Remlingen - Der Skandal um das marode Atommülllager Asse soll nach den Worten von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) umfassend geklärt werden. "Das muss weiter aufgearbeitet werden", sagte Röttgen am Montag nach seinem ersten Besuch in dem früheren Salzbergwerk. Es müsse geklärt werden, ob hier Vorsatz am Werke gewesen sei. Es sei für ihn unvorstellbar, dass in ein solches Bergwerk bis 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gebracht worden seien. Die Abfälle müssten so schnell und so sicher wie möglich geborgen werden. "Entscheidend ist der Blick nach vorn", betonte Röttgen. Es müsse gemeinsam geklärt werden, wie die Bergung beschleunigt werden könne.
Der Landrat von Wolfenbüttel, Jörg Röhmann betonte: "Wir sind sehr froh, Herr Minister, dass Sie sich so klar zur sicheren Rückholung bekannt haben." Der Besuch komme zwar spät, aber es sei gut, dass dies vielleicht der Start für eine engere und intensivere Kommunikation sein könne. Der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König (BfS) sagte, die Rückholung sei eine große Herausforderung. "Wir müssen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen", forderte er. Dies sei politisch und auch wirtschaftlich notwendig.
Röttgen sicherte den Menschen im Umfeld des maroden Atomendlagers zu, die dort eingelagerten Fässer mit radioaktivem Müll wieder zu bergen. "Das Ziel ist völlig klar: die Rückholung zu machen".
"Unbegreifliche Verantwortungslosigkeit"
Röttgen ließ keinen Zweifel, dass die Entscheidung für die Lagerung in dem einsturzgefährdeten Bergwerk aus seiner Sicht falsch war: "Das war eine unbegreifliche Verantwortungslosigkeit, die im Schacht mit Händen zu greifen ist". Der Umweltminister sagte weiter, nach der derzeit laufenden Faktenerhebung etwa durch die geplanten ersten Probebohrungen in Lagerkammern mit radioaktivem Müll gehe es darum, im weiteren Prozess die Rückholung zu beschleunigen.
Röttgen verteidigte zugleich seinen Vorschlag, für die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll ein eigenes Bundesinstitut zu gründen. Er sei zuversichtlich, das sich am Ende Bund und alle Bundesländer auf eine neue Standortsuche "mit weißer Landkarte" einigen werden: "Dafür wird das Institut geschaffen." Es gehe darum, die späteren politischen Entscheidungen "wissenschaftsbasiert" vorzubereiten.
Das frühere Salzbergwerk in Niedersachsen gilt als größtes deutsches Umweltproblem, weil Strahlung das Grundwasser der ganzen Region verseuchen könnte. Dutzende Anwohner empfingen Röttgen mit Pfiffen, gelbe Atomfässer mahnten den Minister, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Bisher ist ungewiss, wie lange das Lager noch stabilisiert werden kann, in das täglich 12.000 Liter Wasser eindringen. Eine Bergung würde mehrere Milliarden Euro kosten und könnte 30 bis 40 Jahre dauern.
Kritik von SPD und der Linken
SPD und Linke im niedersächsischen Landtag kritisierten Röttgens Äußerungen. Der atompolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Marcus Bosse, sagte: "Minister Röttgen hat bei seinem heutigen Besuch die Erwartungen der Menschen aus der Region enttäuscht. Es gab keinerlei Aussagen darüber, wann mit der Rückholung der Atommüllfässer aus dem absaufenden Salzbergwerk endlich begonnen werden kann. Es gab keinerlei Aussagen zu den Fragen, wo die Asse-Fässer zwischengelagert werden sollen, welche Rolle das Bundesamt für Strahlenschutz dabei spielen soll und was es mit dem neuen Institut für Endlagerung auf sich hat." Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Victor Perli, kritisierte, der Minister habe "nicht zu erkennen gegeben, wie der Prozess beschleunigt werden soll". Röttgens Bekenntnis zur Rückholung bliebe "so allgemein, dass es in die Rubrik Lippenbekenntnisse und Beschwichtigungen gehört".
Die Asse wurde bis 2008 vom Helmholtz-Zentrum in München betrieben, danach übernahm das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) das Endlager.
hen/dpa/dapd
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