Merkel in der Mongolei Mit DDR-Jet auf die Mini-Landebahn

Einen schönen neuen VIP-Airbus hat die Bundesregierung jüngst angeschafft. Doch in den fernen Osten hat sich Kanzlerin Merkel jetzt mit altem, längst ausgemusterten Fluggerät aufgemacht - weil die Landebahn im mongolischen Ulan Bator für die neue Kanzlermaschine zu kurz ist.

dapd

Hamburg - "Keine Experimente" - das war einmal ein Wahlkampfslogan der CDU in den fünfziger Jahren. Und ähnlich hält es jetzt auch Kanzlerin Angela Merkel bei der Wahl des Transportmittels für ihre Asien-Reise. Für die Regierungschefin und ihre Begleiter kam ein vertrautes Flugzeug zum Einsatz, das eigentlich schon als ausgemustert galt: die ehemalige "Konrad Adenauer", ein Airbus A310.

Den Namen musste die Maschine bereits abtreten, an einen zwar gebrauchten, aber dennoch viel jüngeren und umgebauten Airbus A340, den die Bundesregierung im März angeschafft hatte - das neue Top-Flugzeug der Luftwaffen- Flugbereitschaft, die neue "Konrad Adenauer" eben. Endlich sollte Schluss sein mit den zahlreichen Pannen der veralteten und pannenanfälligen Maschinen, die seit Jahren die Reisen der deutschen Polit-Prominenz störten.

Das neue Kanzlerflugzeug ist geräumiger und moderner als das alte: Es kann mit einer Reichweite von 13.500 Kilometern nonstop von Berlin nach Rio de Janeiro oder Peking fliegen, bietet Platz für 143 statt für 91 Passagiere, bequemere Sitze und Arbeits- und Konferenzbereiche mit allerlei technischen Annehmlichkeiten.

Aber was nützt all der Komfort, wenn die Maschine nicht überall landen kann? Auf einigen Airports ist die Landebahn für die neue "Konrad Adenauer" zu kurz, das hatte der SPIEGEL bereits im August berichtet. Nun trat der Ernstfall erstmals ein: In Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, wo Merkel am Mittwochabend nach ihrer Visite in Vietnam am Mittwochabend (Ortszeit) als erste deutsche Kanzlerin überhaupt ankam, ist die Piste nicht lang genug, damit der frische VIP-Airbus dort sicher aufsetzen könnte. Merkel hätte natürlich ein kleineres Flugzeug aus der Regierungsflotte nehmen können - auch da wird gerade modernisiert -, aber dafür wäre die Delegation zu groß gewesen. Und so musste sie auf die Maschine zurückgreifen, die inzwischen keinen Namen mehr trägt.

Tankstop in Sibirien

Die Maschine, nach der Vereinigung Deutschlands aus dem Bestand der DDR-Linie Interflug übernommen, hat allerdings nicht die Reichweite der neuen "Konrad Adenauer". Für Merkel und ihren Tross wurden deshalb ein paar Zwischenlandungen fällig - in Perm am Ural auf dem Weg nach Hanoi und in Nowosibirsk auf dem Flug von Ulan Bator.

Ohne Komfortverzicht ging es dann auch nicht: Die Sitze im alten Flieger sind ziemlich durchgesessen, bei manchen funktioniert die verstellbare Rückenlehne nicht mehr, auch die Klapptische wackeln teilweise so stark, dass die Einahme der Mahlzeiten zur riskanten Angelegenheit wird. Das Konferenzzimmer, in dem die Kanzlerin die Journalisten zu Hintergrundgesprächen empfängt, ist, höflich ausgedrückt, ziemlich kuschelig, was die Platzverhältnisse angeht.

Wer auf dem Weg dorthin aus dem Delegationsbereich im hinteren Teil des Flugzeugs eine schlechte Ausgangsposition hat, muss auf dem Boden zu Füßen der Kanzlerin sitzen - oder im Türbereich auf den Füßen anderer Kollegen stehen. Die Mikrofonanlage, die das Gespräch gegen den Fluglärm erleichtern soll, streikt regelmäßig - genauso die sogenannte Airshow, mit der sich auf Bildschirmen die Flugroute verfolgen lässt. Aber Bildschirme gibt es ohnehin nur eine Handvoll über den Passagierbereich verteilt. Im neuen Flieger ist für jeden Platz ein Monitor in der Kopfstütze des Vordersitzes integriert.

Dennoch: Merkel muss ihre Liebe zur neuen "Konrad Adenauer" wohl erst noch entdecken. Ihr sollen "Teile der Innenausstattung" der Maschine nicht zugesagt haben, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Ein bisschen Zeit zur Gewöhnung hat sie noch: Das inzwischen namenlose und eigentlich ausgemusterte alte Flugzeug soll weiterhin im Dienst bleiben - bis 2013.

hen

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insgesamt 51 Beiträge
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dongerdo 12.10.2011
1. -
Gibt es nicht noch einen A319 der Luftwaffe?? So groß kann die nötige Delegation in die Mongolei doch gar nicht sein als dass die Maschine nicht reichen würde...?!
KarlLindner 12.10.2011
2. Komfort des Flugzeugs
Schön finde ich, wie der Komfort des alten A310 beschrieben wurde. Ich bin im Sommer nach Jakarta mit einer bekannten deutschen Fluggesellschaft geflogen. Vom Flieger her zwar zwei Nummern größer, und es gab auch keinen Konferenzraum, aber die Beschreibung der Sitze, der Lautsprecheranlage und der farbstichigen Monitore trifft den Komfort "meines" Fliegers. Die armen Journalisten!!!
tom_c62003@yahoo.com 12.10.2011
3. A319 geht nicht...
Zitat von dongerdoGibt es nicht noch einen A319 der Luftwaffe?? So groß kann die nötige Delegation in die Mongolei doch gar nicht sein als dass die Maschine nicht reichen würde...?!
Ein A319 kommt in der Standardausführung maximal ca. 6800 km weit, aber auch das nicht mit einer vollen Ladung "Interessenvertreter". Das reicht nicht mal bis Ulan-Bator, geschweige denn bis Hanoi. Es müsste schon ein A319LR sein (=Long Range, mit Extra-Treibstofftanks), den hat aber Frau Merkel wohl nicht. Ich frage mich allerdings auch, wer da alles auf unsere Kosten durch die Welt jettet, um in Vietnam und der Mongolei fleißig Verträge für die eigene Firma zu schließen. Jetzt wird es natürlich wieder heißen "die Steuereinnahmen durch die abgeschlossenen Geschäfte sind viel größer als die Flugkosten bla bla", nur sind die Herren Manager (Damen sind ja noch die Ausnahme) im Ausnutzen von Steuerschlupflöchern genauso erfinderisch wie im Auftun kostenloser Business-Trips.
masw 12.10.2011
4. Nicht ganz richtig
Es handelt sich um einen Airbus A319CJ und der hat bis zu 11.000km Reichweite, in der Ausführung der Luftwaffe 7400, was reichen sollte. Vielleicht war er aber tatsächlich einfach zu klein.
pirojito 12.10.2011
5. Manchmal fragt man sich
Manchmal fragt man sich, in welcher Bananenrepublik wir eigentlich leben. Gebrauchte Flugzeuge, Interflug DDR, wackelige Tische... Das ganze Leid der Flugbereitschaft... völlig unnötig. Wegen mir ein A380, zwei A350 und drei A318/319. Und wenns geht bitte neu, warum denn Gebraucht? Ich halte das für überhaupt keine "größenwahnsinnige" Idee, denn umso größer die Flugzeuge desto größer die Delegation. Und die Lackierung ist ebenfalls unter aller Kanone.
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