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Umfragen zur Regierungsbildung: Deutsche wünschen sich Große Koalition

Kabinettstisch in Kanzleramt: Nimmt Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün Platz? Zur Großansicht
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Kabinettstisch in Kanzleramt: Nimmt Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün Platz?

Die Mehrheit der Deutschen will Schwarz-Rot. Das bestätigen aktuelle Umfragen. Doch die Demoskopen betonen: Die Vorlieben der Anhänger könnten sich je nach Verlauf der Gespräche noch verändern.

Berlin - Noch regieren die Lautsprecher. Da reklamiert die SPD das Finanzministerium für sich, und bei der CDU versichern Partei und Fraktion, dass man einen harten Kurs in der Steuerpolitik fahren werde.

An möglichen Kompromissen für eine künftige Koalition wird hinter den Kulissen jedoch schon gearbeitet, denn Union und SPD wissen: Von den Wählern müssen sie bei Abschluss eines schwarz-roten Bündnisses wohl keinen allzu heftigen Zorn fürchten. Bei den Bürgern liegt eine Große Koalition hoch im Kurs.

Das zeigen zwei aktuelle Umfragen. Im ARD-"Deutschlandtrend" sprechen sich 48 Prozent der Befragten für ein solches Bündnis aus. Im ZDF-"Politbarometer" befürworten sogar 58 Prozent eine schwarz-rote Regierung.

Die Zustimmung zu den beiden anderen Optionen ist deutlich schwächer: Für Schwarz-Grün plädieren im "Deutschlandtrend", erhoben von Infratest dimap, 18 Prozent, für eine Koalition von SPD und Grünen mit der Linken 16 Prozent. Beim "Politbarometer" der Demoskopen von der Forschungsgruppe Wahlen sind knapp ein Drittel der Befragten (32 Prozent) für eine schwarz-grüne Koalition. Dass Rot-Rot-Grün die Regierung übernimmt, wünschen sich nur 22 Prozent.

Auch bei den Anhängern der beteiligten Parteien gibt es demnach eine Mehrheit für die Große Koalition Schwarz-Rot. Von den Unionswählern sprechen sich 62 Prozent im "Deutschlandtrend" dafür aus, bei den SPD-Anhängern sind es 56 Prozent. Beim "Politbarometer" sind es 68 Prozent der CDU/CSU-Anhänger, 64 Prozent im SPD-Lager.

Minderheitsregierung keine Option

Eine Minderheitsregierung ohne eigene Parlamentsmehrheit, wie sie sowohl die Union als auch SPD und Grüne bilden könnten, lehnt eine große Mehrheit der Befragten ebenfalls ab. 72 Prozent sind laut "Politbarometer" grundsätzlich dagegen. Nur etwa jeder Fünfte (21 Prozent) befürwortet diese Möglichkeit - unerheblich davon, ob die Union oder Rot-Grün die Minderheitsregierung bilden würden.

Die Forschungsgruppe Wahlen befragte dafür von Dienstag bis Donnerstag 1293, das Institut Infratest dimap am Dienstag und Mittwoch 1000 wahlberechtigte Bürger. Der Fehleranteil beträgt je nach Parteianteil und Umfrageinstitut 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte.

Bereits am Montag hatte Infratest dimap eine ähnliche Frage zu den Koalitionswünschen der Bürger gestellt. Da sagten noch 64 Prozent der Befragten, sie würden ein Bündnis zwischen CDU und SPD für "gut" oder "sehr gut" halten. 34 Prozent sagen, eine solche Koalition sei "weniger gut" oder "schlecht" für Deutschland.

"Momentan ist alles im Fluss"

Allein das Wahlergebnis sei schon ein "Votum pro Große Koalition" gewesen, heißt es bei der Forschungsgruppe Wahlen. Auch die Arbeit der ersten Großen Koalition von 2005 bis 2009 bewerten die Bürger positiv, sagen die Meinungsforscher von Forsa. Gute Voraussetzungen also für eine Neuauflage.

Bedeutet das auch, dass es für Schwarz-Grün keinen Rückhalt im Volk geben würde? Bei Unionswählern gebe es gegen ein Bündnis mit den Grünen große Vorbehalte, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner im "Stern". Sein Kollege Klaus-Peter Schöppner von TNS Emnid relativiert jedoch die aktuellen Zahlen: "Momentan ist alles im Fluss, die Präferenzen der Anhänger können sich leicht verschieben."

Weil die SPD jetzt den Preis für eine Koalition nach oben treiben möchte, könnte die Option Grün für die Union auch wieder in den Fokus rücken. Diese Alternative könnte demnach bei den Anhängern an Beliebtheit gewinnen, wenn mögliche Verhandlungen zwischen Union und SPD keine Fortschritte machen würden.

Viele Grünen-Anhänger sehen Bündnis mit Union positiv

"Grundsätzlich wären die Grünen für die CDU attraktiver, wenn sie sich mehr in die Mitte bewegen würden. Also eine grüne Partei, wie sie jetzt in Süddeutschland vorhanden ist", sagt Meinungsforscher Schöppner in Anspielung etwa auf den Realo-Kurs des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg.

Bei den Grünen-Anhängern war die Zustimmung für ein Bündnis mit der Union bislang erstaunlich hoch. Sie ziehen Schwarz-Grün sogar noch Rot-Rot-Grün vor, hat die Forschungsgruppe Wahlen in der Woche vor dem 22. September ermittelt. Mehr als die Hälfte der Befragten hielt in der Umfrage eine solche Konstellation für gut. Die Bundeskanzlerin kommt anscheinend gut an bei Wählern der Öko-Partei. In einer Forsa-Umfrage wünschten sich 45 Prozent der Grünen-Anhänger Mitte August, dass Angela Merkel nach der Wahl weitermacht.

Welche Streitthemen in Koalitionsverhandlungen den Bürgern wichtig sind, lässt der aktuelle ARD-"Deutschlandtrend" ebenfalls erahnen. Demnach scheinen vier Punkte die Bürger besonders umzutreiben. Zu den wichtigsten zählen:

  • Schuldenabbau (92 Prozent)

  • bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie (91 Prozent)

  • Senkung der Energiepreise (88 Prozent)

  • Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns (85 Prozent).

Deutlich weniger wichtig wären zwei andere Streitthemen zwischen Union sowie SPD und Grünen: Die Abschaffung des Betreuungsgeldes und die Einführung einer Pkw-Maut hält nur jeder zweite Befragte für drängende Aufgaben.

Wahlergebnisse

kgp/fab/heb

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insgesamt 283 Beiträge
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    Seite 1    
1. ich nicht
buntesmeinung 27.09.2013
keine große Koalition!!!
2. glaube ich nicht
aw123 27.09.2013
Die 48% entsprechen ziemlich dem Wahlergebnis von CDU, FDP und AfD. CDU-Wähler wollen sie, deshalb haben sie auch die FDP abgewählt. Ich glaube aber, dass die linke Mehrheit nicht will, dass Merkel Kanzlerin wird.
3. optional
karl-bublitz 27.09.2013
Dieser Artikel ist nicht nur eine Ansammlöung allseits bekannter Gemeinplätze, sondern zudem noch sachlich unrichtig, denn die erste Große Koalition dauerte von 1966 - 1969.
4. Absolute meinungsmache
wurzelbär 27.09.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDie Mehrheit der Deutschen will die Große Koalition. Das bestätigt eine aktuelle Umfrage. Doch die Demoskopen betonen: Die Vorlieben der Anhänger könnten sich je nach Verlauf der Gespräche noch verändern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/meinungsforscher-wunschkoalition-der-deutschen-ist-schwarz-rot-a-924447.html
und Volksverar´.chung, und Verdummung! Die Mehrheit der Deutschen will die Große Koalition. Das bestätigt ???eine??? aktuelle Umfrage. Die nichts wert ist, außer das sie bezahlt wird auf Kosten des Volkes. Doch die Demoskopen betonen: wir alle wollen noch bezahlt werden, für den Schwachsinn den die Medien ans Volk Tag - täglich zur Verblödung vorsetzen dürfen! Das muß ein Ende finden, denn wenn es zu Ende ist, wird der mit seinen ergaunerten Millionen auch führ > DIE< am Ende sein. Sie wollen es nicht glauben, weil sie die selben "primitiven Dummköpfe sind" wie alle anderen! Man sieht sich - !
5. wie wurde gefragt?
smst0123 27.09.2013
Konnte man bei der Befragung auch alle vorgeschlagenen Koalitionen ablehnen oder mußte man sich entscheiden? Denn dann wählt man das vermeintlich geringste Übel. Das heißt nur lange noch nicht, dass man diese Koalition auch wirklich wünscht...
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