Kanzlerfrage im "Deutschlandtrend" Schulz überflügelt Merkel deutlich

Sie liegt bei 34 Prozent, er bei 50: Würde der Bundeskanzler direkt gewählt, würde laut "Deutschlandtrend" der SPD-Kandidat Martin Schulz die Amtsinhaberin Angela Merkel klar abhängen.

Martin Schulz (SPD)
AFP

Martin Schulz (SPD)


Martin Schulz hängt Angela Merkel ab: Würde der Bundeskanzler direkt gewählt, würden sich laut "Deutschlandtrend" 50 Prozent der Befragten für den SPD-Kanzlerkandidaten entscheiden - ein Plus von neun Prozentpunkten im Vergleich zum "Deutschlandtrend" Ende Januar. Die amtierende Bundeskanzlerin käme demnach nur noch auf 34 statt 41 Prozent der Stimmen. Sieben Prozent der Befragten geben an, dass für sie keiner der beiden als Regierungschef in Frage kommt.

Die Sozialdemokraten legen laut der Umfrage auch insgesamt deutlich zu: Die SPD kommt auf 28 Prozent und verzeichnet damit den besten Wert, der in der laufenden Legislaturperiode in dieser Umfrage gemessen wurde. Das Ergebnis bedeutet eine Steigerung um acht Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat. Die Union büßt den Angaben zufolge im Vergleich zu den Zahlen vom Ende Januar drei Prozentpunkte ein, bliebe mit 34 Prozent aber stärkste Kraft.

Verluste müssten auch die Linkspartei und Grüne hinnehmen, sie verloren im "Deutschlandtrend" jeweils einen Prozentpunkt und liegen derzeit beide bei acht Prozent. Größer fällt das Minus noch bei der AfD aus: Die "Alternative für Deutschland" würde zwar als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen, verlor aber drei Prozentpunkte und kommt auf zwölf Prozent Zustimmung bei den Befragten.

Für die Sonntagsfrage im Auftrag der ARD-"Tagesthemen" befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap von Montag bis Mittwoch dieser Woche bundesweit 1506 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz der repräsentativen Umfrage liegt bei 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten. Der Wahltrend von SPIEGEL ONLINE ergab ebenfalls einen Schub für die SPD nach Bekanntwerden von Schulz' Kandidatur.

Der Parteivorstand hatte den früheren EU-Parlamentspräsidenten am Wochenende als Kanzlerkandidaten und künftigen Parteichef nominiert. Zuvor hatte der bisherige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel seinen Verzicht auf beide Aufgaben erklärt. Ein Sonderparteitag der Sozialdemokraten im März soll Schulz offiziell zum Herausforderer von Kanzlerin Merkel wählen.

50 Prozent für SPD-geführte Regierung

Die Deutschen bevorzugen mehrheitlich die Fortsetzung einer großen Koalition: Ein Bündnis aus Union und SPD fänden laut "Deutschlandtrend" 43 Prozent gut beziehungsweise sehr gut für Deutschland. Eine Regierung aus Union und Grünen wird von 36 Prozent der Befragten positiv bewertet, eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken von 33 Prozent.

Jeder Zweite der Befragten gab an, dass die nächste Bundesregierung SPD-geführt sein sollte. Lediglich 39 Prozent sind der Auffassung, dass CDU/CSU die nächste Regierung führen sollten. Eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP fänden 31 Prozent gut beziehungsweise sehr gut für Deutschland, eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP 28 Prozent.

IM VIDEO: Reportage aus Schulz' Heimatort Würselen

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Methode "Deutschlandtrend"

  • Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
  • Fallzahl: 1006 Befragte, Sonntagsfrage: 1506 Befragte
  • Erhebungszeitraum: 30.1. bis 31.1.2017, Sonntagsfrage 30.1. bis 1.2.2017
  • Erhebungsverfahren: Telefoninterviews (CATI)
  • Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl/Dual Frame

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vks/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 280 Beiträge
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Seite 1
team_frusciante 02.02.2017
1.
Der Haken an der Sache: Hier wurde gefragt, wen von beiden man gerne im Kanzleramt hätte. Nicht: Welche Partei würden Sie wählen, sondern: CDU oder SPD? Wir sind aber nicht in den USA, andere Parteien werden hier auch gewählt. Und die Wähler von FDP, Grünen, AFD und Linken würden alle eher Schulz als Merkel wählen. Tun sie aber nicht.
macfan 02.02.2017
2. Wunder
Scheint Schulz doch noch Wunder zu wirken? Erstaunliche Zahlen. Mal schauen, ob es anhält.
Gleichstrom 02.02.2017
3.
Schön. Mir fehlt da was: die eindeutige Abgrenzung von Schröder (der beste SPD-Kanzler, den die Union je hatte...), vier bittere Jahre in der Opposition und eine Koalitionsaussage zugunsten der Linken und Grünen. Derzeit sind die nicht wählbar, wenn man nicht genausogut CDU wählen könnte, und wieso man dann die Kopie wählen sollte, zu der die älteste Partei Deutschlands geworden ist ... bloß weil der Kandidat gut reden kann? Da ist mehr notwendig, um irgendwen zu überzeugen!
newsfreak 02.02.2017
4. Ist doch einfach,
Von der Spitzenposition in der E.U. direkt in die nationale Politik einzusteigen. Und was dass fuer Vorteile sein muessen, kein meckern und maulen beim Gerichtshof von Kleinbauern und Privatanlegern, aber maximale Transparenz am Deutschen Arbeitsmarkt. Was fuer ein Konjunkturpaket. Was wohl die Russen darueber denken? Ach, ja, wassersuppe fuer die frontkaempfer in der Ukraine, wundervolle stimmung am schwarzen meer.
hugahuga 02.02.2017
5.
Die SPON Wahlumfragen versuchen Herrn Schulze förmlich ins Kanzleramt zu tragen. Na ja, es wird nicht zu verbergen sein, dass es mit der Glaubwürdigkeit dieses Herrn nicht weit her ist. Und das nicht allein wegen der erschlichenen Sitzungsgelder. Wenn erst einmal ins Bewusstsein der SPD Wähler gelangt sein wird, dass Herr Schulze sich für CETA, TTIP und eine Schuldenunion einsetzt, dann werden die potentiellen Wähler schnell umschwenken. Auch wird er - angeblich auf der Seite der "kleinen Leute" - sicher eine Erklärung dafür haben dass die SPD Dame Hohmann-Dennhardt für 12 Monate Arbeit? bei VW eine Abfindung von 12 Mio erhält. Mit dem Wissen kann er dann den kleinen Leuten im Ruhrpott erklären, wie er sich die soziale Gerechtigkeit in einer SPD Regierung vorstellt.
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