Ex-SPD-Chef Martin Schulz "Ich habe dumme Fehler gemacht"

Martin Schulz stieg rasant auf - und fiel tief. Im neuen SPIEGEL-Buch "Die Schulz-Story" räumt der Ex-SPD-Chef ein, sein Glaubwürdigkeitsproblem unterschätzt zu haben. Er hätte früher gehen müssen, sagt er im Rückblick.

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Der ehemalige SPD-Vorsitzende Martin Schulz hat eine erste Bilanz seines turbulenten Jahres in der Berliner Spitzenpolitik gezogen. Über die 180-Grad-Wende der SPD nach den gescheiterten Jamaikasondierungen sagte Schulz laut einem Vorabdruck des Buchs "Die Schulz-Story" von SPIEGEL-Autor Markus Feldenkirchen: "Da hätte ich zurücktreten müssen. Zu dem Zeitpunkt hätte ich gehen müssen."

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"Ich wollte den Schwenk zunächst nicht", erklärte Schulz weiter. Aber er habe damals gedacht: "Wenn der Bundespräsident dich zu sich zitiert, kannst du ja nicht Nein sagen oder zurücktreten." Seine Disziplin sei ihm zum Verhängnis geworden. "Ich war ein glückloser Parteiführer", sagte Schulz im Rückblick. "Ich habe dumme Fehler gemacht und mich damit auch meinen Gegnern ausgeliefert", so Schulz weiter. "Ich habe das falsch eingeschätzt mit dieser Glaubwürdigkeitslücke. Komplett falsch eingeschätzt." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Zugleich gab er seiner Partei eine gewisse Mitschuld an seinem Scheitern. "Ich glaube, ich bin nicht politisch gescheitert, aber sicher teilweise an den Strukturen der Partei zerschellt. "Was die italienische Zeitung "La Repubblica" geschrieben habe, treffe es gut. "Ich bin der ideale Sündenbock für alles, was die Partei seit Jahren falsch gemacht hat", so Schulz.

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Der einstige Kanzlerkandidat erklärte auch, wie es zu seiner Aussage kam, dass er "ganz klar" nicht in eine Regierung von Angela Merkel eintreten werde. Den für ihn verheerenden Satz habe er für seine Partei gesagt. "Und daraus genau hat man mir meinen Strick gedreht", sagte Schulz. "Jetzt geht die ganze Partei in die Regierung, nur der Parteichef darf es nicht."

"Die ganze Empörung über meinen Wunsch, Außenminister zu werden, lag wahrscheinlich daran, dass viele an der Parteibasis in mir einen untypischen Politiker gesehen haben und dann eben schockiert waren, dass ich einen typischen Politikerschritt mache", sagte Schulz. "Möglicherweise hätten sie es jedem anderen verziehen. Mir nicht."

SPIEGEL-Redakteur Markus Feldenkirchen mit SPD-Kandidat Martin Schulz (in Rom 2017)
Der Spiegel

SPIEGEL-Redakteur Markus Feldenkirchen mit SPD-Kandidat Martin Schulz (in Rom 2017)

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insgesamt 151 Beiträge
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ElOmda 24.03.2018
1. Bundestagsabgeordneter
bleibt er aber weiter ! Warum? Welche Qualifikation hat er dafür ? Hat sich an seiner Glaubwürdigkeit etwas zum Positiven verändert? Neuanfang bei der SPD - mit wem? Mit Nahles, Scholz, Schulz und all denen die schon ewig die Strippen ziehen?
grottenolm1 24.03.2018
2. Folgende Fehler sehe ich
Die Ankündigung, in die Opposition gehen zu wollen, war richtig und hat sie gestärkt. Dies nach dem Scheitern von Jamaika zu wiederholen,w ar der erste Fehler. Sie hätten einen Verzicht Merkels auf die Kanzlerschaft zur Bedingung für ein Einschwenken der SPD machen sollen. Da hätten Sie einen wichtigen Etappensieg errungen und wären glaubwürdig geblieben. Das sehe ich als ihren schwersten Fehler an. Erst einen Posten unter Merkel auszuschließen und ihn dann doch zu wollen, war das i Tüpfelchen auf eine total verkorkste Saison. Dass die SPD der Gesellschaftsspalterin Merkel noch einmal in den Sattel geholfen hat, werde ich Ihnen und der Partei nie verzeihen. Sie haben eine historische Chance für einen Neuanfang versiebt. Die CDU ist zu schwach dafür.
global.payer 24.03.2018
3. Gerechtigkeit
war sein Thema und sofort waren die Ungerechtigkeiten der Agenda 2010 im Kopf. Sollte da einer aus Europa kommen, der die heimische SPD mit neuen Impulsen verbessert? Nachdem das nicht kam, wenigstens eine Denkpause um gemeinsam zu einer sozialdemokratischen Schärfung des Profils zu kommen. Leider Fehlanzeige. Nicht einmal jetzt gelingt ihm die Analyse.
blackbaro 24.03.2018
4. Wo er Recht hat,hat er recht
das schlimme bei der ganzen Sache ist allerdings:wäre er damals bei seinem Nein geblieben,hätte die SPD die Chance auf eine echte Erneuerung gehabt und auch ihr Ansehen wäre wieder massiv in der Bevölkerung gestiegen. Die Umfrage Werte direkt nach der Wahl zeigten es ja.So aber kañ die SPD m.E. froh sein bei der nächsten Wahl 10% + x zu erhalten. Für mich bis heute absolut unverständlich die Rolle von Steinmeier und das als ehemaliger SPD Spitze Politiker. Der wahre Totengräber der SPD.
karatekid 24.03.2018
5. Bleiben war gut
Wäre Schulz wirklich so früh gegangen, wie er es im Nachhinein für richtig hält, hätte die SPD bei den GroKo-Verhandlungen niemals so gut abgeschnitten. Verhandeln kann er. Er hat alles gegeben. Im Übrigen stand die SPD-Basis hinter ihm. Von der Basis aus hätte er bleiben sollen. Kaputtgemacht haben ihn die Medien, die ihn wirklich gnadenlos und absurd früh in Frage gestellt haben, und Sigma Gabriel.
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