Rösler-Feier in Berlin: "Deutschland ist das coolste Land der Welt"

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Er war nicht immer obenauf im Berliner Politikbetrieb - doch zur Feier von Philipp Röslers 40. Geburtstag kamen rund tausend Gäste. Kanzlerin Merkel hielt eine launige Rede, auch Rivale Brüderle fand freundliche Worte. Am Ende legte Rösler ein emotionales Bekenntnis zu seiner Heimat Deutschland ab.

Fotostrecke: Tausend feiern mit Rösler im Straßenbahndepot Fotos
Getty Images

Berlin - Manchmal spielt die Politik verrückt. Vielleicht wäre Philipp Rösler schon nicht mehr hier. Wäre abgesetzt und ein Mann der zweiten Reihe. Wenn er nicht im Januar ein Sensations-Wahlergebnis mit seiner FDP in Niedersachsen erzielt und sich anschließend gegen seinen Rivalen Rainer Brüderle, den FDP-Fraktionschef im Bundestag, behauptet hätte.

Doch jetzt feiern rund tausend Gäste in einem früheren Staßenbahndepot in Berlin-Moabit nachträglich seinen 40. Geburtstag. Auch Guido Westerwelles 40. wurde 2001 mit ähnlich großer Gästeschar begangen, damals am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte.

Nun also Rösler. So schnell kann das gehen. Noch vor Wochen ein Abstiegskandidat, jetzt wieder obenauf. Die Kanzlerin ist gekommen, hält eine Rede auf den jungen Jubilar, FDP-Generalsekretär Patrick Döring spricht ebenso wie Brüderle, der es nicht gewagt hat, Parteichef Rösler zu stürzen, und nun ein paar freundliche Worte parat hat. Er versichert, er als Spitzenmann und Rösler als Parteichef im kommenden Wahlkampf, "das wird auch funktionieren".

Viele Kabinettsmitglieder sind gekommen, Dirk Niebel ist auch dabei, der sich doch eigentlich lieber Brüderle als Parteichef gewünscht hatte, ebenso Ex-Bildungsministerin Annette Schavan von der CDU, vor rund zwei Wochen zurückgetreten nach den Plagiatsvorwürfen wegen ihrer Doktorarbeit, auch ein anderer Ex-Spitzenpolitiker ist gekommen - der frühere niedersächsische CDU-Ministerpräsident David McAllister, den Rösler aus gemeinsamen Jahren in Niedersachsen kennt. Friede Springer ist da, die Verlegerin, der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher, Vertreter der deutschen Industrie und Wirtschaft. Und Röslers Schwiegereltern samt Familie, sein Vater, seine beiden vierjährigen Töchter und seine Frau.

"Nicht nur Guido Westerwelle war total von dir begeistert"

Nur die Opposition macht sich an diesem Dienstagabend rar: Allein Frank-Walter Steinmeier ist gekommen, der SPD-Fraktionschef im Bundestag. Aber keine Vertreter der Linken, kein Grüner.

Merkel hält, wie oft bei solchen Gelegenheiten, eine lockere, launige Rede. "Ich weiß nicht, was am 80. von Philipp Rösler passieren soll, wenn am 40. schon so viele Leute da sind", sagt sie, und der Saal lacht. Sie erinnert daran, wie sie Rösler 2009 im Herbst bei den Koalitionsgesprächen von Union und FDP erstmals kennen und ihn wegen seiner Kompetenz im Gesundheitsbereich schätzen lernte. "Nicht nur Guido Westerwelle war total von dir begeistert, ich auch", sagt sie. Merkel dankt auch Röslers Frau, einer Medizinerin, die mit den Kindern in Niedersachsen lebt. Ohne sie könne ihr Mann "die Sache hier in Berlin nicht richtig durchstehen", sagt Merkel. Höflich umgeht sie den Aufstieg vom Bundesgesundheitsminister zum Parteichef und Wirtschaftsminister, den Machtkampf gegen Westerwelle und Brüderle vor zwei Jahren, spricht stattdessen von einer "Vielzahl von Veränderungen", zwischen 37 und 40 sei Röslers Leben "außerordentlich spannend" gewesen.

Rösler drohte mit seinen Witzen schon so manches Mal auf dem Politikparkett auszurutschen - auch das spricht Merkel an. Er sei "jünger, daher manchmal kesser" als die Kabinettskollegen, seine "lockeren Sprüche" aber würden "zunehmend weniger", sagt sie und ruft ihm zu: "Vergiss es nicht ganz, sonst würden wir dich nicht wiedererkennen." Rösler, sagt sie, sei "hart im Nehmen" und ein "liebenswerter Mensch, erhalte dir das, bleib uns erhalten".

"Ich fühle mich hier immer zu Hause"

Es ist also vor allem eine Feier, auf der die schwarz-gelbe Koalition ein Bekenntnis ablegt. Bis zu seinem 45. Geburtstag sei "noch ausreichend Zeit", die christlich-liberale Koalition fortzusetzen, sagt Merkel, und der Saal klatscht begeistert. Nur einer, fügt Rösler wenig später hinzu, habe das bei dem Satz nicht getan - Sozialdemokrat Steinmeier. Der lacht bei diesem Gag auf.

Rösler wirkt entspannt, er lobt artig Brüderle, von seinem Kampfeswillen könne man lernen, die FDP nicht zu unterschätzen. Und er spöttelt über die Kämpfe der jüngsten Vergangenheit: "Ich will nicht Vorsitzender der CDU werden, und Angela ist eine der wenigen hier im Saal, die nicht Vorsitzende der FDP werden will."

Am Ende wird Rösler emotional. Erinnert an seinen Vater, der ihn nach der Trennung der Eltern als Berufssoldat alleine aufzog. Erzählt, nicht zum ersten Mal, vom Adoptivkind aus Vietnam, das im Alter von vier, fünf Jahren vom Vater vor einen Spiegel gestellt wurde und den Satz hörte: "Ich bin dein Vater, du bist mein Sohn." So sei es "immer gewesen, ein ganzes Leben lang", sagt Rösler.

"Ja", sagt Rösler, "ich sehe anders aus, und da wird gelegentlich darüber gesprochen." Deutschland aber sei viel unverkrampfter, sagt er und erinnert damit an seinen Aufstieg in höchste Staatsämter und indirekt auch an den verunglückten Satz eines hessischen FDP-Politikers, der das Äußere Röslers zum Thema gemacht hatte. Irgendwie, das wird an diesem Abend klar, hat diese kurz aufgeflackerte Debatte Rösler bewegt, beschäftigt. Am Ende des Berliner Abends gibt es von ihm ein Bekenntnis: "Ja, ich bin hier nicht geboren, aber ich fühle mich hier immer zu Hause", ruft er in den Saal. Deutschland sei genau deshalb nicht nur für ihn das freieste, sondern auch "das coolste Land der Welt".

Dafür gibt es donnernden Applaus, eine Umarmung seines Vaters und seiner Frau, samt Kuss. Und einen Handschlag seines Vorgängers Westerwelle.

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1. Symbole
brandtner 26.02.2013
Bringt diesen Satz flächendeckend unter's Volk und die FDP holt lockere 12% bei der BTW. Kleine Ursache ...
2. ja
ralphofffm1 26.02.2013
Deutschland ist das coolste Land der Welt.. Grössere Gerechtigkeit und grössere Freiheit wird man kaum finden.
3. Deutschland ist das coolste Land
Blindleistungsträger 26.02.2013
Deutschland ist das coolste Land. Kann ich bestätigen. Es ist sehr kalt geworden in diesem Land. Und die FDP hat eifrig dabei geholfen und kann sich zurecht freuen.
4. Parties und Nebeneinkünfte...
alclarence 26.02.2013
Bei solchen Meldungen stellt sich mir sofort die Frage, ob die Partei (über Spendeneinkünfte) oder der betroffene Jubilar die Kosten der Veranstaltung trägt...?! Unter den Voraussetzungen der Offenlegung der Nebeneinkünfte würde ich auch gern wissen, wie in Sachen Geburtstagen, Parties o. ä. abgerechnet wird. Gleich, welche Partei betroffen ist, habe ich keine Lust, Steuergelder für solch ein Unterfangen in Anspruch nehmen zu lassen.
5. Wo er recht hat, hat er recht!
muttisbester 26.02.2013
Und das meine ich ohne Ironie: Deutschland ist das "geilste Land der Welt"! Nicht perfekt, aber aber nahe dran. Klar gibts viele Idioten hier, und vieles klappt nicht so, wie man sich das wünscht... Aber wenn ich mir die anderen Länder so ansehe, da steht Deutschland, als so ein ziemlich großes Land schon richtig gut da... Die kleinen Länder, Dänemark, Schweiz, Luxemburg machen vieles besser. Aber ich gehe davon aus, dass die es nicht besser machen würden, wenn sie auch so viele Einwohner hätten. Also, ein unverkrampftes Hoch auf Deutschland!
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