Meinungsforschung: So treffend waren die Umfragen vor der Wahl

Von Christina Elmer, Christina Hebel, Katharina Peters, Anna-Lena Roth und Guido Grigat (Grafik)

Die einen überschätzt, die anderen unterschätzt: Die Bundestagswahl 2013 hat einmal mehr gezeigt, wie schwer es ist, zutreffende Umfragen zu erstellen. Daran haben auch die Stimmungswerte kurz vor dem Wahltag nichts geändert. Alle Details im Überblick.

Berlin - Die FDP wird im 18. Bundestag nicht vertreten sein, mit erschütternden 4,8 Prozent sind die Liberalen bei der Wahl aus dem Parlament geflogen. Auch für die Meinungsforscher war das in den Wochen vor der Abstimmung die spannendste Frage: Wird die FDP die Fünfprozenthürde schaffen?

Demoskopen erstellen Umfragen, die ein möglichst präzises Bild von den Ansichten und Präferenzen der Wähler liefern sollen. Die Ergebnisse sind meist spannend, sie können auch die Spätentschlossenen beeinflussen.

Vergleichen Sie in der Grafik, welche Werte die Experten der großen Meinungsforschungsinstitute für die Wahl erhoben haben - und wie die Bürger tatsächlich abstimmten:

Am 12. September, zehn Tage vor der Wahl, sahen die Meinungsforscher von Infratest dimap die FDP bei fünf Prozent. Die Forschungsgruppe Wahlen veröffentlichte einen Tag später ihre Umfrage: sechs Prozent. Die Meinungsforschungsinstitute Emnid und Allensbach sahen noch zwei Tage vor der Wahl die Liberalen zwischen 5,5 und 6 Prozent.

Allerdings wiesen die Demoskopen auf den statistischen Fehlerbereich hin. Bei der Forschungsgruppe Wahlen etwa lag er am Donnerstag vor der Wahl bei plus/minus zwei Prozentpunkten. Deshalb sei es auch nicht möglich, "zuverlässig zu projizieren, ob Liberale oder AfD die Fünfprozenthürde nehmen werden oder an ihr scheitern", betonten die Experten.

Die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) stellte daher eine Herausforderung dar - auch weil sie eine neue Partei ist und die Forscher daher wenige Erfahrungswerte hatten. Unklar war bis zuletzt, wie viele Spätentschlossene und bisherige Nichtwähler sie aktivieren würde. In den Umfragen lag sie rund eine Woche vor der Wahl bei Werten zwischen 2,5 Prozent (Infratest dimap) und maximal 4,5 Prozent (Allensbach). Am Ende schaffte die AfD 4,7 Prozent.

Die Grünen bekamen bei der Bundestagswahl 8,4 Prozent der Stimmen: ein enttäuschender Wert für die Partei. Die Umfragen sahen die Partei zuvor noch bei mindestens neun Prozent. Allensbach gab den Grünen Anfang des Monats sogar noch 12,5 Prozent - allerdings war das vor der Pädophilie-Debatte.

Die SPD kam bei der Wahl auf 25,7 Prozent. Die Meinungsforschungsinstitute hatten zuvor bessere Zustimmungswerte gemessen. Infratest dimap sah die Sozialdemokraten am 12. September bei 28 Prozent, Forschungsgruppe Wahlen und Allensbach prognostizierten 27 Prozent, Forsa und Emnid jeweils 26 Prozent.

Die Union sahen die Forscher bei maximal 41 Prozent, in den Tagen direkt vor der Wahl sanken die Werte. Emnid sah die Union am 20. September bei 39 Prozent. Der Wahlabend endete mit Merkels Triumph: 41,5 Prozent.

Bei den Linken, die 8,6 Prozent der Stimmen bekamen, ergibt sich ein differenzierteres Bild: Während Infratest dimap die Partei in den Wochen vor der Wahl bei acht Prozent sah, gab Forsa ihr zwischen neun und zehn Prozent Zustimmung.

So entsteht eine Umfrage (am Beispiel Infratest dimap) Zur Großansicht
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So entsteht eine Umfrage (am Beispiel Infratest dimap)

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde das Wort Prognose missverständlich verwendet. Tatsächlich geht es um den Vergleich zwischen Umfrageergebnissen der einzelnen Forschungsinstitute mit dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis. Alle Institute weisen zudem auf statistische Fehlermargen hin. Sie liegen üblicherweise bei plus/minus ein bis drei Prozentpunkten. Damit sind genaue Stimmungswerte für die Parteien nicht zuverlässig abzubilden.

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1. Schön, dass wir mal darüber geschrieben haben!
jj2005 23.09.2013
Ein paar lieblos zusammengeschusterte anekdotische Daten machen doch noch keinen Artikel, liebes SPON! Wie wär's mit einem kleinen Ranking, z.B. basiert auf der Summe der prozentualen Abweichungen? Oder ist das zu challenging für den Praktikanten?
2. Fehlertoleranz, anyone?
duschwolf 23.09.2013
Offensichtlich fehlt den 5 (!) Autoren dieses Artikels das Verständnis für das richtige Lesen der Umfragen bzw. für Empirie im Allgemeinen. Alle Institute geben eine Fehlertoleranz an, welche bei 2-2,5% liegt. Somit wurde z. B. das Ausscheiden der FDP sehr wohl von den Instituten vorhergesagt. Wenn man (wie hier geschehen) die Umfrageergebnisse fälschlicherweise auf die pure Prozentzahl reduziert, dann ist es allerdings nicht überraschend, wenn man denkt, dass die Umfragen falsch waren. Es ist wohl im Gegenteil so, dass die Umfragen unheimlich korrekt gewesen sind.
3. Schön,
chico 76 23.09.2013
aber wer lag nun am nächsten der Wahlergebnis ?
4.
muellerthomas 23.09.2013
Zitat von sysopDie einen überschätzt, die anderen unterschätzt, und richtig gelegen hat keiner:
Naja, Allensbach lag bei der Union 2 Peozentpunkte zu niedrig, bei der SPD 1,3 Pp. zu hoch, bei den Grünen 0,6 Pp. zu hoch,bei der FDP 0,7 Pp. zu hoch, bei den Piraten sowie der AfD jeweils 0,2 Pp. zu niedrig. Bei Emnid, Forschungsgruppe Wahlen und Forsa sah es ähnlich aus. Insgesamt lagen die Umfragen also sehr nah an den tatsächlichen Werten.
5. die Rechnung ist vorerst aufgegangen
neu_ab 23.09.2013
---Zitat--- Die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) hingegen wurde von den Meinungsforschern in den vergangenen Wochen stets unterschätzt. Die Prognosen sahen sie rund eine Wochen vor der Wahl bei Werten zwischen 2,5 Prozent (Infratest dimap) und maximal 4,5 Prozent (Allensbach). Tatsächlich schaffte es die AfD auf 4,7 Prozent. ---Zitatende--- Hätte es eine FAIRE Berichterstattung im Sinne überparteilicher Medien gegeben, eine Beteiligung der AfD in Diskussionsrunden, wo sie ihre Bedenken & Punkte hätte vorstellen können, wären sie jetzt drin, & wir hätten einen demokratischeren Bundestag, zumindest von den eingeworfenen Stichworten & Impulsen her. Leider haben sich fast alle Medien & Wahlforscher gegen diese sehr neue Partei verbündet, so daß den Etablierten der wahre GAU erspart blieb, nämlich der, daß die "alternativlose Politik" mal gründlich durchleuchtet wird.
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