Frank Richter Ehemaliger Bürgerrechtler bei Wahl im sächsischen Meißen vorn

Weil er die Diskussionskultur in der Union bemängelte, war Frank Richter aus der CDU ausgetreten. Jetzt liegt er bei der Wahl zum Oberbürgermeister in Meißen vorn. Die AfD erlebte eine Schlappe.

Frank Richter
imago/ Manfred Segerer

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Krawalle in Chemnitz, ein gemeinsamer Aufmarsch von Pegida und der AfD, die Angst vor einem ähnlichen Fall in Köthen: Rechte und rechtsextreme Gruppen sind in Ostdeutschland auf dem Vormarsch. Im sächsischen Meißen allerdings hat die AfD eine klare Niederlage kassiert. Der Kandidat der Partei landete bei der Oberbürgermeisterwahl auf dem vorletzten Platz. Stattdessen erhielt ein Ex-DDR-Bürgerrechtler im ersten Wahlgang die meisten Stimmen.

Mit einem vorläufigen Ergebnis von 36,7 Prozent lag Frank Richter in der Stadt mit knapp 28.000 Einwohnern nordwestlich von Dresden klar vorn. Olaf Raschke (parteilos), aktueller Amtsinhaber und von der CDU unterstützt, musste sich mit Platz zwei begnügen (32,5 Prozent). Joachim Keiler (AfD) bekam nur 13,7 Prozent.

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Richter, der auch Theologe und Schriftsteller ist und Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung war, trat genau wie Raschke nicht für eine Partei an. Er wurde im Wahlkampf von SPD, Linken und Grünen unterstützt - vor allem aber von Bürgern, die selbst ebenfalls keiner Partei angehören. So gab es auch eine deutliche Steigerung bei der Wahlbeteiligung: von 36,3 auf 49 Prozent.

Vor einem Jahr war Richter aus der CDU ausgetreten. Das begründete er in der "Sächsischen Zeitung" vor allem mit einer fehlenden Streit- und Diskussionskultur in der Union. Der "taz" nannte er deutsche Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien und die sächsische Bildungspolitik als Gründe.

Beim zweiten Wahlgang in zwei Wochen wird eine einfache Mehrheit für einen Sieg reichen. Dafür wird entscheidend sein, wem die unterlegenen Kandidaten ihre Unterstützung zusagen. Eine wichtige Rolle wird hier auch dem FDP-Kandidaten Martin Bahrmann zukommen. Er kam immerhin auf 14,3 Prozent.

aev



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