Kanzlerin Merkel "Der Islam ist ein Teil von Deutschland"

Angela Merkel hat mehr Toleranz gegenüber den mehr als drei Millionen Muslimen in Deutschland gefordert. Der Islam sei ein Teil der Bundesrepublik, so die Kanzlerin. Zugleich plädierte sie dafür, stärker zwischen Islam und Islamismus zu differenzieren.

Kanzlerin Merkel: "Die Islamisten sind nicht der Islam in Deutschland"
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Kanzlerin Merkel: "Die Islamisten sind nicht der Islam in Deutschland"


Berlin - Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist der Islam ein Teil Deutschlands. In einer Telefonschaltkonferenz der CDU mit rund 7000 Parteimitgliedern plädierte sie für mehr Toleranz gegenüber den mehr als drei Millionen Muslimen in der Bundesrepublik. "Wir sollten da ganz offen sein und sagen: Ja, das ist ein Teil von uns", sagte Merkel.

Angesichts der gewalttätigen Proteste in mehreren islamischen Ländern gegen Mohammed-Schmähungen und -Karikaturen forderte Merkel, stärker zu differenzieren. "Wir müssen unheimlich aufpassen, dass wir nicht alle über einen Kamm scheren", sagte die Bundeskanzlerin: "Die Islamisten sind nicht der Islam in Deutschland." Die absolute Mehrheit der Muslime hierzulande distanziere sich eindeutig von Gewalt. Wer sich weigere, die hiesigen Gesetze anzuerkennen, müsse aber mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, stellte die Kanzlerin klar.

"Je mehr wir denjenigen, die zu uns gekommen sind mit einem anderen Glauben auch sagen, 'Ihr seid uns willkommen', umso besser ist das", sagte die CDU-Vorsitzende.

Der Ex-Bundespräsident Christian Wulff hatte 2010 gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland - und sich damit unter vielen Muslimen große Sympathien erworben, aber auch scharfe Kritik von Konservativen eingefangen.

Sein Nachfolger Joachim Gauck sagte im Mai, den Satz Wullfs könne er so nicht übernehmen, aber er nehme seine Intention an. Wulff habe die Bürger auffordern wollen, sich der Wirklichkeit zu öffnen. "Und die Wirklichkeit ist, dass in diesem Lande viele Muslime leben. ... Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland", sagte Gauck der Wochenzeitung "Die Zeit".

Zuvor war bekannt geworden, dass Merkel wegen der angespannten Sicherheitslage auf einen geplanten Besuch in Tunesien verzichtet hat. In Tunesien und anderen islamisch geprägten Ländern war es zu heftigen Ausschreitungen infolge des antiislamischen Films "Die Unschuld der Muslime" gekommen. Im Sudan wurde die deutsche Botschaft angegriffen.

max/fab/dpa/Reuters



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