"Lichtgrenze" in Berlin Staatsschutz ermittelt gegen Ballondiebe

Sie waren der Besuchermagnet zum 25. Jahrestag des Mauerfalls: 7000 leuchtende Ballons, die den Verlauf der einstigen Grenze nachzeichneten. Doch nun beschäftigt die Aktion den Staatsschutz.

DPA

Berlin - Es sollte der Höhepunkt zum 25. Jahrestag des Mauerfalls werden. Um 19 Uhr stiegen am Sonntagabend entlang der ehemaligen Grenze in Berlin Tausende leuchtende Gasballons in den Nachthimmel. Seit Freitag erinnerte die "Lichtgrenze" von der Bornholmer Straße bis zur Oberbaumbrücke an die Teilung der Stadt. Die Kunstaktion zog Hunderttausende Besucher an, angeblich sollte sie sogar im Weltraum zu sehen sein.

Doch die Initiatoren der "Lichtgrenze" hatten mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen. Dutzende Kautschukballons waren kaputtgegangen, auch die Stelen, auf denen die Leuchtkugeln ruhten, wurden an mehreren Stellen mutwillig umgeknickt oder gestohlen. Sie seien "einfach verschwunden", sagte Gabriele Miketta, Pressesprecherin der Kulturprojekte Berlin.

Viele Ballons wurden einfach geklaut, häufig von Souvenirjägern wie diesem:

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In Mitte und Friedrichshain hatten Randalierer am Wochenende mehrere Ballons zerstört. Die Polizei nahm die neun mutmaßlichen Täter kurzzeitig fest. Die Beamten vermuteten politische Motive hinter der Tat. Deshalb hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin die Ermittlungen übernommen. Die bunte Lokalpresse schreibt von "Randalierern", die an der East Side Gallery Ballons klauen.

Auch die Bewachung der Installation war seither noch einmal verschärft worden. Trotzdem war die Lichtmauer mancherorts meterweise erloschen, wie hier an der Oberbaumbrücke:

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Andere gestalteten die Ballons um. So wurde in Kreuzberg ein Exemplar fein säuberlich mit Walter Ulbrichts berühmtem Zitat "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" beschriftet.

Die Macher der Kunstaktion hatten die entstandenen Lücken in der "Lichtgrenze" am Sonntag wieder aufgefüllt. Nun sind die insgesamt mehr als 7000 Ballons mit Helium gefüllt, damit sie am Abend in die Luft steigen konnten. Mit einem kleinen Hebel, der von außen in den Fuß eines Ständers gesteckt wird, lösten sogenannte Ballonpaten die Halterung, woraufhin die Heliumballons entschweben konnten. Innen sahen sie übrigens so aus:

TV-Tipp: Sondersendung zum Mauerfall am Sonntag,
9. November, 22.45 Uhr, RTL

syd/amz/dpa

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insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
erasmus89 09.11.2014
1. Eine Ironie
dass am 25. Jahrestag der DDR der Staatsschutz (Stasu?) banale Kinderstreiche verfolgen will. Dieser Gedenkmarathon ist doch eine reine Farce, ohne wirklich Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen.
maximilianhoffahrt 09.11.2014
2. Staatsschutz ?
ist die Berliner Polizei zu dumm oder faul, diese popligen Vergehen zu untersuchen ? Ich hätte sowieso pro Luftballon 2 Sicherheitsbeamte abgestellt, die diese observieren..... aber nicht fragt ja keiner ! Angtrulla, bitte melden !
lemmy 09.11.2014
3. Schade
Ich habe mich schon während der Berichte im Vorfeld dieser Installation gefragt, ob das gut geht. Es gibt ja immer irgendwelche "Vollpfosten", die einfach nur Spaß am Zerstören haben. Dabei ist gerade diese Idee so schön und ästhetisch umgesetzt worden. Die Stelen wurden übrigens in einer Behindertenwerkstatt in mühevoller Handarbeit hergestellt und mit einem immensen Aufwand vor Ort angebracht. Wirklich schade und unglaublich respektlos !
keinereiner 09.11.2014
4.
Ich hoffe es wurde schon ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss gebildet um die politisch verantwortlichen zu finden. Zudem, nur der Staatsschutz? Warum wurde das Militär nicht mobilisiert. Das ist ein angriff auf die deutsche Einheit vom inneren. Hoffentlich hat man auch Experten von außen z.B. NSA, CIA & Co. mit ins Boot geholt. Jetzt wissen wir auch alle vor was für einem schrecklichen IS-Anschlag der BND gewarnt hat. PS: Wer Ironie findet, darf sie behalten.
famd 09.11.2014
5. Kein Verständnis...
Da sieht man mal wie Menschen sind. Ich kann über solche Skrupellosen nur mit dem Kopf schütteln. Aber man sieht es ja in Hotels, da werden Bestecke, Gläser...Handtücher u.v.m. geklaut. In Parks oder Friedhöfen werden Grabschmuck geklaut oder zertreten. Ich hatte von Anfang an Zweifel, ob diese Lampen überhaupt vollzählig gegen den Himmel abheben.
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