnung, dass verdiente Politiker in höherem Alter Dinge mitunter tun, die sie lieber sein lassen sollten.

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Markus Söder: Am Ziel

Zu sehen sind: links Stoiber, im hellblauen Anzug, weiß-blau gestreiftes Hemd, roter Schlips mit weißen Punkten - der oberste Hemdknopf ist allerdings geöffnet und der Krawattenknoten gelockert. Aus Stoibers Sicht wohl eine Art "business casual". Noch sichtbarer wird die "Lockere-Stimmung"-Optik durch Söders Aufzug: dunkelblauer Anzug über einem Rollkragenpullover mit Reißverschluss, darunter ein Shirt.

Klar, weil gerade war ja Ostern, viele Bayern machen noch frei - aber in der Staatskanzlei hat die Arbeit eben schon wieder begonnen, wie der Hausherr berichtet: "Und gleich ein Gast da, über den ich mich besonders freue, weil er seit elf Jahren (Stoiber lacht kurz tonlos) das erste Mal wieder da war."

Damit es also alle verstanden haben: In den Amtszeiten von Söders Vorgängern Horst Seehofer und Günther Beckstein war Stoiber hier nie zu Gast.

Es ist ein kleiner Coup von Söder

Aber zu Söder ist er natürlich sofort gekommen. Und weil Stoiber inzwischen wieder sehr populär in Bayern ist, erfüllt dieser Coup auch den Gastgeber mit einigem Stolz. "Früher bin ich hier reingekommen, um mir sozusagen die Weisungen zu holen als Generalsekretär - heute hat er mir einige Ratschläge (Stoiber wiegt ein wenig den Kopf) gegeben: Freue mich sehr, dass er da ist - der große (hörbares Atemholen Söders), große bayerische Ministerpräsident (erneutes Kopfwiegen seines Gasts) Edmund Stoiber."

Jetzt ist Stoiber dran: "Markus Söder hat mich, äh, vor Wochen schon auf diesen Termin festgenagelt, und ich sollte natürlich auch in die Staatskanzlei kommen."

"Er hat den stärksten Gestaltungs- und Machtwillen (Söder schaut in die Kamera und zieht einen zufriedenen Flunsch)." Jetzt folgt einer der Sätze, für die Stoiber in ihrer Bandwurmhaftigkeit und grammatikalischen Eigenartigkeit schon als Ministerpräsident berühmt war: "Und ich möchte das in dieser doppelten Weise sagen, denn wenn du etwas gestalten willst - und natürlich die Zukunft ist zu gestalten, Bayern muss den Platz behaupten und vielleicht noch ausbauen, in einer schwierigen Zeit - das traue ich Markus Söder zu."

Der hört aufmerksam zu, den Blick immer seitlich auf Stoiber gerichtet. "Und die letzten Wochen, seit er Ministerpräsident ist, kann ich nur sagen, ich sehe im Moment nicht, was er nicht richtig macht (endlich! Söder grinst und nickt in die Kamera - mehr Lob geht nicht). Und vor allem sehr viel draußen." Mal wieder ein Schnitt, dann Stoibers letzter Satz: "Das ist natürlich das, was die Menschen auch von ihrem Ministerpräsidenten erwarten."

Strauß-Comeback in der Staatskanzlei

Man könnte hier Schluss machen - aber von wegen. Söder hat noch nicht genug: "Und etwas Neues auch noch (er hebt den Zeigefinger und zeigt in den Raum, die Kamera schwenkt und zeigt eine Sitzgruppe im Biedermeier-Stil): Wir haben die alten Möbel, die bei ihm standen, die haben wir wieder hier rein gestellt, die sind noch von Franz Josef Strauß selber in Auftrag gegeben worden. Also, gute alte Zeiten sind wieder da."

Noch mal eine hübsche Botschaft: Nicht nur feiert Stoiber ein Comeback in der Staatskanzlei (wenn auch lediglich als Gast), die Möbel seines Vorgängers Seehofers sind weg - binnen drei Wochen erlebt auch die selige Strauß-CSU-Zeit eine Art Wiederkehr. Los geht's Richtung Verteidigung der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl im Herbst!

Am Freitag erschien übrigens eine neue Umfrage, die für die CSU 44,5 Prozent ausgemacht hat - ein Zuwachs von gut drei Prozentpunkten im Vergleich zum März.

Söder würde wohl sagen: Söder works.

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