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Merkel bei Mauerfall-Feiern: "Was wir erlebt haben, sollte uns Mut machen"

Deutschland feiert an diesem Montag den 20. Jahrestag des Mauerfalls, doch schon am Wochenende wurde Berlin zur Feststadt. Zehntausende Menschen bestaunten eine Domino-Mauer, Hillary Clinton gab sich die Ehre, und Angela Merkel eröffnete ein deutsch-deutsches Museum - mit einer klaren Botschaft.

20 Jahre Mauerfall: Erste Feiern in Berlin und Potsdam Fotos
Getty Images

Potsdam - Die Erinnerung an den Fall der Mauer sollte die Menschen nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu mehr Mut inspirieren. "Mut haben die Bürger gehabt, als sie gegen die kommunistische Diktatur aufbegehrt haben", sagte die CDU-Politikerin am Sonntag in Potsdam. 20 Jahre später sollte das die Menschen anhalten, sich für andere und gegen Unrecht einzusetzen. "Das was wir erlebt haben, sollte Grund für uns sein, weiter mutig zu sein." An den früheren sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow im Publikum gerichtet sagte sie: "Sie haben nicht eingegriffen. Und das war, lieber Michail Gorbatschow, sehr sehr viel."

Merkel eröffnete am Sonntagabend das deutsch-deutsche Museum Villa Schöningen an der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam, die zu Zeiten des Kalten Krieges dreimal Schauplatz für den Austausch von Ost- und West-Agenten war. "Die Brücke trennte, sie einte, sie ist ein Symbol deutsch-deutscher Geschichte", sagte die Kanzlerin.

Auch der ehemalige US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger erinnerte vor rund 500 geladenen Gästen an die Ereignisse rund um den 9. November 1989: "Ich glaube nicht, dass irgendjemand damals die Wende erwartete. Es war eines der großen Ereignisse der Geschichte, an denen wir teilhaben durften", sagte der 86-jährige Kissinger auf Englisch.

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski lobte die deutsch-polnischen Beziehungen und bezeichnete Deutschland als "einflussreichstes Land in Europa". Das Jahr des Mauerfalls nannte er "ein Happy End" einer abenteuerlichen Geschichte. Zu den Gästen gehörten auch der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow und Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), Moderator Günther Jauch und Modeschöpfer Wolfgang Joop.

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Chronik: Der Tag, an dem die Mauer fiel

In der Villa Schöningen, die seit 1996 zum Berlin-Potsdamer Unesco-Weltkulturerbe gehört, soll mit einer Dauerausstellung an die historischen Ereignisse während des Kalten Krieges und der deutschen Teilung erinnert werden. Bis zum April 2010 präsentieren zudem zwölf Künstler ihre Eindrücke des Wandels nach dem Zusammenbruch eines totalitären Systems. Merkel begrüßte die Gründung des privaten Museums, das eine "einzigartige Verbindung an Geschichte und Kunst" sei. Es spiegele das Wechselbad deutscher Geschichte, "Freud und Leid" wider, sagte Merkel.

Clinton würdigt Mauerfall in Berlin

Hillary Clinton und Guido Westerwelle bekamen an diesem Sonntagabend in Berlin vom Atlantic Council "Freiheitspreise" überreicht, stellvertretend für das amerikanische und das deutsche Volk. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erhielt einen Preis für die Bewohner der ehemals geteilten Stadt, weitere gingen an das polnische, tschechische und slowakische Volk sowie an die Nato-Truppen. Der Atlantic Council hat sich die Förderung der Beziehungen zwischen Europa und den USA zum Ziel gesetzt.

US-Außenministerin Clinton würdigte den Fall der Mauer als eines der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Sie hätten "die Landschaft eines Kontinents verändert", sagte sie bei ihrem ersten Deutschland-Besuch als Ministerin am Sonntagabend in Berlin. Die deutsche Hauptstadt sei heute die Verkörperung dessen, "was wir gemeinsam erreicht haben". Dies sei aber nicht innerhalb von Tagen erreicht worden, sondern vielmehr ein Kraftakt von vielen Jahren gewesen. Letztlich hätten sich am 9. November 1989 die Hoffnung und die Gebete von Millionen von Menschen erfüllt.

Clinton rief dazu auf, auch die "Mauern des 21. Jahrhunderts" zu Fall zu bringen und nannte als größte internationale Herausforderungen den Kampf gegen den Terrorismus, gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen und gegen den Klimawandel.

Bundesaußenminister Westerwelle sagte bei derselben Veranstaltung, Deutschland sei den USA noch heute sehr dankbar für die damalige Hilfe. Die Mauer sei jedoch nicht gefallen: "Sie wurde eingedrückt. Von Menschen, und zwar von Osten nach Westen. Sie wurde umgestürzt, abgetragen, niedergerissen, in einer friedlichen Revolution." Es dürfe nicht vergessen werden, wie viele Menschen noch vor dem Mauerfall auf die Straße gegangen seien und dort ihr Leben riskiert hätten. "Sie sind die Helden", sagte der FDP-Politiker und fügte hinzu: "Dann kommt lange Zeit gar nichts und dann kommt die politische Staatskunst."

Zehntausende Menschen strömten zur Domino-Galerie

Auch die Bürger feierten schon am Wochenende auf den Berliner Straßen das Wende-Jubiläum. Zehntausende Menschen aus der ganzen Welt strömten zu den Hauptschauplätzen des historischen Ereignisses. Besonderer Anziehungspunkt war die Domino-Galerie - ein symbolischer Nachbau der Mauer aus 1000 bemalten Styropor-Dominosteinen, der auf einer Länge von 1,5 Kilometer vom Reichstagsgebäude vorbei am Brandenburger Tor zum Potsdamer Platz verläuft.

Am Montagabend soll die Mauer aus Quadern, die in den vergangenen Monaten von Schülern und Auszubildenden aus ganz Deutschland bemalt worden waren, symbolträchtig niedergerissen werden. Das Fest der Freiheit in Berlin, zu dem Hunderttausende Gäste erwartet werden, ist der Höhepunkt des Mauerfall-Jubiläums. Auch Staats- und Regierungschefs aller EU- Mitgliedsstaaten sowie US-Außenministerin Hillary Clinton und der russische Präsident Dmitri Medwedew werden daran teilnehmen.

Den Anstoß zum Fall der künstlichen Mauer geben am Montag vor dem Reichstagsgebäude der frühere Gewerkschaftsführer und ehemalige polnische Präsident Lech Walesa sowie der frühere ungarische Ministerpräsident Miklos Nemeth. Die von Walesa geführte Solidarnosc brachte in den achtziger Jahren die Grundfeste des Kommunismus ins Wanken, unter der Regierung Nemeth wurden im Sommer 1989 die ungarisch-österreichischen Grenzanlagen eingerissen. Parallel bringen Schüler und der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, am Potsdamer Platz das Kunstwerk zum Kippen.

siu/dpa/ddp/AFP/AP

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