Bayern-Wahlkampf Söder will auf Auftritte von Merkel verzichten

Bayerns Ministerpräsident Söder setzt im Wahlkampf offenbar auf Unterstützung aus Österreich. Kanzlerin Merkel will er hingegen nicht einladen. So etwas gab es in der Geschichte der Union noch nie.

Markus Söder (l.), Sebastian Kurz
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Markus Söder (l.), Sebastian Kurz


Die CSU will in Bayern offenbar ohne die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Wahlkampf führen. Wie die "Welt am Sonntag" berichtete, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in der vergangenen Woche vor Vertrauten: "Zu meiner Abschlusskundgebung kommt keine Bundeskanzlerin, sondern ein Bundeskanzler."

Damit meinte er Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der als Chef einer rechtskonservativen Koalition eine restriktive Flüchtlingspolitik betreibt und in der EU als Gegenspieler Merkels in der Flüchtlingspolitik gilt. Kurz habe Söder bereits zugesagt, berichtete die Zeitung.

Die deutsche Kanzlerin hingegen solle in den bayerischen Wahlkampf nach Söders Vorstellung überhaupt nicht eingreifen. Dies gab es in der fast 70-jährigen Geschichte der Unionsparteien noch nie.

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Es ist eine weitere Provokation in dem heftigen Streit zwischen CDU und CSU in der Flüchtlingsfrage. Sollten sich die Schwesterparteien nicht auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen, droht sogar ein Platzen der großen Koalition in Berlin.

Trittin warnt vor Rechtsdruck

Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin hat die CSU davor gewarnt, Merkel zu stürzen und eine Neuausrichtung der Union herbeizuzwingen. "Damit würde aus einer proeuropäischen konservativen Volkspartei eine im Zweifel nationalistische konservative Richtungspartei", sagte Trittin der "Welt am Sonntag".

"Diese nationalistische Partei wäre anschluss- und koalitionsfähig nach rechtsaußen." Vor diesem Hintergrund sei es kein Wunder, dass Österreichs Bundeskanzler Kurz den bayerischen Ministerpräsidenten Söder und CSU-Chef Horst Seehofer stütze. Kurz regiere bereits mit den "korporierten Deutschnationalen von der FPÖ", so Trittin.

asc/AFP/Reuters



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