Medienpreis Iranische Intellektuelle rügen Westergaard-Ehrung

Kanzlerin Merkel hat den Mut des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard gewürdigt. Doch nun erhält er einen weiteren Medienpreis - und erneut gibt es scharfe Kritik. Iranische Intellektuelle protestieren, Friedensnobelpreisträgern Schirin Ebadi will der Zeremonie fernbleiben.

Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi: Nimmt nicht an Preisverleihung teil
dapd

Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi: Nimmt nicht an Preisverleihung teil


Leipzig - Der Däne Kurt Westergaard ist umstritten. Er hat die Mohammed-Karikaturen gezeichnet, die weltweite Proteste ausgelöst haben. Von den einen wird er gehasst und angefeindet. Von den anderen für seinen Mut gelobt. Nun erhält er erneut einen deutschen Medienpreis - auch das löst wieder einen Eklat aus.

Der 75-Jährige sollte am Freitagabend beim 1. Leipziger Medienkongress als einer von drei Preisträgern mit dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig geehrt werden. Neben Westergaard werden der bulgarische Reporter Assen Yordanov und der afghanische Journalist Sayed Yaqub Ibrahimi ausgezeichnet.

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi kündigte aus Protest an, nicht an der Preisverleihung teilzunehmen. Sie sah durch die Karikaturen offenbar ihre religiösen Gefühle verletzt. Zudem kritisierte sie die Veranstalter, die sie nicht darüber informiert hätten, dass Westergaard unter den Preisträgern sei. Es sei der Stiftung freigestellt, jeden auszuzeichnen. Die Teilnehmer sollten aber informiert werden, damit sie frei über ihre Teilnahme entscheiden könnten, sagte die Juristin, die in ihrer Heimat nur unter massiven Schwierigkeiten arbeiten kann.

Auch ihr Landsmann, der Journalist und Regimekritiker Akbar Ganji, protestierte gegen die Auszeichnung für Westergaard. Beide waren als Gast auf dem Medienkongress eingeladen. Ganji, der den Preis 2007 bekommen hatte, reiste wieder aus Leipzig ab.

"Ich bin nicht bereit, Selbstzensur zu betreiben"

"Wir stehen zu unserer Entscheidung", sagte ein Sprecher der Medienstiftung, die den Preis verleiht. Bei der Vergabe des Preises an den Karikaturisten gehe es "ausdrücklich nicht darum, die Karikatur selbst auszuzeichnen, sondern um die Standhaftigkeit von Westergaard für seine Meinung", sagte der geschäftsführende Vorstand der Stiftung, Stephan Seeger.

Die Jury hatte die Preisträger bereits im Juni aus 22 Nominierten ausgewählt. Ihre Namen wurden aus Sicherheitsgründen erst kurz vor der Verleihung bekanntgegeben.

Westergaard, der wegen der Mohammed-Karikaturen unter Polizeischutz steht, hatte im September in Potsdam den Medienpreis M100 erhalten. "Ich bin nicht bereit, Selbstzensur zu betreiben. Ich tue weiter das, worauf ich Lust habe", sagte er. Seine Karikatur in der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten" hatte in der islamischen Welt heftigen Protest ausgelöst. Ihm bereite es Sorgen, dass die dänischen Intellektuellen und Kreativen in ihrer Meinungsäußerung vorsichtiger geworden seien, sagte er. Mittlerweile malt Westergaard Aquarelle - ohne politischen Inhalt.

Der afghanische Journalist Sayed Yaqub Ibrahimi, der am Freitag ebenfalls ausgezeichnet wurde, berichtete in seiner Heimat kritisch über Machtmissbrauch, Waffen- und Drogenhandel - und erhielt deshalb Morddrohungen. Er lebt außerhalb Afghanistans im Untergrund. "Ich denke, dieser Preis ist für alle afghanischen Journalisten. Sie kämpfen für die Demokratie in unserem Land", sagte er. Viele Journalisten unterstützten den Demokratisierungsprozess, stießen aber auf Widerstände der Taliban und einiger Machthaber.

Assen Yordanov deckte in seiner Heimatstadt Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste Umweltverbrechen und Korruption auf - und wird dafür ausgezeichnet. Er stand mehrfach vor Gericht und sollte eigenen Aussagen zufolge zweimal ermordet werden. Außerhalb Bulgariens sei leider wenig bekannt, wie groß dort das Problem der Korruption sei. "Die Freiheit, heute hier meine Meinung sagen zu dürfen, ist mir tausendmal wichtiger als dieser Preis", sagte Yordanov.

kgp/dpa/dapd



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Seite 1
TC Matic 08.10.2010
1. ...
Zitat von sysopKanzlerin Merkel hat den Mut des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard gewürdigt. Doch nun erhält er einen weiteren Medienpreis - und erneut gibt es scharfe Kritik. Iranische Intellektuelle protestieren, Friedensnobelpreisträgern Schirin Ebadi will der Zeremonie fernbleiben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,722179,00.html
Es ist nicht mehr zu ertragen, wie eine einzige "Religion" zum Dauerbeleidigtsein ihrer Anhänger beiträgt, die dann in Folge das Tun und Lassen der gesamten Erdbevölkerung manipulieren (zumindest es versuchen).
Riff 08.10.2010
2. Danke, gleichfalls!
Zitat von sysopKanzlerin Merkel hat den Mut des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard gewürdigt. Doch nun erhält er einen weiteren Medienpreis - und erneut gibt es scharfe Kritik. Iranische Intellektuelle protestieren, Friedensnobelpreisträgern Schirin Ebadi will der Zeremonie fernbleiben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,722179,00.html
Es soll ja Länder auf der Welt geben, die sich gegen Einmischungen anderer Staaten in ihre inneren Belangen verwahren: http://www.nzz.ch/hintergrund/dossiers/iran/berichterstattung/iran_verwahrt_sich_gegen_einmischung_1.7249374.html
marian.2.k, 08.10.2010
3. Zustimmung
Zitat von TC MaticEs ist nicht mehr zu ertragen, wie eine einzige "Religion" zum Dauerbeleidigtsein ihrer Anhänger beiträgt, die dann in Folge das Tun und Lassen der gesamten Erdbevölkerung manipulieren (zumindest es versuchen).
Uneingeschränkte Zustimmung und herzlichen Dank! P.S.: Ich darf öffentlich die rk. Kirch als "kriminelle Vereinigung" bezeichnen (was sie übrigens in meinen Augen auch ist; aber das hier Nebensache). Dies wurde höchstrichterlich festgestellt. Aber die "einzig wahre Religion" - nämlich der "moderne" Islam - hat nichts Besseres zu tun, als auf dauerbeleidigt zu machen. Spätestens am Wochenende dürften auch die bekannten Dauer-Betroffenen Nahles, Roth, neuerdings auch de Maizière, Özdemir usw. sich lautstark zu Wort melden.
ixelloise 08.10.2010
4. Die Empörte, oh Mann die alte Leier
Zitat von sysopKanzlerin Merkel hat den Mut des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard gewürdigt. Doch nun erhält er einen weiteren Medienpreis - und erneut gibt es scharfe Kritik. Iranische Intellektuelle protestieren, Friedensnobelpreisträgern Schirin Ebadi will der Zeremonie fernbleiben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,722179,00.html
Zitat: Es sei der Stiftung freigestellt, jeden auszuzeichnen. Zitat Ende Alleine dass Islam-Anhänger diese Selbstverständlichkeit ständig betonen meinen zu müssen! Als persönlich mit Widrigkeiten zu kämpfen habende sollte Frau Ebadi eigentlich weniger Empörung walten lassen!
floyd77 08.10.2010
5. Übertrieben
Zitat von TC MaticEs ist nicht mehr zu ertragen, wie eine einzige "Religion" zum Dauerbeleidigtsein ihrer Anhänger beiträgt, die dann in Folge das Tun und Lassen der gesamten Erdbevölkerung manipulieren (zumindest es versuchen).
Übertreiben Sie nun mal nicht! Jeder Mensch hat das Recht friedlich zu protestieren und seine Meinung offen kundzugeben, oder ist das nun nur zum Recht von westlichen Aufgeklärten geworden? Die anderen sollen bitte den Mund zumachen. Hier möchte ich auch als kleinen Beispiel zitieren, als der damalige Bundeskanzler Schröder seinen jährlichen Urlaub in Italien fallen gelassen hat, weil ein italienischer Minister schlecht über Deutsche Urlauber gesprochen hat, sozusagen indirekt beleidigt. Eigentlich gehört das auch zur Meinungsfreiheit, und Herr Schröder hätte doch gar nicht beleidigt sein sollen... Komisch allerdings, dass Frau "Abadi" im Westen hochgejubelt wurde, weil sie gegen den gehassten iranischen Regime arbeitet. Nun, wo sie eine Kleinigkeit macht, die im Auge des Westen nicht passt, so wird sie scharf kritisiert!!!?? Oder denken Sie, dass Frau "Abadi" auch Teil der islamischen Verschwörung gegen den Westen ist? ;)
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