David McAllister im Wahlkampf: Merkels Mac

Von , Hannover und Hitzacker

Wenn er siegt, dann nicht für sich allein: Bei der Landtagswahl 2013 soll Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister der Kanzlerin Rückenwind für den Bundestagswahlkampf verschaffen. Fürchten muss er vor allem eines - den Schatten seines Vorgängers Christian Wulff.

David McAllister: Wahlkämpfer und Hoffnung der Kanzlerin Fotos
DPA

Im Norden von Hannover. David McAllister steht in der Werkstatt von Göldo Music, dem Hersteller der weltbekannten Duesenberg-Gitarre. Die Rockband AC/DC und Marius-Müller Westernhagen kaufen hier. Eigentlich ein schöner Termin für einen Landesvater. Doch McAllister wirkt überraschend steif, ernst und angespannt.

Seine Arme hält er vor der Brust verschränkt, oder er formt, wie Kanzlerin Angela Merkel es gern macht, ein Dreieck mit den Händen. Ein Reporter will von McAllister wissen, wie es um seine Musikalität bestellt sei, eigentlich eine Standardfrage bei solch einem Besuch. Der 41-Jährige holt tief Luft, bevor er langsam in die Kameras erzählt, dass er sieben Jahre lang Klavier gespielt habe. Dass er jetzt nicht mehr musiziere, dafür seine beiden Töchter.

Es muss erst ein Dudelsack auftauchen, damit McAllister sich locker macht. Chris Distin, ein Gitarrenbauer aus Großbritannien, spielt ihm ein Ständchen auf dem Dudelsack - so wie der Ministerpräsident hat er schottische Wurzeln. Das verbindet. Plötzlich zeigt sich ein andere McAllister: plaudernd, witzig und zuweilen ironisch. Auf Englisch scherzt McAllister darüber, dass die Briten ihre schottischen Ahnen erst dann entdecken, wenn sie bei der Hochzeit im Kilt heiraten wollen. Er redet über die Army, in der sein Vater Dienst tat. McAllisters Vater ist Schotte, seine Mutter Deutsche. Noch heute besitzt er neben dem deutschen und auch einen britischen Pass.

McAllister ist auf Sommerreise, über 1200 Kilometer fährt er in diesen Tagen mit dem Bus durch Niedersachsen. Knapp sechs Monate sind es noch bis zur Landtagswahl, knapp sechs Monate, in denen McAllister das gelingen soll, was kaum möglich erscheint nach den vergangenen Landtagswahlen, die für die Christdemokraten und Bundeskanzlerin Merkel schlecht ausgingen. McAllister soll den rot-grünen Trend stoppen, er soll der Union mit einem fulminanten Sieg Rückenwind für das so wichtige Wahljahr 2013 verschaffen. Eine Aufgabe, die schwer wiegt.

McAllister und seine Leute sind nervös

McAllister musste noch keine Landtagswahl als Spitzenkandidat bestehen. Er hat das Amt des Ministerpräsidenten von seinem Förderer Christian Wulff vor zwei Jahren gleichsam geerbt, als dieser Bundespräsident wurde. Mittlerweile ist Wulff zurückgetreten, die Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer in der Affäre um die Partyveranstaltung Nord-Süd-Dialog, ein Risiko auch für McAllisters Wahlkampf. Fürs Erste scheint die Polit-Affäre einigermaßen ausgestanden. Aber wer kann garantieren, dass nicht neue Details auftauchen, die dann auch für ihn zur Last im Wahlkampf werden?

Der Christdemokrat ist angesehen im Land. Er gibt sich bodenständig, zeigt sich vor Ort, sucht den Kontakt zu den Bürgern. Emsig pflegt McAllister seine Partei. Das macht ihn beliebt, seine Persönlichkeitswerte in den Umfragen sind hoch, SPD-Herausforderer Stephan Weil ist abgeschlagen.

Trotzdem sind McAllister und seine Leute nervös. Sie durchleben ein Wechselbad der Gefühle. Denn in den Umfragen liegt die CDU mal in Führung, dann ist sie wieder hinter der SPD. Das schürt Unruhe in der Partei. Zudem verharren die Liberalen seit Wochen unter der Fünfprozentmarke, es sieht so aus, als ob sich McAllister wohl einen neuen Regierungspartner suchen muss, eigentlich bleibt da nur die Große Koalition mit der SPD.

Doch Sozialdemokrat Weil geht auf Distanz zu ihm. Er schlägt mittlerweile wenig charmante Töne an, McAllister musste sich anhören, er sei der "Wackeldackel auf der Hutablage der Kanzlerin".

Schmettern mit dem Shanty-Chor

"Alles Momentaufnahmen", sagt McAllister abwiegelnd zu Umfragen . Als ihn dann aber die neueste Forsa-Umfrage im Bus erreicht, die die CDU wieder vorne sieht, ist der Ministerpräsident kaum zu bremsen. Emsig tippt er auf seinem Blackberry, "Mac ist back", sagt er und reckt die Faust hoch. "Geht doch", sagt er, um dann noch schnell hinterherzuschieben: "Es ist nur eine Momentaufnahme, aber ich genieße den Moment."

Wenig später radelt er fröhlich am Elbdeich entlang. Das bringt schöne Fotos, zumal wenn er von Gorleben-Gegnern begleitet wird, die nach einer kurzen fast überwiegend ruhigen Diskussion einträchtig neben ihm herfahren. Da solle doch mal einer sagen, dass das vor ihm ein Ministerpräsident in Niedersachsen geschafft habe. In Hitzacker empfangen ihn die Bürger mit Salutschüssen und einem Shanty-Chor, der das Niedersachsen-Lied anstimmt. McAllister ist in seinem Element, schmettert mit, trinkt mit Schützen ein, zwei Bier. Hier fühlt sich der Ministerpräsident wohl. In seiner Heimatstadt Bad Bederkesa im Landkreis Cuxhaven war er selbst mal Schützenkönig. "Einfach schön, toll", sagt er zurück im Bus. "So kann es weitergehen."

Doch McAllister weiß, dass sich die Wähler erst kurz vor dem 20. Januar entscheiden werden, alles eben "eine Momentaufnahme" ist. Er hat die Abstimmung in Schleswig-Holstein analysiert, 40 Prozent der Bürger entschieden sich dort in der Woche vor dem Wahltag. Und es nicht immer leicht, seine Wähler mit Inhalten zu überzeugen.

Das hat er erst neulich wieder schmerzhaft erfahren, da kenterte er mit einem Drachenboot. Mit an Bord: Minister seines schwarz-gelben Kabinetts. Eine Nachricht, die selbst in den Niederlanden für Schlagzeilen sorgte. "Du kannst als Ministerpräsident die Welt retten, das ist egal", sagt McAllister. "Wenn du aber mit dem Drachenboot kenterst, kommst du in den Tagesthemen."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
brox/walker 26.07.2012
Zitat von sysopWenn er siegt, dann nicht für sich allein: Bei der Landtagswahl 2013 soll Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister der Kanzlerin Rückenwind für den Bundestagswahlkampf verschaffen. Fürchten muss er vor allem eines - den Schatten seines Vorgängers Christian Wulff. McAllister im Niedersachsen-Wahlkampf - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,846278,00.html)
Ich kann David für die Wahlen nur alle Gute Wünschen! Selbst leider kein wahlberechtigter Niedersachse mehr habe ich ihn als einen volksverbundenen, bodenständigen Menschen kennengelernt, der sein Herz am rechten Fleck hat, sehr ähnlich Wilfried Hasselmann. Mir ist er um längen symphatischer als sein heuchlerischer Vorgänger, dessen "Freundschaftsgeschichten" der niedersächsischen Union wohl nachhaltig geschadet haben.
2. Diener zweier Herren
drorb 26.07.2012
Nur ein Randaspekt: Herr McAllister ist deutscher und britischer Staatsbürger. Niemanden scheint dies aufzuregen. Wäre er deutscher und türkischer Staatsbürger würden wir immer wieder lesen von einem Interessenkonflikt, davon, dass man nicht "Diener zweier Herren sein" könne. Dabei soll mir keiner sagen, dass es nicht handfeste Interessenkonflikte zwischen UK und D vor allem innerhalb der EU gäbe. Wie so häufig wird mit zweierlei Mass gemessen...
3.
Stäffelesrutscher 26.07.2012
»McAllisters Vater ist Schotte, seine Mutter Deutsche. Noch heute besitzt er neben dem deutschen und auch einen britischen Pass.« Oh - ich dachte, doppelte Staatsbürgerschaft ist verboten! Oder gilt das nur für hier geborene "Türken"?
4. Wahlbeteiligung
fred_krug 26.07.2012
Zitat von sysopWenn er siegt, dann nicht für sich allein: Bei der Landtagswahl 2013 soll Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister der Kanzlerin Rückenwind für den Bundestagswahlkampf verschaffen. Fürchten muss er vor allem eines - den Schatten seines Vorgängers Christian Wulff. McAllister im Niedersachsen-Wahlkampf - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,846278,00.html)
Bei der letzten Landtagswahl lag die Whalbeteiligung bei *NUR* ca. 57%. Von fast 6,1 Millionen haben nicht mal 3,5 ihr aktives Wahlrecht genutzt. Die Kommunalwahlen in 2011 waren schlimmer. Da bewegten sich die üblichen Wahlbeteiligungen bei um die 50% ... Werden sich Mr. McAllister und die CDU, und werden sich auch die anderen Parteien ihrer Verantwortung bewusst und das niedersächsische Staatsvolk zu einer Wahl motivieren, bei der die Wahlbeteiligung wieder "gut" sein wird? Politisch ist dieses Land aktuell so ideen- und profillos, dass dies auf Mr. McAllister und seine Partei kein gutes Licht wirft. Man kann es auch nicht schönreden. De facto sind CDU und FDP seit nun zwei Legislaturperioden in der Verantwortung. Und seither fallen die Zahlen der Wahlbeteiligung ... Gleichzeitig ist das Niveau fremdenfeindlicher Übergriffe für so ein Flächenland mit seinen Möglichkeiten zu hoch, während auch gleichzeitig eine der höchsten Polizeidichten in diesem Land vorherrscht. Da läuft einfach einiges schief, und die politisch Verantwortlichen sollten daraus Lehren und die richtigen Schlüsse ziehen. Ganz sicher jedenfalls erreicht man nicht die Wähler in Niedersachsen, die gerade in die Sommerferien verreisen. Ein Wahlauftakt sieht einfach anders aus! tl;rd
5.
prqc 26.07.2012
Zitat von Stäffelesrutscher»McAllisters Vater ist Schotte, seine Mutter Deutsche. Noch heute besitzt er neben dem deutschen und auch einen britischen Pass.« Oh - ich dachte, doppelte Staatsbürgerschaft ist verboten! Oder gilt das nur für hier geborene "Türken"?
Prinzipiell ist haben Sie Recht. Jedoch wird bei EU-Bürgern die doppelte (unionsinterne) Staatsangehörigkeit geduldet. Also, auch bei Deutsch-Spaniern, Deutsch-Franzosen etc pp
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema David McAllister
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 19 Kommentare