Blitzvisite in Afghanistan Merkel besucht verunsicherte Bundeswehr-Kämpfer

Kanzlerin Merkel ist zu einem Kurzbesuch in Afghanistan eingetroffen. Die lange geplante Visite steht unter dem Eindruck des Todes eines Elitesoldaten. Bei der Bundeswehr fürchtet man nun eine neue Welle der Gewalt. Merkels Motto ist eindeutig: Durchhalten!

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Berlin/Kunduz - Knapp eine Woche nach dem Tod eines jungen Elitesoldaten in Nordafghanistan ist Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen Freitagmorgen zu einem Truppenbesuch am Hindukusch eingetroffen. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Thomas de Maiziére flog die Kanzlerin bereits am Donnerstagabend per Regierungs-Airbus in Richtung Afghanistan und landete im Camp Marmal in Masar-i-Scharif.

Die bereits lange im Voraus geplante Reise war - wie immer bei Besuchen von Top-Politikern in Afghanistan - im Vorfeld aus Sicherheitsgründen geheim gehalten worden. Es ist das fünfte Mal, dass Merkel die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht. Die letzte Reise fand im März 2012 statt.

Merkel mahnte weitere Reformen in Afghanistan an. "Wir werden ein Auge darauf haben, dass der politische Prozess hier vorangeht", sagte sie vor Soldaten in Kunduz. Als anstehende Aufgaben nannte die Kanzlerin die Vorbereitung der Präsidentschaftswahl im April 2014 und den Aufbau der Wirtschaft. "All das vollzieht sich zum Teil mühselig, zum Teil etwas langsamer, als wir uns das wünschen", sagte Merkel. "Aber es ist unabdingbar dafür, dass der militärische Einsatz nicht allein stehenbleibt, sondern dass er wirklich Erfolg hat."

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Merkels Blitzbesuch in Afghanistan: Kanzlerin in Feldlager
Die Bundeskanzlerin bekräftigte den Willen der Bundesregierung, sich nach dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes Ende 2014 weiter militärisch in Afghanistan zu engagieren, und ermunterte andere Länder, das ebenfalls zu tun. "Die Bundeswehr hat hier im gesamten Gebiet natürlich auch gezeigt, wie internationale Kooperation gut funktionieren kann."

Geisterhafte Atmosphäre in Camp Marmal

Mit ihrem Kurztrip will die Kanzlerin den deutschen Soldaten in einer schwierigen Zeit Mut zusprechen. Am vergangenen Wochenende war ein Hauptfeldwebel der Elitetruppe Kommando Spezialkräfte (KSK) bei einer gemeinsamen Operation mit der afghanischen Polizei getötet worden. Er war der erste deutsche Soldat seit zwei Jahren, der in Afghanistan ums Leben kam, deswegen sitzt der Schock bei der Bundeswehr tief.

Der Tod des 32-jährigen Familienvaters aus Baden-Württemberg dürfte aber auch die Politiker in Berlin aufgeweckt haben. Der nahende Abzug, in den deutschen Lagern in Afghanistan überall zu beobachten, sieht nach dem Todesfall bei einer Routineoperation plötzlich sehr viel gefährlicher aus, als man zunächst gedacht hat.

Und so findet der Besuch der Bundeskanzlerin und des Verteidigungsministers am Ende einer schwierigen, vielleicht sogar der schwersten Afghanistan-Woche seit zwei Jahren statt. Plötzlich scheint alles wieder in Frage zu stehen - die Aussichten auf Erfolg des mittlerweile elf Jahre dauernden Kampfeinsatzes der Nato, die Hoffnung auf einen reibungslosen Abzug der Bundeswehr, der gute Glaube, das Schlimmste sei überstanden.

Die Stimmung war an den Tagen vor Merkels Besuch gedrückt. Bereits am Mittwoch haben die Soldaten im Bundeswehrlager in Masar-i-Sharif Abschied genommen, Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt hielt eine Ansprache vor den Soldaten. Im Camp Marmal herrschte eine geisterhafte Atmosphäre. Nach einem heißen Tag mit fast 40 Grad Hitze schlug just vor Beginn der Zeremonie am Vorabend das Wetter um. Aus Sonnenschein wurde ein Sandsturm, die auf Halbmast gesetzten Fahnen am Ehrenhain pfiffen im Wind.

Es war keine einfache Aufgabe für Schmidt und die anderen Redner. Erstmals wurde ein Soldat nicht mit Namen genannt, weil er aus einer Spezialeinheit kam. Auf dem Trauerkranz stand nur die Einheit des Soldaten: Task Force 47, die Spezialeinheit des KSK. Der Ehrenhain, an dem alle Namen der bisher gefallenen deutschen Soldaten angebracht sind, damit ihrer gedacht werden kann, ist nun um ein bedrückendes Kapitel reicher.

Kein Treffen mit Karzai

Merkel wird am Freitag nicht nur ein Gespräch mit Soldaten der Task Force führen, geplant ist auch ein Treffen mit Soldaten einer Patrouille, die Opfer eines Sprengstoffanschlags wurde. Alles steht im Zeichen der Gefahr des Einsatzes, die noch nicht vorbei ist. Durchhalten - diese Parole will Merkel mit ihrem Besuch überbringen und auch nach Deutschland senden.

Im Feldlager Kunduz wird sie sich von den Kommandeuren außerdem über die Sicherheitslage und die Fortschritte beim Rückbau informieren lassen. Das Lager, dort sind aktuell 979 Soldaten stationiert, ist nach Masar-i-Scharif das zweitgrößte Bundeswehrcamp. Doch auch hier werden schon die Kisten gepackt. Ende Oktober will die Bundeswehr das Land verlassen, ab dann sollen die Afghanen die volle Verantwortung über den Raum Kunduz übernehmen.

Politische Gespräche sind bei Merkels Besuch überraschenderweise nicht geplant, schon am Nachmittag fliegt die Kanzlerin statt in die Hauptstadt Kabul zurück nach Berlin. Schon beim letzten Besuch hatte Merkel eine Visite bei dem immer umstritteneren Präsidenten Hamid Karzai ausgelassen, damals aber telefonierten die beiden Regierungschefs wenigstens, während Merkel in Afghanistan war.

Grundsätzlich meiden internationale Spitzenpolitiker mehr und mehr Besuche im Kabuler Präsidentenpalast, da man die fehlenden Fortschritte der afghanischen Regierung zwar wahrnimmt, ermahnende Gespräche mit dem Präsidenten aber kaum noch hilfreich erscheinen.

Zu diskutieren gäbe es durchaus einiges. Als erste Nato-Nation hat Deutschland kürzlich ein konkretes Angebot für eine geplante Ausbildungsmission nach dem angepeilten Ende der Kampfmission der internationalen Schutztruppe Isaf Ende 2014 genannt. Für die ersten zwei Jahre, so das deutsche Konzept, könne man 600 bis 800 Soldaten für die Trainingsmission in Nordafghanistan stellen, die den Zerfall der mühsam aufgebauten afghanischen Sicherheitskräfte verhindern soll.

Mittlerweile sucht Deutschland bereits intensiv nach Partnernationen, die ebenfalls im relativ sicheren Norden des Landes bei der Mission mitmachen würden. Konkret hat bisher allerdings nur Schweden 200 Soldaten für die Operation "Resolute Support" versprochen.

Mit Karzai hätte die Kanzlerin die beiden wichtigsten Knackpunkte bei der Mission besprechen können. So machte Berlin zur Voraussetzung für die deutsche Mission, dass es eine formale Einladung der afghanischen Regierung und ein juristisches Truppenabkommen gibt, das den deutschen Soldaten wie bisher die Immunität vor dem afghanischen Rechtssystem zusichert.

Was sich einfach anhört, wird in der Realität immer mehr zum Stolperstein. Bisher jedenfalls sind die Verhandlungen der USA für ein Truppenabkommen immer wieder gescheitert, mit einer Einigung wird jetzt von Optimisten für den Herbst gerechnet. Karzai, das ist mittlerweile klar, nutzt die Frage weiterhin als Trumpfkarte, die er wohl erst kurz vor dem Abzug 2014 ausspielen will.

Mit Material von dpa

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Seite 1
tzdv9000 10.05.2013
1.
Na, da fühlen sich die Soldaten doch gleich viel sicherer, wo jetzt die Macherin der Nation anwesend ist...
TobiWahnKenobi 10.05.2013
2.
Durchhalten? Das ist vermutlich alternativlos...
Thomas Kossatz 10.05.2013
3.
Halten zu Gnaden, liebes SPON, aber wenn ein einzelner Gefallener eine Armee verunsichern würde dann, hätte die ihren Beruf verfehlt. Mann darf getrost annehmen, dass es sich um Spekulationen im inhaltsleeren Raum handelt. Ist ja ein Wahljahr...
der_fedor 10.05.2013
4. Jeder Tote ist einer zuviel, aber...
... Soldaten sind keine Kindergärtner. Sie haben sich für einen gefährlichen Job entschieden. Bei den Arbeitern an der Autobahn oder der Kanalisation oder der Feuerwehr sterben auch regelmäßig Menschen. Darüber berichtet man nicht. .. Ich will die Toten der Bundeswehr nicht gering schätzen, aber wir müssen schon auch die Relationen im Auge behalten. Die Afghanennen bringen weit höhere Opfer. Und wenn wir mal einen fiesen Vergleiche ziehen. Zb bei Überfall auf Polen, fielen an einem Tag. Vermutlich sogar in einer Stunde. Oder gar 1/4 Stunde mehr Menschen als im ganzen Bundeswehreinsatz in Afganinstan.
Worldwatch 10.05.2013
5. "Bei d.Bundeswehr fürchtet man eine neue Welle d.Gewalt"
Wenn ALLE um solche Gewaltzunahmen WISSEN, wieso "fuerchtet" man sich derob?? 'Angst' davor ist begruendbar! Vor allem, weil man die BW mit diesen Problemen bundes-politisch, mittels Duldungen und Unterlassungen, voellig allein und unvorbereitet auf sich gestellt laesst. Die BW wird, mehr noch als zuvor, verraten und verkauft. Dessen Opfer sind nicht nur hilflos, sondern auch voellig nutzlos.
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