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07. Dezember 2017, 12:25 Uhr

Parteitag

Schulz bittet SPD um Entschuldigung

"Es ist nicht leicht, hier zu stehen": Martin Schulz übernimmt beim Parteitag die Verantwortung für die historische Wahlschlappe. Er bittet die Genossen um Entschuldigung - und verspricht einen Neustart.

SPD-Chef Martin Schulz hat die Sozialdemokraten und ihre Wähler nach der historischen Niederlage bei der Bundestagswahl um Entschuldigung gebeten. "Ich trage als Kanzlerkandidat die Verantwortung für dieses Wahlergebnis", sagte Schulz zu Beginn seiner Parteitagsrede am Donnerstag in Berlin.

Er wandte sich an alle, die der SPD vertraut und an sie geglaubt haben: "Bei all diesen Menschen bitte ich für meinen Anteil an dieser bitteren Niederlage um Entschuldigung." Die SPD hatte im September mit 20,5 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl bekommen.

Er habe privat und politisch schon "so manches Auf und Ab" hinter sich, sagte Schulz vor rund 600 Delegierten, die am Nachmittag über die Aufnahme ergebnisoffener Gespräche mit der Union entscheiden und Schulz erneut zum SPD-Vorsitzenden wählen sollten. "Es ist nicht leicht, hier zu stehen nach so einem Jahr", sagte Schulz, so ein Jahr könne man nicht einfach abschütteln. "So ein Jahr steckt in den Knochen."

Er wisse, wie enttäuscht und wütend viele Menschen seien. "Ich kann die Uhr nicht zurückdrehen, liebe Genossinnen und Genossen, aber ich möchte als Parteivorsitzender meinen Beitrag dazu leisten, dass wir es besser machen."

Schulz versprach seiner Partei einen umfassenden Neubeginn. "Wir müssen schonungslos die letzten 20 Jahre aufarbeiten. Nicht, um uns (...) in rückwärtsgewandten Debatten zu verlieren, sondern um aus unseren Fehlern zu lernen." Es gelte, eine Vision zu entwickeln, die die Menschen begeistere, einen Gesamtentwurf für das Land, zu zeigen, wofür die Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert stehe.

"Wir haben nicht nur diese Bundestagswahl verloren, sondern die letzten vier. Wir haben nicht nur dieses Mal 1,7 Millionen Stimmen verloren, sondern zehn Millionen seit 1998 - die Hälfte unserer Wählerschaft", betonte der SPD-Chef vor rund 600 Delegierten.

phw/anr/dpa

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