Emnid-Umfrage SPD erreicht dank Schulz-Hype knapp 30 Prozent

So gut stand die SPD seit mehr als vier Jahren nicht da: Würde jetzt gewählt, kämen die Sozialdemokraten auf 29 Prozent der Stimmen. Union, Grüne und Linke verlieren im Vergleich zur Vorwoche.

Martin Schulz beim Hessengipfel der SPD am 04. Februar 2017
DPA

Martin Schulz beim Hessengipfel der SPD am 04. Februar 2017


Mit Martin Schulz an der Spitze geht's derzeit stark aufwärts für die SPD. Im Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid für die "Bild am Sonntag" ermittelte, legte die Partei im Vergleich zur Vorwoche um sechs Punkte zu. Damit erreicht sie in der Umfrage 29 Prozent. Dies ist der höchste Wert seit mehr als vier Jahren, berichtet die Zeitung.

Damit verringert die SPD den Rückstand auf die Union binnen einer Woche von vorher 14 auf jetzt vier Prozentpunkte. CDU/CSU verlieren demnach und kommen nur noch auf 33 Prozent (minus vier). So nah beieinander lagen die beiden großen Parteien zuletzt im Juli 2012.

"Martin Schulz gelingt es, vor allem ehemalige SPD-Wähler zurückzugewinnen und sie emotional anzusprechen. Eine so starke Verschiebung der Parteipräferenzen binnen einer Woche ist einmalig", sagte Emnid-Meinungsforscher Torsten Schneider-Haase der "BamS".

Auch Grüne und Linke verloren laut der Umfrage jeweils zwei Prozentpunkte und erreichen nun acht Prozent. Mit zusammen 45 Prozent komme eine rot-rot-grüne Mehrheit aber in Reichweite. Unverändert blieben die AfD mit elf und die FDP mit sechs Prozent.

Merkel knapp vor Schulz

Könnten die Bundesbürger den Regierungschef direkt wählen, läge Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch knapp vor ihrem Herausforderer. So gaben 41 Prozent in der "BamS"-Umfrage an, in einer Direktwahl für Merkel stimmen zu wollen, 38 Prozent für Schulz. Im Deutschlandtrend vom vergangenen Freitag überholt Schulz dagegen Merkel klar.

Für den Sonntagstrend befragte Emnid zwischen dem 26. Januar und vergangenem Donnerstag 2233 repräsentativ ausgewählte Teilnehmer. In der Regel haben Umfragen eine Fehlervarianz.

Der Hype um den SPD-Kanzlerkandidaten macht die Union zunehmend nervös. Im SPIEGEL attackieren Unionsgranden Schulz - und mahnen die eigenen Leute zur Geschlossenheit. CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach zeigt sich in der "BamS" alarmiert und spricht von einem Weckruf für die eigene Partei. Die Union brauche einen klaren politischen Kurs. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht auf der Suche nach einem neuen Wähler zwei Stammwähler verlieren", warnte er.

Die Spitzen von CDU und CSU kommen ab Sonntag zu einem zweitägigen Treffen in der CSU-Zentrale in München zusammen. Mit dem sogenannten Friedensgipfel wollen die Schwesterparteien unter Leitung von CDU-Chefin Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer nach dem monatelangen Streit um die Flüchtlingspolitik die Weichen für einen gemeinsamen Bundestagswahlkampf stellen.

yes/AFP

insgesamt 241 Beiträge
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Berg 05.02.2017
1.
Auf einer ähnlichen Woge (Kohl muss weg) erreichte Schröder einst das Kanzleramt. Doch Kohl hatte nicht mit der SPD zusammen regiert und so gelangte die SPD in Gänze an die Macht - für 7 Jahre. Es zeigte sich, dass "Änderungen" oder gar Kehrtwendungen für D, also heraus aus den Bedingungen des Kapitalismus, nicht realierbar waren, nicht einmal zusammen mit den Grünen. Wenn jetzt die Woge "Merkel muss weg" die SPD unter Schulz ins Kanzleramt spült, zusammen mit Grün und Links, dann sollte man doch bitte nicht wieder annehmen, das Schiff Deutschland könnte eine 180-Grad-Wende machen. Dagegen stehen Gesetze und Verträge und die Rollenverteilung zwischen Staat und Wirtschaft/Banken.
Dr. Murks 05.02.2017
2. Hätte, Hätte
Fahrradkette. Steinbrück habe die Genossen wohl schon vergessen? Schulz redet zwar viel, aber konkrete Vorschläger machte er bisher nicht. Und auf so einen Schaumschläger fallen wohl eher die jungen und unerfahrenen Wähler herein. Wie einst bei Willy Brandt da gab es auch einen Hype und im Regierungsgeschäft dann die große Enttäuschung, (Spiegeltitel: Das Denkmal bröckelt)
friedel99 05.02.2017
3. Ich hoffe...
...das Herr Schulz nicht noch irgendwo eine private oder politische Leiche im Keller hat, die ihm irgendwann mal zum Verhängnis werden könnte. Das er kein Abi hat und auch mal ein Alkoholproblem hatte - geschenkt. Man kann ihm zumindest nicht vorwerfen eine Doktorarbeit "gefälscht" zuhaben. Wenn er jetzt noch konkret wird und klar sagt was er als zukünftiger Bundeskanzler ändern will, stellt er für mich eine echte Alternative zu Frau Merkel dar. Ich wünsche ihm jedenfalls viel Erfolg.
mitt_romney 05.02.2017
4. Bitte erst denken, dann Bauchgefühl
Schulz ist ja ein netter Mensch, aber diese untersetzte Buchhändler wird von Trump doch vom Frühstück verspeist.
thomassp. 05.02.2017
5. Erst 50 dann 38?
Schon nen ziemlicher Sprunge für nen Direktkandidaten. Wie kann Schulz denn innerhalb einer Woche 12 Punkte verlieren?
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