Martin Schulz über Donald Trump "Dieser Mann ist irrational"

Bei der Bundestagswahl unterlag Martin Schulz seiner Konkurrentin Angela Merkel, nun mahnt er sie, stärker auf Emmanuel Macron zuzugehen. Die EU müsse enger zusammenrücken - vor allem mit Blick auf den US-Präsidenten.

Martin Schulz
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Martin Schulz


Der langjährige Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, sieht einen Bruch der transatlantischen Achse mit den USA - und mahnt die Europäische Union zum stärkeren Zusammenrücken. "Man darf sich keine Illusionen machen über Donald Trump: Dieser Mann ist irrational", sagte Schulz der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf Trumps angekündigten Ausstieg aus dem Atom-Abkommen mit Iran.

Schulz, der bei der Bundestagswahl als SPD-Kanzlerkandidat Angela Merkel unterlegen war, mahnte die Kanzlerin, stärker auf Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron zuzugehen. Man habe in den Verhandlungen über eine Große Koalition das Thema Europa im Koalitionsvertrag "nicht umsonst an die erste Stelle gesetzt". Schulz war nach Verhandlungsabschluss wegen internem Widerstand als SPD-Chef zurückgetreten und auch nicht wie geplant Außenminister geworden.

In seinen Augen sei "der Atom-Deal einer der größten diplomatischen Erfolge Europas in den letzten Jahrzehnten", sagte Schulz nun. Das Abkommen sieht die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen des Westens vor. Im Gegenzug soll Iran weitgehend die Anreicherung von Uran unterlassen, sodass die Herstellung von waffenfähigem Nuklearmaterial für Atomwaffen ausgeschlossen ist. Schulz sagte, er hoffe, dass das Abkommen auch nach neuen US-Sanktionen gegen Iran noch eine Chance habe. Es gebe keine Indizien, dass Iran das Abkommen verletze - die moderaten Kräfte in dem muslimischen Land müssten gestärkt werden.

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Macron erhält am Donnerstag in Aachen den Internationalen Karlspreis für seine Verdienste um die europäische Einigung, Merkel wird die Laudatio halten. Im Jahr 2015 hatte Schulz den Preis erhalten. Er würdige die Verleihung an Macron nun als Signal zur richtigen Zeit und bezeichnete Frankreichs Präsidenten als seinen Freund. Die Verleihung des Karlspreises an ihn sei eine Ermutigung, "seine grundsätzliche Überzeugung, dass sich Europa auf sich selbst konzentrieren muss, zu unterstützen", sagte Schulz.

aar/dpa

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eunegin 10.05.2018
1. 100%ig richtig
In seiner Analyse ist er, wenn auch ungewählt, sehr sehr treffend. Bitte jetzt kein deutschem Herumgeeiere oder Aussitzen oder warme Worte. Das geht in Zeiten des Trumpismus nicht mehr!
chickenrun1 10.05.2018
2. Europa zusammenrücken ?
Das Zusammenrücken haben wir ja in der Flüchtlingskrise erleben dürfen. Alle Last auf ein Land. Oder beim Brexit. Die Budgeterwartungen steigen, trotz eines Landes weniger in der EU. Wer soll die Hauptlast übernehmen ? Klar, Deutschland. Aus welchen Ländern werden die scheidenden Britischen EU Parlamentarier ersetzt? Richtig, nicht aus Deutschland. Also ich sehe keine Grundlage eines Zusammenrückens. Die EU giert vielleicht nach den Geldern aus Deutschland, das wars dann auch schon.
guenther.kukla 10.05.2018
3. Trump irrational ?
Sorry Herr Schulz, ein politischer Eigentorschütze wie sollte sich mit Bewertungen dieser Art zurückhalten. Er ist und bleibt der gewählte Präsident. Wenn Sie und Deutschland in den Augen der USA nicht so unbedeutend wären, und die Republikaner in den USA im ähnlichen Jargon über CDU, SPD, Grüne und Linke berichten würden, dann wollte ich Ihr Gezeter und und Gejammere hören. Und den Deutschen Politikern sei ins Buch geschrieben: "Wie wollen Sie jemals wieder ein vernünftiges Verhältnis zu den USA finden, wenn Sie in diesem Tonfall weiter die Beziehungen zwischen D und den USA vergiften ?" Aber so weit denken Deutsche Politiker wohl nicht, wäre wohl zuviel erwartet.
joes.world 10.05.2018
4. Glaube nicht denen, die immerzu irren
Im Gegensatz zu Schulz, hat Trump seine Wahl gewonnen. Und Schulz bestach in seinem politischen Leben immer wieder vor allem durch Fehleinschätzungen. Sei es bei seiner eigenen Einschätzung dass er fähig wäre Wahlen zu gewinnen, sei es bei seiner Einschätzung wie die SPD richtig zu positionieren wäre und zu führen und die Kräfte der Partei positiv zu bündeln. Schulz glänzte, leider, nur durch fortwährende Fehleinschätzungen. Trump dagegen erreichte in Nordkorea mehr, als seine beiden Vorgänger zusammen, heute passieren in Syrien weniger Massaker an der Zivilbevölkerung, Erdo der Eroberer kann auch nicht mehr so einfach Kurden im Ausland abschlachten, wie er dies wohl gerne täte. Trump ist also ein großer Gewinn und Schritt zu einer sichereren Welt. Ein außenmpolitisches Schwergewicht, speziell nach dem Fliegengewicht Obama. Aber kommen wir wieder zur traurigen Gestalt der SPD. Weder verstand Schulz, mit welchen themen sich für die SPD Wahlen gewinnen lassen, noch hatte er Ahnung davon, wie man Dinge erfolgreich umsetzt. Also warne ich: glaubt dem nicht, der sich bisher innenpolitisch immerzu irrte. Wieso soll er dann Weltpolitik verstehen und können?
Juro vom Koselbruch 10.05.2018
5. Das ist natürlich ...
... eine grandiose Neuheit und gar ultimative Erkenntnis. Trump ist irrational. Das hat ja nun zuvor noch niemand gewussst. Und Martin Schulz hat uns das jetzt erklärt. Das Wasser ist nass und der Ball rund. Wer hätte das gedacht. Man darf sich fragen, wie rational Herr Schulz ist. Ausgerechnet er ... Auch, wenn Trump irrational ist und Martin Schulz uns das sagt, wird sich die Mehrheit der Bürger nicht für eine Schuldenunion erwärmen, die aus guten Gründen von den Maastrichter Verträgen verboten ist. Un die auch auch ein Herr Schulz sich zurecht biegen will, wie es ihm gerade passt. Die Europa-Idee von Martin Schulz ist eben auch nicht rational. Genauso wenig wie übrigens Herr Macron, der für eine von allen zu tragende Schuldenerleichterung für Griechenland eintritt, aber keine Problem damit hat, ausgerechnet diesem verschuldeten Griechenland Kriegsschiffe im Wert für zwwei Milliarden € verkaufen zu wollen. Kriegsschiffe braucht Griechenland aber ebenso notwendig wie eine Raumpflegerin einen Helikopter. Und dann auch noch der Karlspreis für Macron. Das findet Martin Schulz natürlich super. Aber eine rationale EU-Idee ist nun mal mehr, als jemandem einen Preis um den Hals zu hängen. Gut, dass Schulz kein Ministeramt bekam und die Wahl verloren hat. Bürger können nämlich rational sein.
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