Medienaffäre: "Bild" schickt Transkript des Wut-Anrufs an Wulff

Die "Bild"-Zeitung stellt Christian Wulff das Transkript seines Anrufs bei ihrem Chef Diekmann zur Verfügung. Nun müsse sich der Bundespräsident nicht mehr "auf seine Erinnerung stützen", heißt es. Neuer Ärger droht dem Politiker offenbar von VW-Anlegern.

Bundespräsident Wulff: Abschrift der Mailbox-Botschaft in der Post Zur Großansicht
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Bundespräsident Wulff: Abschrift der Mailbox-Botschaft in der Post

Berlin - Die Aufregung um den umstrittenen Anruf von Christian Wulff bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann nimmt nicht ab. Nun hat das Boulevardblatt dem Bundespräsidenten eine Abschrift des Wortlauts seiner Nachricht auf der Mailbox des Journalisten übermittelt. Dies sei geschehen, damit sich Wulff "bei Aussagen darüber nicht nur auf seine Erinnerung stützen muss", teilte der Springer-Verlag am Freitag mit.

Zugleich bekräftigte die "Bild"-Chefredaktion ihre Entscheidung, eine Veröffentlichung nicht ohne Zustimmung des Bundespräsidenten vorzunehmen. Wulff hatte diese Zustimmung am Donnerstag nicht erteilt.

Bei dem Anruf vom 12. Dezember hat Wulff nach seinen Angaben um eine Verschiebung des Berichts über seinen umstrittenen Privatkredit gebeten. Die "Bild"-Zeitung hält dagegen, er habe die Berichterstattung nicht nur hinauszögern, sondern verhindern wollen. "Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden", sagte Diekmanns Stellvertreter Nikolaus Blome dem Deutschlandfunk.

Eine Veröffentlichung des Anrufs ist derzeit nicht zu erwarten, trotzdem drängen immer mehr Medien mit Auszügen an die Öffentlichkeit. Laut Informationen des "Stern" soll Wulff länger als eine Minute auf die Mailbox von Diekmann gesprochen haben, dabei sei er eher ruhig geblieben. Im Laufe der Nachricht bittet Wulff demnach tatsächlich darum, eine Berichterstattung so lange zu verzögern, "bis das Staatsoberhaupt von der Auslandsreise" zurück sei. Damit wäre Wulffs Darstellung bestätigt.

Allerdings habe Wulff die Botschaft dann fortgesetzt: Man solle sich zusammensetzen, "dann können wir entscheiden, wie wir Krieg führen wollen." Auch einen Strafantrag stellt Wulff laut "Stern" in den Raum. Kurz darauf folgt die Erwähnung des Rubikon, der überschritten sei.

Dazu hat der Bundespräsident im Verlauf der Botschaft an Diekmann offenbar angekündigt, selbst an die Öffentlichkeit gehen zu wollen. Er werde am 14. Dezember - also zwei Tage nach dem Anruf - in Berlin zusammen mit seiner Frau Bettina eine Pressekonferenz geben, heißt es laut "Stern" in der Aufzeichnung des Anrufs. Dabei werde es um die Methoden der "Bild"-Zeitung gehen. Tatsächlich hat eine solche Pressekonferenz nie stattgefunden.

Ob die Darstellungen des "Stern" tatsächlich der Original-Nachricht auf der Mailbox entspricht, kann aber nur eine Veröffentlichung des Mitschnitts oder des Manuskripts belegen.

Offenbar massive Forderungen von VW-Investoren

Neben der Auseinandersetzung mit der "Bild" und den Ungereimtheiten um seine Hausfinanzierung droht Wulff nun offenbar auch noch Ärger mit den Investoren des Volkswagen-Konzerns. Fast 70 Banken, Versicherungen und Fonds fordern laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" von Wulff Schadensersatz in Höhe von 1,8 Milliarden Euro.

Die Investoren werfen Wulff demnach Versäumnisse als ehemaliges Mitglied des Volkswagen-Aufsichtsrats vor, so das Blatt. Dies gehe aus einem Antrag hervor, in dem die Investoren die Einleitung eines außergerichtlichen Gütetermins forderten.

Bei dem Streit geht es um die gescheiterte Übernahme von VW durch den Sportwagen-Hersteller Porsche. Wulff, damals noch Regierungschef in Niedersachsen und damit auch im Aufsichtsrates bei VW, habe die VW-Anleger getäuscht und damit den Porsche-Eignern in die Hände gespielt. Konkret soll Wulff demnach schon deutlich vor der Bekanntgabe der geplanten VW-Übernahme von dem bevorstehenden Scheitern erfahren haben, ohne die Aktionäre des Autobauers darüber zu informieren.

Die Investoren beklagen in ihrem Antrag laut "Wirtschaftswoche", Porsche habe Marktteilnehmer rechtswidrig getäuscht, was zu heftigen Schwankungen im Wert der VW-Aktie geführt habe.

Anwalt räumt Antrag auf Güteverfahren ein

Wulffs Anwälte haben inzwischen bestätigt, dass gegen den ehemaligen Volkswagen-Aufsichtsrat ein Antrag auf Einleitung eines außergerichtlichen Güteverfahrens gestellt worden ist. Allerdings lehne Wulff ein solches Verfahren ab, teilte die Kanzlei, die die ehemaligen und aktuellen vom Land Niedersachsen gestellten VW-Aufsichtsratsmitglieder berät, am Freitag mit. Wulff ließe es damit auf ein Gerichtsverfahren ankommen.

Der VW-Konzern hat bisher stets alle gegen ihn erhobenen Ansprüche in diesem Zusammenhang als völlig unbegründet bezeichnet.

jok/dpa-AFX/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 176 Beiträge
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1. mal ne frage
Gebetsmühle 06.01.2012
Zitat von sysopDie "Bild"-Zeitung stellt Christian Wulff das Manuskript seines Anrufs bei ihrem Chef Diekmann zur Verfügung. Nun müsse sich der Bundespräsident nicht mehr "auf seine Erinnerung stützen", heißt es. Neuer Ärger droht dem Politiker offenbar von VW-Anlegern. Medienaffäre: "Bild" schickt Manuskript des Wut-Anrufs an Wulff - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807624,00.html)
mit jedem weiteren artikel in den medien wird deutlich, dass die merkel den anstandslosen abnickern von der bundesversammlung einen dilettanten zur wahl vorgesetzt hat. keiner wills gewußt haben. was kann dieser wulff eigentlich?
2. Test For Echo
rudolf_mendt 06.01.2012
Jetzt fängt er an, mir leid zu tun, der Arme....
3.
geistigmoralischewende 06.01.2012
Zitat von sysopDie "Bild"-Zeitung stellt Christian Wulff das Manuskript seines Anrufs bei ihrem Chef Diekmann zur Verfügung. Nun müsse sich der Bundespräsident nicht mehr "auf seine Erinnerung stützen", heißt es. Neuer Ärger droht dem Politiker offenbar von VW-Anlegern. Medienaffäre: "Bild" schickt Manuskript des Wut-Anrufs an Wulff - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807624,00.html)
Jetzt geht´s an´s Eingemachte! Bin mal gespannt, wer Wulff die geforderten Milliardenbeträge leiht, die die Anleger von ihm fprdern. Das dürfte selbst die Möglichkeiten von Maschmeyer und Co. übersteigen. Von einem zinsgünstigen Darlehen einmal ganz abgesehen.
4.
Silvester72 06.01.2012
Zitat von sysopDie "Bild"-Zeitung stellt Christian Wulff das Manuskript seines Anrufs bei ihrem Chef Diekmann zur Verfügung. Nun müsse sich der Bundespräsident nicht mehr "auf seine Erinnerung stützen", heißt es.
Na wie lange will die Bild noch darauf rum reiten ? Langsam nervt das Blatt nur noch ! Ok Wullf hat mist gebaut, und nun wissen es alle. Oder hat die Bild nix anders mehr um ihre Auflage hoch zuhalten ? Nur eins verstehe ich bei dem Blatt nicht, warum sie so lange warteten das öffentlich zu machen ? In meinen Augen sehr mysteriös. Und vor allen "unter" Freunden hebe ich doch nicht die Nachrichten auf meinen AB 3Wochen auf, um diesen dann fertig zu machen. In meinen Augen eine unseriöse Presse die Bild-Zeitung, denn so kehrt sie wieder zu ihren alten Schema der 90´er zurück.
5.
ebensolchen 06.01.2012
na dann sollte man sich doch auch mal seine aktienkäufe anschauen wenn der Wulff doch so ein fuchs der finanzen ist …
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