GroKo-Talk bei "Maybrit Illner" Schwesig zweifelt an Merkels Führungsfähigkeiten

Die SPD will "ergebnisoffen" mit der Union über eine mögliche Große Koalition sprechen. Vizeparteichefin Schwesig sagte nun bei "Maybrit Illner", sie habe Zweifel, ob die Kanzlerin noch die nötige Führungsstärke habe.

Manuela Schwesig bei "Maybrit Illner"
ZDF/Svea Pietschmann

Manuela Schwesig bei "Maybrit Illner"


SPD-Vizechefin Manuela Schwesig zweifelt an der politischen Gestaltungskraft von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Schwesig sagte in der Talkshow von Maybrit Illner: "Dieses Land braucht Führung." Die Bürger vermissten jemanden, der ihnen sage, wie es in den nächsten fünf bis zehn Jahren weitergehe in Deutschland, Europa und der Welt. "Diese stärkere Führung würde ich mir schon wünschen, und da habe ich große Zweifel, ob das eigentlich noch mit Frau Merkel geht."

Merkels Politikstil beschrieb Schwesig mit den Worten "wir gucken mal, wie sich die Dinge entwickeln". Titel der Illner-Sendung war: "Rote Linien, schwarze Blöcke - geht die SPD in die Große Koalition?"

Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern betonte dabei, die vom SPD-Parteitag am Donnerstag beschlossenen Gespräche mit der Union über eine mögliche Regierungsbildung würden ergebnisoffen geführt. Lösungen, wie sie bei den Jamaika-Sondierungen etwa beim Familiennachzug für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz gefunden worden waren, seien für die SPD "überhaupt nicht Verhandlungsgrundlage".

Ihre Partei gehe jetzt in Gespräche und lote auf Basis der für sie wichtigen Themen aus, "ob es überhaupt Sinn macht, in weitere intensive Gespräche zu kommen". Eine Große Koalition sei für ihre Partei nicht zwingend, "sondern wir haben auch andere Optionen wie beispielsweise die Tolerierung einer Minderheitsregierung", sagte Schwesig bei Illner.

Wie die Nachrichtenagentur dpa meldete, wollen sich die Spitzen von Union und SPD erstmals am Mittwochabend zu Gesprächen treffen. Im Vorfeld machte der Chef des einflussreichen "Seeheimer Kreises" in der SPD klar, dass die Sozialdemokraten trotz des Widerstands der Union auf eine einheitliche Krankenversicherung in Deutschland pochen werden. "Es muss klar sein, dass es eine Bürgerversicherung und ein Gesundheitssystem für alle gibt", sagte Johannes Kahrs der dpa.

Die SPD kritisiert eine Zweiklassenmedizin und will durchsetzen, dass das derzeitige System privater und gesetzlicher Krankenversicherungen abgelöst wird. (Mehr zum Kampf um die Bürgerversicherung lesen Sie hier.)

Bayerns designierter neuer Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte von allen Gesprächsteilnehmern, dass sie versuchen sollten, "zu vernünftigen Ergebnisse zu kommen". Ein Scheitern dürfe nicht von vornherein einkalkuliert werden, sagte er bei Illner. Im Magazin "Focus" forderte Söder zudem ein stärkeres Profil der Union in der Flüchtlingspolitik: "Der entscheidende Punkt für die Verluste von Union und SPD war die Flüchtlingspolitik mit allen Facetten."

aar/Reuters/dpa

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dasfred 08.12.2017
1. Gute Führung muss nicht laut sein
Ich rechne es Frau Merkel hoch an, dass sie nicht zu jedem Problemchen vor die nächste Kamera springt und dort lautstark rumseehofert. Leise im Hintergrund abzuwarten, wie sich vieles von selbst in Wohlgefallen auflöst ist eine Fähigkeit, die vielen Politikern fehlt. Wir wissen, Ernst wird es, wenn sie ihr vollstes Vertrauen ausspricht. Das ist die allerletzte Mahnung. Ich sehne mich nicht nach einem Kanzler, der ständig im Mittelpunkt stehen will und dafür auf alles anspringt was ihm vor die Nase gehalten wird. Regieren bedeutet immerwährenden Interessenausgleich und jede öffentliche Parteinahme stößt den unterlegenen Part vor den Kopf. Wozu Krawall Politik führt, sehen wir doch weltweit.
matbhmx 08.12.2017
2. Genau, liebe Frau Schwesig, ...
... nur: Weshalb fällt Ihnen das jetzt auf? Sie haben doch sehr gerne sich am Kabinettstischchen platziert und der holden Kanzlerin gedient. Und: Weshalb sollte die SPD unter dieser Führungslosigkeit in eine GroKo gehen? Damit ein bisschen Führung ins Kabinett kommt? Machen Sie sich doch nicht lächerlich, Frau Schwesig! Schulz & Co. hätten es doch nach Scheitern der Jamaika-Koalition, bei der jeder, der halbwegs Verstand hat, wissen musste, dass das nicht klappen kann, ganz einfach gehabt: Natürlich würde man für eine GroKo zur Verfügung stehen, wenn auch angewidert, aber aus staatstragender Verantwortung, aber auf keinen Fall mit Merkel (weil die nämlich null Führungsqualitäten hat, weil die - außer sich selbst - überhaupt kein Programm hat, sondern ihr Mäntelchen nach dem Winde hängt, Hauptsache, sie kann weiter im Bundeskanzleramt hocken; Merkel würde doch notfalls das CDU-Programm ins kommunistische Manifest wandeln, wenn die Bevölkerungsströmung ihr signalisiert, dass sie, wenn auch keine absolute Mehrheiten, jedenfalls eine relative Mehrheit bekommt). Aber diese Chance, eine GroKo nur ohne Merkel, mit der man den schwarzen Peter, zu dem sich Schulz und seine angebliche Führungstruppe (auch die SPD hat ein Führungsproblem) von Steinmeier - und Merkel - hat machen lassen, der CDU und vor allem Merkel zugeschoben hätte. Spätestens mit dieser verpassten Chance hat den Schulz, den ich nun immer in Schutz genommen habe, seine bedingungslose Unfähigkeit unter Beweis gestellt. Er bleibt Getriebener - und damit statt alpha- allenfalls gamma-Männchen! Wählt ihn bei nächster Gelegenheit ab (ach ja: Schulz und Europa - auch da hat er nix kapiert! Lieber Schulzi, Dein Europa im Sinne "Vereinigter Staaten von Europa" will keiner! Auch in Deutschland nicht! Wenn Du damit in die nächste Wahl gehst, mein lieber, wirst Du Schwierigkeiten haben, die 5-Prozent-Hürde zu nehmen!)!
wiescheid 08.12.2017
3. Söder hat Recht
"Der entscheidende Punkt für die Verluste von Union und SPD war die Flüchtlingspolitik mit allen Facetten." Zumindest in meinem Fall und dem einiger in meinem Umfeld kann ich da nur zustimmen. Aber vermutlich anders als gemeint, denn meine/unsere Stimme gab es wegen der peinlichen und unmenschlichen Debatte der CSU über die Obergrenze nicht für die CDU, die ja dann der auch der kleinen Schwester zugute gekommen wäre. Aber das christlich hat wohl keine Bedeutung mehr...
herbert 08.12.2017
4. Ausgerechnet die Schwesig muss das sagen !!!
Ich bin kein Merkelfan aber wenn die Schwesig an gigantischer Selbstueberschaetzung leidet indem sie andere niedermacht um selber zu glaenzen, dann zeigt das auf, woran die SPD leidet. Die Schwesig sollte mal ihren SPD Kaputtladen betrachten und nicht auf andere zeigen. Durch Zufall ist sie Ministerpraesidentin geworden und allein mit diesem Posten ist sie ueberfordert. Fazit Anstatt Merkel anzugehen sollte sie Ihren Schulz troesten.
stefan.p1 08.12.2017
5. Frau Schwesig
sagt nur das, was eigentlich alle wissen aber ,mir nicht erklärlich, sich keiner traut zu sagen. Warum spricht das kein Moderator an, wenn Merkel dabei ist. Merkel ist keine Regierende ,sie ist eine Reagierende-und das schon seit 12Jahren.
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