Angriff auf Freiburgs Oberbürgermeister "Ich lasse mich davon nicht unterkriegen"

Am Wahlabend brach ein Angreifer Martin Horn die Nase. Der neue Oberbürgermeister von Freiburg will sich von dem Zwischenfall nicht die Laune verderben lassen. Nun gibt es erste Details zum Täter.

Martin Horn
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Die Attacke auf den neu gewählten Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn hat offenbar keinen politischen Hintergrund. Das haben erste Ermittlungen des Staatsschutzes ergeben, wie die Polizei mitteilte. Bei dem festgenommenen Angreifer, einem 54-Jährigen aus dem Markgräflerland im äußersten Südwesten Deutschlands, gebe es Hinweise auf eine psychische Erkrankung.

Der Mann hatte dem 33-jährigen parteilosen Politiker, der von der SPD unterstützt wird, unvermittelt ins Gesicht geschlagen.

Noch während der Behandlung im Uniklinikum postete Martin Horn am Sonntagabend ein Selfie-Video auf Facebook, das genaue Ausmaß seiner Verletzungen kannte er da noch nicht: "Ich habe eine gebrochene Nase, zwei kleine Stiche und einen abgebrochenen Zahn." Und weiter: "Wir lassen uns von so einem Zwischenfall nicht die gute Laune verderben, heute ist Weltlach-Tag", die Verletzungen nennt er in dem Video "pillepalle".

Nach der Behandlung im Krankenhaus ging Horn zurück auf seine Wahlparty. Er sei froh, dass es sich der Polizei zufolge um die Attacke eines psychisch kranken Einzeltäters handele und sie kein politisches Motiv gefunden habe, so der gewählte Oberbürgermeister am Montag. Zudem präzisierte Horn seine Verletzungen: Er habe eine gebrochene Nase, zwei gebrochene beziehungsweise zersplitterte Zähne sowie Wunden rund um das linke Auge. Zudem sei bei der Attacke seine Brille zerstört worden.

Letztlich versucht der 33-Jährige den Angriff locker zu nehmen. Allein: Auch wenn die Behörden zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht von einer politisch motivierten Tat ausgehen - es war nicht das erste Mal, das ein Kommunalpolitiker tätlich angegriffen wurde.

  • Im vergangenen Jahr wurde der CDU-Politiker und Bürgermeister der westfälischen Stadt Altena Opfer eines Attentats. Er wurde mit einem Messer angegriffen, vermutlich auch aufgrund seiner engagierten Flüchtlingspolitik.
  • 2015 stach ein Mann auf die heutige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) an ihrem Wahlkampfstandmit einem Messer ein.

Nur zwei von vielen Fällen, in denen Lokalpolitiker Opfer von Hass und Gewalt wurden. "Ich lasse mich davon nicht unterkriegen", sagte Horn nun selbst. "Mit Blick auf das tolle Wahlergebnis überwiegen Freude und Dankbarkeit."

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Beleidigt, bedroht, bekämpft: Attacken und Hass gegen Lokalpolitiker

Die Polizei schaltete in der Nacht ein Hinweisportal im Internet frei. Dort können Zeugen Bilder und Videos des Angriffs hochladen. Horn hatte bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag gesiegt und wird zum 1. Juli Nachfolger des Grünen-Politikers Dieter Salomon, der nach 16 Jahren abtreten muss.

Zum Beginn seiner Amtszeit am 1. Juli will Horn den sozialen Wohnungsbau stärken. Es fehle preisgünstiger Wohnraum. Davon betroffen seien nicht nur sozial Schwache, sondern weite Teile des Mittelstandes. In Freiburg als einer der am schnellsten wachsenden Städte Deutschlands sei dieses Problem besonders groß.

Viele Familien könnten ein Leben in der rund 230.000 Einwohner zählenden Stadt kaum noch finanzieren, viele Wohnungen oder gar Häuser seien für sie nicht bezahlbar, sagte Horn. Nötig sei neuer Wohnraum, den sich auch Gering- und Normalverdiener leisten könnten. Dies werde einer der Schwerpunkte seiner Politik als Stadtoberhaupt sein.



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mho/dop/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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lalito 07.05.2018
1. Gute Besserung
Richtiger Ansatz, auch zukünftig nicht unterkriegen lassen. Die Bandagen sind hart in dieser Stadt, die schon immer ohne eine eierlegende Wollmilchsauindustrie auskommen muss. Ein anderer Wind als in Gemeinden, die aus dem Gewerbesteuerfüllhorn maßlos schöpfen können, also, anders als zuhaus.
rainerwäscher 07.05.2018
2. Absteigend
Fehlender bezahlbarer Wohnraum ist hier das größte Problem. Ich kenne junge Familien, die mit 2 kleinen Kindern in einer 2-Zimmer-Wohnung wohnen und Akademikerpaare mit Kindern, die sich mit 2 Einkommen gerade mal so über Wasser halten können, weil sie sich für ein Reihenendhaus mit Handtuchgrundstück hoch verschulden mussten. Dazu kommt, dass die Stadt in den letzten Jahren stark an Charme und Attraktivität eingebüßt hat, und es wird nicht mehr lange dauern, bis die ersten Gutverdiener abwandern, weil sie sich in anderen Städten für ihr Einkommen plötzlich das Dopppelte leisten können.
hausfeen 07.05.2018
3. Die Wohnraumfrage ist in der Tat eines der Hauptprobleme.
Allerdings hat Horn bislang keine Lösung vorgeschlagen. Nur gesagt, dass es ein Problem sei. Kommunale Bauträgerschaften, nicht lange her, dass der Kram verhökert wurde, wären so eine Lösung. Auf Grund der langen Verschleppung eine Maßnahme, die massiv sein müßte. Da stellt sich die Frage nach dem Geld dafür. Und was ist mit den genehmigten Bauanträgen, die zurückgehalten werden, um steigende Mieten und Grundstückspreise abzuwarten? Da verdienen Leute viel Geld ohne jegliche Investionsleistung. Was sagt Horn dazu?
sven2016 07.05.2018
4.
Gute Besserung! Wenn man schon "froh ist", dass man von einem bekannt psychisch gestörten Menschen angegriffen wurde und nicht vom politisch motivierten Gewalttäter, ist eine Menge faul im Staate. Hoffentlich hat der neue Bürgermeister keine Vorerkrankung, sonst wird der Angreifer nicht mal für die Verletzungen bestraft. Zynisch, aber leider schon von Gerichten so gesehen.
lachender lemur 07.05.2018
5. Gute Besserung und viel Glueck beim Regieren!
"Es fehle preisgünstiger Wohnraum. Davon betroffen seien nicht nur sozial Schwache, sondern weite Teile des Mittelstandes. In Freiburg als einer der am schnellsten wachsenden Städte Deutschlands sei dieses Problem besonders groß." Naja, wenn die SPD demnächst regiert, wird der Mittelstand eben wieder abwandern und die STadt nicht mehr so wachsen. Ist ja nicht so, dass Freiburg ohne gruenen Buergermeister weiterhin besonders attraktiv wäre...
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