Mecklenburg-Vorpommern nach der Wahl Für die SPD gibt es keine Alternative

SPD und CDU haben in Mecklenburg-Vorpommern deutlich an Zustimmung verloren. Was bedeutet das für das Land? Und was für die Bundespolitik?

Sellering (SPD) und Caffier (CDU)
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Sellering (SPD) und Caffier (CDU)

Aus Schwerin berichtet


Die Laune von Erwin Sellering war hervorragend an diesem Abend, der doch eigentlich eine Niederlage gebracht hatte. Die SPD des Ministerpräsidenten hat in Mecklenburg-Vorpommern rund fünf Prozentpunkte verloren, der Koalitionspartner CDU fiel sogar hinter die AfD zurück. Dennoch sagte Sellering bei der SPD-Wahlparty in einem Schweriner Restaurant: "Es war der schwerste, aber auch der schönste Wahlkampf."

Spät in der Nacht zu Montag führte Sellering aus, was er damit meinte: "Wenn der Bundestrend so gegen dich ist, sind 30 Prozent ein Spitzenergebnis." Tatsächlich lag die SPD in Umfragen vor zwei Monaten noch bei 22 Prozent. Der Aufstieg der AfD hat auch den Sozialdemokraten geschadet, verheerend war er aber für CDU und Grüne. Die Union landete hinter den Rechtspopulisten, die Grünen scheiterten sogar an der Fünfprozenthürde. (Hier lesen Sie mehr zu den Wahlergebnissen.)

Wie geht es nun weiter in Mecklenburg-Vorpommern?

Obwohl Sellering sich am Abend nicht festlegen wollte, läuft es auf eine Fortsetzung der Großen Koalition hinaus. Gegen ein neues Bündnis mit der CDU spreche nichts, sagte der Ministerpräsident. Sein Verhältnis zum Spitzenkandidaten und CDU-Innenminister Lorenz Caffier gilt als ausgezeichnet, bei einem TV-Duell zehn Tage vor der Wahl hatten die beiden Mühe, überhaupt Streitpunkte zu finden.

Ein Linksbündnis, das bei den Sozialdemokraten viele bevorzugt hätten, scheitert wohl am Aus der Grünen. Eine Regierung der SPD nur mit der Linken hätte gerade mal drei Stimmen Mehrheit - kaum vorstellbar, dass Sellering ein solches Risiko eingeht. Zumal auch die Linke einen bitteren Abend erlebte: 13 Prozent bedeuten ein Minus von mehr als fünf Prozentpunkten und das schlechteste Ergebnis in Ostdeutschland seit 25 Jahren.

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Berliner AfD hofft auf Auftrieb

Also weiter Große Koalition. Für Sellering und Caffier mag das eine angenehme Perspektive sein, für ihre Parteifreunde auf der Bundesebene ist es das kaum. Denn dass CDU und SPD einfach weiterregieren, obwohl so viele Wähler sie abgestraft haben, dürfte auf wenig Begeisterung stoßen.

Die Gefahr ist, dass die AfD weiter zulegt. Noch am Sonntagabend in Schwerin sprachen die Rechtspopulisten davon, dass sogar bei der Abgeordnetenhauswahl im eher linken Berlin ein Ergebnis von mehr als 15 Prozent drin sei. In knapp zwei Wochen wird in der Hauptstadt gewählt, auch dort regiert derzeit eine Große Koalition. (Hier finden Sie den Wahl-O-Mat zur Wahl in Berlin.) SPD-Bürgermeister Michael Müller würde diese gerne durch Rot-Rot-Grün ersetzen. Doch das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern muss auch ihm Sorgen machen.

Obwohl die AfD ihr Hybris-Ziel, stärkste Kraft zu werden, am Sonntag verpasste: Petry, Gauland und Co. haben die Parteienlandschaft verändert. Die alte Regel, wonach entweder die Union oder die linken Parteien die Schwäche der jeweiligen Gegenseite ausnutzen, gilt nicht mehr.

In Mecklenburg-Vorpommern profitierte nur die AfD. Alle anderen Parteien haben verloren.

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insgesamt 221 Beiträge
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utfcmac 05.09.2016
1.
So wirds dann wohl 2017 auch im Bund kommen und weitere 4 Jahre verloren ins Land gehen.
der_gärtner13 05.09.2016
2. Die AFD Protestwähler
zementieren eine Bundes- und Länderweite GROKO. Dieser Protest geht auf Kosten aller nach hinten los.
Poli Tische 05.09.2016
3. Der Sieg der AfD.....
.....ist ein Sieg des Egoismus, der Kaltherzigkeit, des Neids, der Dummheit von Menschen ohne Weitblick!
naklar261 05.09.2016
4. interessanter...aber besser?
das macht die sache interessanter, ob das aber auch besser ist wird sich zeigen. Wuerde ich meinen Lebensmittelpunkt noch in Deutschland haben, wuerde ich das natuerlich anders sehen...wems zu Blau wird sollte fruehzeitig anfangen.
raetselfreund 05.09.2016
5. Nur eine Stimme Vorsprung für Rot-Rot?
Nehmen wir doch mal die Zahlen die hier auf Spon veröffebtlich wurde dann hat Rot-Rot 37 Stimmen, Schwarz-Braun hingegen 34. Damit fällt die gesamte Argumentation, warum es unbedingt weiterhein Rot-Schwarz sein muss in sich zusammen.
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