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Mauerfall-Gedenken: Eklat im Bundestag - Biermann nennt Linke "Drachenbrut"

REUTERS

Der Liedermacher Wolf Biermann teilt im Bundestag kräftig gegen die Linke aus. Bei der Feierstunde zum Mauerfall bezeichnet er die Partei als "Drachenbrut". Deren Abgeordnete sind empört.

Berlin - Scharfer Wortwechsel in der Feierstunde: Der Liedermacher Wolf Biermann hat die Linke in der Gedenksitzung des Bundestags zum Fall der Mauer vor 25 Jahren frontal angegriffen. Die Linke sei "der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden ist", sagte Biermann am Freitag im Reichstag, in den er eigentlich zum Singen eingeladen worden war. Der "Ironiker" Norbert Lammert habe ihn eingeladen, um der Linken ein paar Ohrfeigen zu verpassen.

Mit Verweis auf seine Bezeichnung als "Drachentöter" sagte der Liedermacher, er könne "nicht die Reste der Drachenbrut" niederschlagen, "die sind geschlagen". Es sei "Strafe genug" für die Linken, "dass sie hier sitzen müssen und sich das anhören müssen".

Auf Einwurf aus der Linksfraktion, sie seien gewählt, erwiderte Biermann, eine Wahl sei doch "kein Gottesurteil". Die Linke sei in Wahrheit "reaktionär". Im Anschluss an den Schlagabtausch trug Biermann sein Lied "Ermutigung" vor, das vor allem bei den Oppositionellen in der damaligen DDR populär war. Biermann selbst nannte es "ein Stück Seelenbrot" insbesondere für die Insassen von DDR-Gefängnissen.

"Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen"

Bundestagspräsident Lammert sagte zu Biermanns ungewöhnlichem Auftritt mit einem Hinweis auf die Geschäftsordnung: "Sobald Sie für den Bundestag kandidieren und gewählt werden, können Sie auch reden. Jetzt sind sie hier, um zu singen." Biermann entgegnete: "Das Reden habe ich mir in der DDR nicht abgewöhnt und werde das hier schon gar nicht tun." An die Adresse der Linken sagte er: "Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen. Ich gönne es Euch."

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi ignorierte in seiner Rede Biermanns Attacken. Er beklagte Versäumnisse bei der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, es habe keine echte Vereinigung der beiden deutschen Staaten gegeben. Er betonte, in der DDR habe eine Diktatur und grobes Unrecht geherrscht - blieb aber bei seiner Haltung, die DDR nicht pauschal als Unrechtstaat zu bezeichnen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring Eckardt sagte: "Natürlich war die DDR ein Unrechtstaat."

Der Auftritt des 1976 aus der DDR ausgebürgerten Biermann hatte bereits vor der Veranstaltung für Ärger gesorgt. Die Linke - als SED-Nachfolgepartei immer wieder von Biermann kritisiert - fühlte sich bei der Festlegung des Programms übergangen. Sie verlangte, dass er seinen Auftritt nicht für Parteienkritik nutzt.

"Blanker Zynismus"

Lammert kritisierte in der Gedenkstunde auch den Diebstahl von 13 Gedenkkreuzen für die Opfer der Berliner Mauer: "Sie sind vor einigen Tagen gestohlen worden mit einer heldenhaften Attitüde und einer pseudohumanitären Begründung, die man für blanken Zynismus halten muss". Aktivisten eines "Zentrums für politische Schönheit" wollen die Kreuze an die Grenzen Europas bringen, um auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen. Nach dem Mauerfall-Jubiläum wollen die Diebe alle Kreuze zurückbringen, die Polizei ermittelt wegen "besonders schwerem Diebstahl".

Mit dem Gedenken im Bundestag hat eine Reihe von Veranstaltungen zur Erinnerung an den 9. November 1989 begonnen. In Berlin findet bis Sonntag ein umfangreiches Festprogramm statt. Am Nachmittag eröffnet Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in der Nähe des Reichstags eine Installation mit etwa 8000 leuchtenden Ballons. Sie zeichnen auf rund 15 Kilometern einen Teil der einstigen Grenze in Berlin nach. Zudem wird der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow am ehemaligen Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie eine Ausstellung zum Kalten Krieg besuchen.

TV-Tipp: Sondersendung zum Mauerfall am Sonntag,
9. November, 22.45 Uhr, RTL

ler/mxw/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 589 Beiträge
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1.
xxbigj 07.11.2014
Der Typ ist doch nicht mehr hier in unserer Welt, sondern in seiner eigenen Gotteswelt. Solche Leute vor unseren Parlament anzuhören beschämt mich auch als nicht Linken-wähler!
2. Klasse!
bogedain 07.11.2014
Endlich mal einer, der im Bundestag die Wahrheit über die Linken sagt!
3. Biermanns
kappesstepp 07.11.2014
Selbstverliebtheit sprengt alle Grenzen, wie schon im Kurzinterview vor seinem Auftritt (MoMa) zu merken (und wie man ja auch weiß), aber Recht hat er auch.
4. ^^
hundini 07.11.2014
Da will einer mal wieder ein bisserl Aufmerksamkeit^^...
5.
citroenfahrer 07.11.2014
Dieser unsägliche, von sich selbst eingenommene ehemalige Wessi, dann Ossi, dann wieder Wessi ist eine Zumutung, singen kann er nicht, Gitarre spielen auch nicht, und das was er so absondert, zeigt was er wirklich ist... ein ewiggestriger Grosskotz, der zum Systemkritiker hochgejubelt wurde... So einen Kleingeist in den Bundestag einzuladen zeigt, zu was die deutsche Politik verkommen ist... Kaspertheater....
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