Kandidatur angemeldet Markus Söder will CSU-Chef werden

Markus Söder will Horst Seehofer im Januar als CSU-Chef beerben. Das hat Bayerns Ministerpräsident nun offiziell angekündigt. Seine Wahl dürfte Formsache sein.

Markus Söder
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Seit Wochen lief es auf ihn zu, jetzt ist es offiziell: Markus Söder will neuer CSU-Chef und damit Nachfolger von Horst Seehofer werden. Nach Seehofers Rücktrittsankündigung meldete der 51-Jährige nun seine Kandidatur an. "Nach reiflicher Überlegung und dem Wunsch vieler Mitglieder entsprechend bin ich bereit, mich in den Dienst der Partei zu stellen", sagte Söder der Nachrichtenagentur dpa. "Deshalb bewerbe ich mich um das Amt des Parteivorsitzenden der CSU."

Der neue CSU-Vorsitzende soll auf einem Sonderparteitag am 19. Januar gewählt werden. Zu diesem Datum will Seehofer sein Amt abgeben, das hatte er am Freitag in einer schriftlichen Erklärung angekündigt.

An Söders Wahl bestehen wenig Zweifel: Am Samstag hatte der einzige weitere ernstzunehmende Anwärter auf den Posten, der Europapolitiker Manfred Weber, seinen Verzicht erklärt - wie zuvor schon der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Dobrindt. Andere aussichtsreiche Kandidaten für den Chefposten sind nicht in Sicht.

Markus Söders Karriere im Überblick
1983
Eintritt in CSU und Junge Union
1994
Einzug in den bayerischen Landtag
1995 - 2003
Landesvorsitzender der Jungen Union
2003 - 2007
CSU-Generalsekretär
2007 - 2008
Europaminister in der bayerischen Staatskanzlei
2008 - 2011
Bayerischer Umwelt- und Gesundheitsminister
2011 - 2018
Bayerischer Finanzminister, ab 2013 auch zuständig für Landesentwicklung und Heimat
16. März 2018
Erstmalige Wahl zum bayerischen Ministerpräsidenten
6. November 2018
Erneute Wahl zum Ministerpräsidenten, nun an der Spitze einer Koalitionsregierung von CSU und Freien Wählern

Söder kündigte angesichts der beiden zurückliegenden schweren CSU-Niederlagen bei der Bundestagswahl im September 2017 und bei der bayerischen Landtagswahl vor einem Monat an, die Partei im Team in die Zukunft führen zu wollen. "Gemeinsam mit der Basis und den Mandatsträgern wollen wir im Team die CSU weiterentwickeln und erneuern", sagte er. "Große Herausforderungen liegen vor uns. Wir können es nur gemeinsam."

Seehofer hatte sich mit seiner Rücktrittsankündigung dem seit langem wachsenden Druck der CSU-Basis gebeugt. Die Partei macht vor allem ihn für den Absturz der CSU bei den zwei jüngsten Wahlen verantwortlich - auch wenn Söder der Spitzenkandidat bei der Bayern-Wahl war. Der Franke hatte Seehofer bereits im März als Ministerpräsident abgelöst, Seehofer wechselte damals als Bundesinnenminister nach Berlin.

wit/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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beppovomhuegel 18.11.2018
1. Jeder bekommt, was er verdient
In einer Demokratie haben die Wähler es in der Hand, wer sie regiert und in den Parteigremien die wiederum gewählten Delegierten. Im Januar hat Söder ja fast 9 Monate Erfahrung als MP, kann nichts vorweisen, ist aber sicher der Retter der CSU. Auch, wenn er der Einzige ist, der davon überzeugt ist.
mundi 18.11.2018
2. Wie einst Franz Josef Strauß
Für mich ist Söder der natürliche Nachfolger von Franz Josef Strauß. Man hat Strauß geliebt oder gehasst. Aber nie ausgelacht.
hardeenetwork 18.11.2018
3. Anfang vom Ende
Was für eine Überraschung. Söder steht nicht für Erneuerung, sondern für ein klares "weiter so". Das zeigt unter anderem seine Koalition mit den "freien Wählern", also der soften Variante der CSU. Doch die Wahlergebnisse haben gezeigt, dass ein "weiter so" der Anfang vom Ende ist.
tadano 18.11.2018
4. Karrierist
Nach reiflicher Überlegung und dem Wunsch vieler Mitglieder entsprechend bin ich bereit, mich in den Dienst der Partei zu stellen. Es klingt unglaublich heuchlerisch. Söder ist der typische Karrierist, der seit langem darauf hingearbeitet hatte. Also wenn ihr mich denn unbedingt wollt dann mach ich s halt.
elkacko 18.11.2018
5.
"Nach reiflicher Überlegung und dem Wunsch vieler Mitglieder entsprechend bin ich bereit, mich in den Dienst der Partei zu stellen". Die Aussage passt ja auf den ersten Blick überhaupt nicht zu einem machtversessenen Politiker vom Schlage Söders. Aber wenn man bedenkt , dass CSU Vorsitzende meistens irgendwann mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt werden ist eine gewisse Skepsis nicht unangebracht. Dass ihm das auch eines Tages blüht weiß Söder nur zu gut. Schließlich war er selbst bislang einer der fleißigsten Strippenzieher im bayrischen Intrigantenstadel.
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