Debatte um Militäreinsatz: Meinungsforscher warnen vor Syrien-Wahlkampf

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Rebellenkämpfer in Syrien: "Zu ernstes Thema für den Wahlkampf"

Der Syrien-Konflikt zwingt die deutschen Politiker dazu, sich zu einem möglichen Militärschlag zu äußern. Doch Meinungsforscher glauben nicht, dass die Frage den Wahlkampf entscheidend beeinflussen wird. Insbesondere die SPD könne nur verlieren.

Berlin - Das Thema beherrscht die Schlagzeilen: Die verstörenden Aufnahmen von mutmaßlich mit Nervengas vergifteten Menschen in Syrien sorgen international für Empörung, die USA und ihre Verbündeten erwägen einen Militärschlag gegen das Land.

Führende Meinungsforscher erwarten daher, dass der Syrien-Konflikt in der öffentlichen Wahrnehmung bis zur Bundestagswahl eine größere Rolle spielen wird. "Die Macht der Bilder kann die Wählerstimmung beeinflussen und die Menschen für den Syrien-Konflikt sensibilisieren", sagt Klaus-Peter Schöppner, Chef des Demoskopie-Instituts Emnid.

Sein Kollege Manfred Güllner von Forsa sieht das ähnlich. "Die Menschen da draußen nehmen durchaus wahr, was in der Welt passiert", sagt er. "Man muss auch kein Experte für Außenpolitik sein, um eine Meinung zu Krieg und Frieden zu haben."

Bislang sei Syrien in der Öffentlichkeit von den Ausschreitungen in Ägypten überlagert gewesen, so Güllner weiter. "Aber durch die neue, zugespitzte Lage ist es gut möglich, dass in den kommenden Wochen das Interesse der Bürger am Syrien-Konflikt steigt."

Die meisten Bürger wollen keinen Krieg

Die Experten bezweifeln aber, dass die verschärfte Lage die Deutschen von einem Militäreinsatz überzeugen könnte. "Die breite Einstellung ist, dass ein Blutvergießen unserer eigenen Soldaten nichts besser machen würde", so Emnid-Chef Schöppner.

Sollten sich Hinweise verdichten, dass die Chemiewaffen aus dem Lager von Syriens Präsident Baschar al-Assad stammen, "kann das Empörung auslösen und bei mehr Menschen den Wunsch nach einer Intervention des Westens wecken", sagte Schöppner. "Die Mehrheit der Deutschen lehnt Militäreinsätze im Ausland aber ab. Ich erwarte nicht, dass sich diese Stimmung grundlegend drehen wird."

Einer Forsa-Umfrage vom Dienstag zufolge wollen mehr als zwei Drittel der Bundesbürger keinen internationalen Militärschlag gegen Syrien. 69 Prozent der Befragten sprachen sich dagegen aus, nur 23 Prozent waren dafür. Acht Prozent äußerten keine Meinung. Von den Befürwortern wiederum waren 66 Prozent dafür, dass sich dann auch Deutschland an einem derartigen Einsatz beteiligen sollte.

Die Bundesregierung lässt bislang offen, ob sie eine solche Intervention unterstützen würde. Am Montag hatte Kanzlerin Angela Merkel mit ungewöhnlich scharfen Worten das "entsetzliche Verbrechen an Männern, Frauen und Kindern" verurteilt.

"Die Kanzlerin steht unter Druck"

Ein militärisches Eingreifen des Westens in Syrien erscheint inzwischen nur noch eine Frage der Zeit: Briten und Amerikaner bereiten sich auf einen Einsatz vor. Dabei sind wichtige Fragen ungeklärt, die Staaten ringen um einen Plan für Syrien - und die politischen Lager hierzulande um Positionen. Denn je näher eine militärische Einmischung des Westens rückt, desto stärker sind die Wahlkämpfer in den Parteizentralen gefordert, eine klare Ansage zu machen.

"Die Kanzlerin steht in der Regierungsverantwortung und damit unter einem größeren Druck, sich zu positionieren, als die Opposition", meint Schöppner. Er hat einen Rat für Merkels Konkurrenz parat: "Die SPD sollte gar nicht erst versuchen, sich bei diesem Thema abzugrenzen. Wenn Peer Steinbrück versucht, sich mit dem Syrien-Konflikt zu profilieren, kann er dabei nur verlieren" - ähnlich wie in der Euro- oder der NSA-Debatte. "Sich als die bessere Friedenspartei zu gerieren, wäre nicht besonders glaubwürdig."

Sein Kollege Güllner erwartet aber unterm Strich "keine größeren Auswirkungen auf die politische Stimmung im Land". Im Wahlkampf gehe es "immer mehr um innenpolitische, weniger um außenpolitische Themen", sagt er. Auch der Syrien-Konflikt werde wohl kein entscheidendes Wahlkampfthema werden.

"Möglicherweise wird die Asyldebatte befeuert, oder die Linke profitiert etwas durch ihren Antiamerikanismus", so der Wahlforscher. "Aber generell ist das Thema zu ernst, um damit Wahlkampf zu machen."

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insgesamt 275 Beiträge
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1. Lachhaft!
Blaufrosch 28.08.2013
Das ist ja wohl nicht euer Ernst liebe Empiriker mit Hang zur politischen Entfaltung! "Beweise" wird in dem Zusammenhang soundso niemand den Amerikanern abnehmen, seit dem Irakkrieg gelten die USA dahingehend als wenig glaubwürdig! Dank NSA und PRISM ist das Image der USA nachhaltig beschädigt! Wer sich klar und deutlich GEGEN einen Angrifsskrieg gegen Syrien politisch positioniert, kann nur gewinnen! Warum wohl schweigt Frau Merkel das Thema tot? Auch von der FDP nichts nennenswertes? Wenn also Parteien etwas zu verlieren haben, dann CDU und FDP.
2. 400 gegen 1000
klhacke02 28.08.2013
400 Tote Menschen, um Gerechtigkeit zu bringen TOETEN WIR 1000de von andere Menschen. na das ist Studierte Gerechtigkeit ...
3.
k-team 28.08.2013
Zitat von sysopDer Syrien-Konflikt zwingt die deutschen Politiker dazu, sich zu einem möglichen Militärschlag zu äußern. Doch Meinungsforscher glauben nicht, dass die Frage den Wahlkampf entscheidend beeinflussen wird. Insbesondere die SPD könne nur verlieren. Meinungsforscher: Der Syrien-Konflikt und die Wählerstimmung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/meinungsforscher-der-syrien-konflikt-und-die-waehlerstimmung-a-918912.html)
Oho, jetzt kriegen unsere großen Parteien langsam Schiß, weil die Linken die einzigen sind, die schon immer gegen Auslandseinsätze waren. Angesichts der allumfassenden Alternativlosigkeit, die die Politik der anderen Parteien bestimmt, kriegt man jetzt Muffensausen, daß in diesem einen Punkt eine eindeutige Position wahrnehmbar wird. Hui. Da wird es höchste Zeit, daß sich der rechte Flügel der Linken (Bartsch und Konsorten) zu Wort melden und dann aber auch als einzige Meinungen veröffentlicht werden a la "selbst die Linke ist für den Krieg". Wohl bekomm's.
4. Auch hier wird Deutschland schweigen,
mielforte 28.08.2013
ähnlich herumeiern wie in der NSA-Debatte, die keine war. Nein, wenn die Siegermächte mal wieder die Torte (Erde) anschneiden, hat Deutschland nichts am Tisch verloren. Der Wahlkampf in Deutschland (wer sagt eigentlich noch Bundesrepublik?) ist jetzt schon eine Farce. Mit oder ohne Krieg in Syrien.
5. Aha, die Meinungforscher warnen ...
qualidax 28.08.2013
... möglicherweise hat man Bedenken, dass der Wähler zu viel nachdenkt. Ich finde sehr wohl, dass die Meinung zu Krieg und Frieden ein wichtiger Wahlgrund ist!
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