Massenproteste: Zehntausende Demonstranten umzingeln Atomkraftwerke

An zwölf Kernkraftwerken in Deutschland haben am Osterwochenende mehrere Zehntausend Menschen für einen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. Insgesamt waren mehr als 100.000 Demonstranten für Frieden und gegen Atomkraft auf der Straße.

Atomkraft-Gegner: Zehntausende auf der Straße Fotos
dapd

Berlin - Weit über 100.000 Menschen haben an den Osterfeiertagen für den Ausstieg aus der Atomkraft und gegen Krieg demonstriert. An Kundgebungen anlässlich des 25. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl und dem Unfall im japanischen Fukushima beteiligten sich nach Veranstalterangaben am Montag über 120.000 Menschen.

Die traditionellen Ostermärsche wurden dabei von Protesten der Atomkraftgegner überlagert, die sich am Ostermontag an zwölf Standorten von Meilern versammelten, um die Stilllegung der Anlagen zu fordern. Anlass dieser Aktionen war der 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl.

Jeweils 10.000 Demonstranten oder mehr nahmen am Montag an Demonstrationen in Biblis, Gundremmingen, Krümmel, Grafenrheinfeld und Grohnde teil, wie die Veranstalter mitteilten. Die Innenstadt von Biblis habe wegen Überfüllung gesperrt werden müssen, hieß es in einer Erklärung. Auch in Brunsbüttel, Philippsburg und Salzgitter versammelten sich demnach mehrere tausend Demonstranten. In ganz Deutschland fuhren den Angaben zufolge Menschen mit Bussen, Autos, Fahrrad-Konvois und Treckern zu den Demonstrationen.

Auf der Rheinbrücke zwischen Straßburg und Kehl forderten 700 Deutsche und Franzosen laut Polizei ein Ende der Atomkraft und gedachten der Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren. Viele schwenkten ukrainische und japanische Fahnen in Anlehnung an das Reaktorunglück in Tschernobyl 1986 sowie an die Katastrophe von Fukushima.

"Nach Fukushima kann die Bundesregierung die atomaren Gefahren nicht mehr ignorieren", erklärte Dirk Seifert von der Umweltschutzorganisation Robin Wood. "Atomenergie ist nichts anderes als eine Brücke in die Katastrophe." Deswegen müssten alle Akw sofort abgeschaltet werden. "Wir brauchen ein Abschaltgesetz und ein Gesetz zur massiven Verkürzung der Laufzeiten, sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel in Brunsbüttel.

Nach Angaben des Friedensratschlages in Kassel fanden von Freitag bis Montag 80 Ostermärsche in insgesamt 100 Städten statt. Die Märsche gehen auf die Proteste gegen das atomare Wettrüsten während des Kalten Krieges zurück.

Die größten Ostermärsche gab es laut Veranstaltern am Montag an der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau mit 10.000 Teilnehmern sowie in Berlin am Samstag mit 4000 Menschen. An diesem Tag fanden auch in Hamburg, München und dem Ruhrgebiet Ostermärsche statt. Zum Abschluss am Montag wurde auch in Frankfurt am Main, Kassel und Nürnberg demonstriert. Die Demonstranten forderten eine Ende des Krieges in Afghanistan sowie des Militäreinsatzes in Libyen. "Vernichtet die Nato, nicht Muammar Gaddafi", war auf Plakaten zu lesen.

ore/AFP/dapd

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Gewerkschaften sitzen im RWE-Aufsichtsrat
aspi01 25.04.2011
"Wir brauchen ein Abschaltgesetz und ein Gesetz zur massiven Verkürzung der Laufzeiten, sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel in Brunsbüttel." Lieber Herr Wetzel, wenden Sie sich einfach an Ihre Gewerkschaftskollegen, damit RWE seine AKWs abschaltet. Im Aufsichtrat von RWE sitzen zum Beispiel: Frank Bsirske, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi. Werner Bischoff, ehem. Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG Bergbau, Chemie, Energie. Hans-Peter Lafos, Landesfachbereichsleiter FB 2 Ver- und Entsorgung, ver.di Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Landesbezirk NRW. u.v.a.m.
2. Am Kernkraftwerk Unterweser (KKU)
huaroux 25.04.2011
...bei Kleinensiel wurde auch demonstriert, es wurde dabei umzingelt, auch von der Weserseite her wurde demonstriert. Von Bremen aus gestartete Schiffe waren beteiligt. Es sollen rund 1.500 Menschen vor Ort gewesen sein. Respekt !!!
3. Massenproteste?
kohlibri 25.04.2011
, also ich Glaub ich steh im Wald. Bei 100.000 Menschen die gegen Atomkraft prostestieren von Massenprotesten zu Sprechen ist ja an Dreistigkeig kaum zu überbieten. In Deutschland leben 81.000.000 Menschen. Ich glaube kaum wenn dann gerade mal 100.000 das man da von der Masse sprechen kann.
4. Ostermarsch - zum sich Gutfühlen aber sinnlos
Eutighofer 25.04.2011
Ostermärsche sind sinnlos. Die Nutzung der Kernkraft wird in Deutschland beendet werden - mit oder ohne Ostermarsch. Frieden und Demokratie in der Welt lassen sich gewiss nicht durch Ostermärsche herbeimarschieren - da braucht es schon mehr Mut, wie zum Beispiel die Menschen in Nordafrika bewiesen haben. Auffallend bei den Ostermärschen war schon immer die Einseitigkeit - seit jeher wurde gegen NATO und USA protestiert, Proteste gegen Warschauer Pakt und UdSSR gab es praktisch nicht. Die Ideologie der Ostermarschierer hat sich auch heute nicht geändert. Oder hat jemand ein Anti-Gaddafi-Transparent gesehen ?
5. Traurig aber Wahr
iron mace 25.04.2011
Zitat von kohlibri, also ich Glaub ich steh im Wald. Bei 100.000 Menschen die gegen Atomkraft prostestieren von Massenprotesten zu Sprechen ist ja an Dreistigkeig kaum zu überbieten. In Deutschland leben 81.000.000 Menschen. Ich glaube kaum wenn dann gerade mal 100.000 das man da von der Masse sprechen kann.
Na endlich hat es mal eine kapiert. Diese wir sind zu Ostern gegen alles Menschen, weil wir ja eh nix anderes machen dürfen, sind doch eh Mediengesteuert, die protestieren zum Selbstzweck, ganz egal für oder gegen was. Ein paar Spinner, die gegen alles sind, weil das Windrad neben dem Ort wollen sie nicht, Landwirte die ihre Stalldächer mit Solarzellen bedecken kassieren nur Subventionen ab, Flüsse darf man auch nicht begradigen um die Strömungsgeschwindigkeit zu erhöhen, damit Wasserkraft möglich wird, und Windparks in der Ostsee sind eh pöse. Traurig ist es das der Spiegel so was als Meldung bringt.
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Atomkraftwerke in Deutschland
Zahlen
In Deutschland sind formal derzeit noch 17 Atomkraftwerke in Betrieb. Tatsächlich am Netz sind aber deutlich weniger: Brunsbüttel ist nach mehreren schweren Pannen seit Sommer 2007 abgeschaltet. Krümmel wurde nach einem Brand im Juni 2007 erst im Juni 2009 wieder hochgefahren - um dabei erneut von einem Kurzschluss außer Betrieb gesetzt zu werden. Bis zum Einbau neuer Maschinentransformatoren ist das Kraftwerk nicht am Netz.
Geografische Verteilung
Die meisten Atomkraftwerke gibt es in Bayern. Dort stehen fünf AKW: Isar 1 und 2, Gundremmingen B und C sowie Grafenrheinfeld. In Baden-Württemberg gibt es vier Atomkraftwerke: Neckarwestheim 1 und 2 sowie Philippsburg 1 und 2. Je drei Anlagen stehen in Schleswig-Holstein (Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel) und in Niedersachsen (Unterweser, Grohnde, Emsland). In Hessen befinden sich Biblis A und Biblis B.
Atomausstieg
Das AKW Stade ging Ende 2003 außer Betrieb und wurde 2005 stillgelegt. Obrigheim ging Mitte 2005 außer Betrieb.