EU-Parlamentspräsident Schulz gibt Schäuble Mitschuld an Spaltung Europas

"Jetzt kriegen wir die Quittung": EU-Parlamentschef Schulz gibt im SPIEGEL Wolfgang Schäuble eine Mitschuld an der harten Haltung mancher Mitgliedstaaten in der Flüchtlingskrise. Der Finanzminister sei seit der Eurokrise für viele eine "Reizfigur".

Martin Schulz: "Es ist gerade Payback-Time in Brüssel."
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Martin Schulz: "Es ist gerade Payback-Time in Brüssel."


"Es mag zynisch sein, aber es ist gerade Payback-Time in Brüssel": Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, sieht einen Zusammenhang zwischen dem Verhalten mancher EU-Mitgliedstaaten in der Flüchtlingskrise und dem deutschen Auftreten in der Eurokrise. (Lesen Sie hier das vollständige Interview im neuen SPIEGEL.)

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Heft 49/2015
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Eine Mitschuld an der zunehmenden Entsolidarisierung Europas habe Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, sagte der SPD-Politiker dem SPIEGEL. "Die harte Haltung mancher europäischer Regierungen in der Flüchtlingskrise ist weniger eine Retourkutsche an Angela Merkel oder Sigmar Gabriel, sondern an gewisse Leute in der Berliner Wilhelmstraße."

In der Wilhelmstraße ist der Sitz des Bundesfinanzministeriums, das von Schäuble geführt wird. "Ganz sicher ist er für viele eine Reizfigur", sagte Schulz. "Jetzt kriegen wir die Quittung für dieses Verhalten" in der Eurokrise. Damals hätten manche aus Deutschland "mächtig die Muskeln spielen lassen", so Schulz, und seien "ganz scharf" darauf gewesen, "den anderen einzuhämmern, sich ein Beispiel am deutschen Modell zu nehmen".

Der Parlamentspräsident unterstützt Frankreichs Präsidenten François Hollande bei seinen Bemühungen, für sein Land mehr Spielraum beim Stabilitäts- und Wachstumspakt zu erhalten. "Der französische Staatspräsident hat nach den Anschlägen von Paris ganz andere Sorgen. Frankreich braucht mehr Polizei, Sicherheitskräfte, Integrationsanstrengungen", erklärte Schulz.

Natürlich würden die Regeln weiter gelten. "Aber wenn man ständig nur auf die eigene Interpretation pocht, wirkt das schnell oberlehrerhaft."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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