Statt Gabriel Martin Schulz könnte SPD-Kanzlerkandidat werden

"Bloß nicht Gabriel": Weil der SPD-Chef in der K-Frage zaudert, wachsen in der Partei die Vorbehalte. Nach SPIEGEL-Informationen mehren sich die Stimmen, die EU-Parlamentspräsident Schulz favorisieren.

SPD-Politiker Sigmar Gabriel, Martin Schulz
DPA

SPD-Politiker Sigmar Gabriel, Martin Schulz


Bei der Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der SPD deutet sich eine Wende an. Eine wachsende Zahl führender Genossen favorisiert nach SPIEGEL-Informationen inzwischen EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. "Über alle Flügel und Landesgruppen hinweg gibt es eine breite 'Bloß nicht Gabriel'-Bewegung", sagte ein einflussreicher Abgeordneter dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 41/2016
Brandherd Syrien: Putins Werk, Obamas Beitrag

Gabriel wollte die Kandidatenfrage möglichst bis Anfang des Jahres 2017 offenhalten. Doch nun drängen immer mehr Sozialdemokraten aus Partei und Fraktion auf eine schnellere Entscheidung. Sie wollen verhindern, dass die SPD ohne eigene Spitzenpersonalie dasteht, wenn die CDU auf ihrem Parteitag Anfang Dezember Angela Merkel voraussichtlich erneut zur Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidatin der Union ausrufen wird.

In einer ersten Reaktion auf die Meldung sagte der SPD-Parteichef am Freitag: "Ich, jedenfalls, bin ganz entspannt." Gabriel kämpft nicht nur gegen die Skepsis der Partei. Umfragen zeigen auch, dass der er selbst unter den eigenen Wählern kritisch gesehen wird. Viele einflussreiche Sozialdemokraten fürchten zudem, dass Gabriel sich bei einer Kandidatur selbst im Weg stehen könnte. "Wir brauchen einen Kandidaten, der rockt, der es aber vor allem nicht selbst verbockt", sagte ein SPD-Spitzenmann dem SPIEGEL.

Weil Schulz in absehbarer Zeit bekennen müsste, ob er für eine weitere Amtszeit als EU-Parlamentspräsident kandidiert, könnte eine Entscheidung über den SPD-Kanzlerkandidaten noch im Oktober fallen.

Üblicherweise fällt dem SPD-Parteivorsitzenden der erste Zugriff auf die Kanzlerkandidatur zu. Schon einmal, im Herbst 2012, als Frank-Walter Steinmeier und Gabriel selbst nicht zugreifen wollten, war dem Parteichef die Kontrolle über die Kandidatenfrage entglitten. Gabriel überließ die Kandidatur Peer Steinbrück, was im Wahlkampf zu erheblichen Reibungsverlusten unter den Spitzenleuten führte.

Aus dieser Erfahrung heraus haben mehrere führende SPD-Politiker Gabriel schon vor Längerem klar gemacht, dass er mit dem Verzicht auf die Kandidatur für die Bundestagswahl 2017 auch den Parteivorsitz los wäre (Lesen Sie hier ein SPIEGEL-Porträt über Gabriel).

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

kn



insgesamt 322 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
artifex-2 07.10.2016
1. Das
macht die 8 % Partei schon richtig .
Eduschu 07.10.2016
2. Super
Ich finde das klasse. Solange die SPD nur zwischen Gabriel und Schulz als Kanzlerkandidaten schwankt, besteht keine Gefahr, dass einer von der SPD Kanzler werden könnte.
spiegelzelt 07.10.2016
3. Soll die SPD ihn halt aufstellen.
Dann aber bitte nicht über das Wahlergebnis wundern.
peter-gonnermann 07.10.2016
4. Guter Neuanfang!
Das würde ich sehr begrüßen. Und wenn die SPD noch klare Aussagen für die Zukunft vormuliert könnte ich sie endlich mal wieder wählen.
Moshpit 07.10.2016
5. egal
Gabriel oder Schulz? Gut, über Gabriel müssen wir wohl schon lange nicht mehr reden. Schulz steht aber genau so wenig für eine andere Politik sondern ist voll auf neoliberaler Linie. Wenn man in Umfragen konstant bei jämmerlichen 20-22% kleben bleibt, liegt doch die Vermutung nahe, dass man mit einer Fortsetzung des Kurses mit anderem Personal keine wesentliche Besserung erreicht. Entweder die SPD wird wieder sozialdemokratisch oder sie verschwindet in der Bedeutungslosigkeit. Die Zeichen stehen auf schwarz-grün. Die CDU braucht die SPD nächstes Jahr nicht mehr.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.