Meinungsforschung: So treffend waren die Umfragen vor der Wahl
Die einen überschätzt, die anderen unterschätzt: Die Bundestagswahl 2013 hat einmal mehr gezeigt, wie schwer es ist, zutreffende Umfragen zu erstellen. Daran haben auch die Stimmungswerte kurz vor dem Wahltag nichts geändert. Alle Details im Überblick.
Berlin - Die FDP wird im 18. Bundestag nicht vertreten sein, mit erschütternden 4,8 Prozent sind die Liberalen bei der Wahl aus dem Parlament geflogen. Auch für die Meinungsforscher war das in den Wochen vor der Abstimmung die spannendste Frage: Wird die FDP die Fünfprozenthürde schaffen?
Demoskopen erstellen Umfragen, die ein möglichst präzises Bild von den Ansichten und Präferenzen der Wähler liefern sollen. Die Ergebnisse sind meist spannend, sie können auch die Spätentschlossenen beeinflussen.
Vergleichen Sie in der Grafik, welche Werte die Experten der großen Meinungsforschungsinstitute für die Wahl erhoben haben - und wie die Bürger tatsächlich abstimmten:
Allerdings wiesen die Demoskopen auf den statistischen Fehlerbereich hin. Bei der Forschungsgruppe Wahlen etwa lag er am Donnerstag vor der Wahl bei plus/minus zwei Prozentpunkten. Deshalb sei es auch nicht möglich, "zuverlässig zu projizieren, ob Liberale oder AfD die Fünfprozenthürde nehmen werden oder an ihr scheitern", betonten die Experten.
Die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) stellte daher eine Herausforderung dar - auch weil sie eine neue Partei ist und die Forscher daher wenige Erfahrungswerte hatten. Unklar war bis zuletzt, wie viele Spätentschlossene und bisherige Nichtwähler sie aktivieren würde. In den Umfragen lag sie rund eine Woche vor der Wahl bei Werten zwischen 2,5 Prozent (Infratest dimap) und maximal 4,5 Prozent (Allensbach). Am Ende schaffte die AfD 4,7 Prozent.
Die Grünen bekamen bei der Bundestagswahl 8,4 Prozent der Stimmen: ein enttäuschender Wert für die Partei. Die Umfragen sahen die Partei zuvor noch bei mindestens neun Prozent. Allensbach gab den Grünen Anfang des Monats sogar noch 12,5 Prozent - allerdings war das vor der Pädophilie-Debatte.
Die SPD kam bei der Wahl auf 25,7 Prozent. Die Meinungsforschungsinstitute hatten zuvor bessere Zustimmungswerte gemessen. Infratest dimap sah die Sozialdemokraten am 12. September bei 28 Prozent, Forschungsgruppe Wahlen und Allensbach prognostizierten 27 Prozent, Forsa und Emnid jeweils 26 Prozent.
Die Union sahen die Forscher bei maximal 41 Prozent, in den Tagen direkt vor der Wahl sanken die Werte. Emnid sah die Union am 20. September bei 39 Prozent. Der Wahlabend endete mit Merkels Triumph: 41,5 Prozent.
Bei den Linken, die 8,6 Prozent der Stimmen bekamen, ergibt sich ein differenzierteres Bild: Während Infratest dimap die Partei in den Wochen vor der Wahl bei acht Prozent sah, gab Forsa ihr zwischen neun und zehn Prozent Zustimmung.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde das Wort Prognose missverständlich verwendet. Tatsächlich geht es um den Vergleich zwischen Umfrageergebnissen der einzelnen Forschungsinstitute mit dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis. Alle Institute weisen zudem auf statistische Fehlermargen hin. Sie liegen üblicherweise bei plus/minus ein bis drei Prozentpunkten. Damit sind genaue Stimmungswerte für die Parteien nicht zuverlässig abzubilden.
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