Wahlanalyse Wie die AfD in Mecklenburg-Vorpommern punktet

Die AfD hat in Mecklenburg-Vorpommern vor allem Arbeiter, Arbeitslose und Mittdreißiger mobilisiert. Nur jeder Vierte hat aus Überzeugung für die Rechtspopulisten gestimmt. Die Wahlanalyse.

AfD-Politiker bei Wahlparty in Schwerin
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AfD-Politiker bei Wahlparty in Schwerin

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Eine höhere Wahlbeteiligung schwächt populistische Parteien - dieser Lehrsatz gilt in der Bundesrepublik nicht mehr, das beweist der Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist ein Phänomen, das sich schon bei den jüngsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt gezeigt hat: Die Wahlbeteiligung geht wieder deutlich nach oben.

In Mecklenburg-Vorpommern ist sie gegenüber 2011 um rund zehn Prozentpunkte gestiegen. Die Beteiligung liegt zwar noch deutlich unter den Werten der Jahre 1994 bis 2002, allerdings fand die Landtagswahl damals immer zeitgleich mit der Bundestagswahl statt, die traditionell mehr Wahlberechtigte anzieht.

Und erneut profitiert die AfD am meisten von der gestiegenen Wahlbeteiligung. Nach Analysen von Infratest Dimap konnte die Partei 56.000 ehemalige Nichtwähler mobilisieren - mehr als alle anderen im Schweriner Landtag vertretenen Parteien zusammen. Zudem konnte die Partei 20.000 NPD-Anhänger überzeugen, ihr Kreuz diesmal bei der AfD zu machen. Außerdem wanderten 23.000 CDU-Wähler und 16.000 SPD-Wähler zu den Rechtspopulisten ab. Die AfD macht auch in Mecklenburg-Vorpommern der Linken den Status als Protestpartei streitig. 18.000 Wähler, die vor vier Jahren noch für die Linke gestimmt hatten, votierten diesmal für die AfD.

Wählerwanderung

Dass die AfD vor allem als Protestpartei wahrgenommen wird, zeigt die Wählerbefragung ganz eindeutig. Befragt nach ihrer Wahlentscheidung geben 66 Prozent der AfD-Wähler an, ihre Stimme aus Enttäuschung über die anderen Parteien den Rechtspopulisten gegeben zu haben. Nur 25 Prozent sagen, dass sie von der AfD überzeugt sind. Bei den Wählern insgesamt ist das Verhältnis umgekehrt: 57 Prozent begründen ihre Wahlentscheidung damit, dass sie von der gewählten Partei überzeugt sind, nur 36 Prozent damit, dass sie von anderen Parteien enttäuscht sind.

"Wir haben keinen Wahlkampf gegen Flüchtlinge gemacht", behauptete AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm am Abend nach der Schließung der Wahllokale. Die Wähler seiner Partei hatten offenbar einen anderen Eindruck. Gefragt nach dem Thema, das für die Wahlentscheidung am wichtigsten war, antworteten 52 Prozent der AfD-Wähler: "Flüchtlinge". Unter allen Wählern nannten nur 20 Prozent dieses Thema als das wichtigste.

AfD-Chefin Petry
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AfD-Chefin Petry

Die AfD ist besonders stark bei Wählern zwischen 35 und 60. In der Gruppe, der 35- bis 44-Jährigen ist die Partei fast gleichauf mit der SPD. Relativ schwach sind die Rechtspopulisten hingegen bei jungen Wählern. Unter den 18- bis 24-Jährigen liegt die AfD bei 15 Prozent - gleichauf mit Linken und CDU und nur drei Prozentpunkte vor den Grünen. Die CDU kann die AfD nur noch bei den Über-60-Jährigen übertrumpfen.

Die AfD ist vor allem eine männliche Partei: 25 Prozent der männlichen Wähler in Mecklenburg-Vorpommern haben ihr Kreuz bei den Rechtspopulisten gemacht. Dagegen liegt ihr Stimmenanteil bei den Frauen nur bei 16 Prozent. Damit landet sie unter den Wählerinnen hinter SPD (34 Prozent) und CDU (20 Prozent) auf dem dritten Platz.

Die AfD-Wähler kommen aus allen sozialen Schichten: Sowohl bei Arbeitslosen (29 Prozent) als auch bei Arbeitern (34 Prozent) und sogar Selbstständigen (28 Prozent) sind die Rechtspopulisten stärkste Partei geworden.

Die AfD punktet vor allem bei Wählern der mittleren und unteren Bildungsschicht - hier liegt sie nur knapp hinter der SPD. Bei den Hochgebildeten rangiert die Partei hingegen nur auf dem dritten Platz - knapp vor der Linken.

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