Berlin - Die eiserne Kanzlerin kann sehr streng sein. Das hat in der Euro-Krise schon so mancher Gast in der Berliner Regierungszentrale spüren müssen. Den kroatischen Premier Zoran Milanovic aber verschonte Angela Merkel am Mittwoch weitgehend - stattdessen musste diesmal ein eigener Mitarbeiter dran glauben. Bei der Pressekonferenz mit Milanovic wies Merkel ihren stellvertretenden Regierungssprecher Georg Streiter vor laufender Kamera zurecht.
Merkel hatte gerade ihr Statement im Kanzleramt begonnen, da unterbrach sie kurz, weil sie sich durch anhaltendes Gerede im Hintergrund gestört fühlte. Irritiert blickte sie an Milanovic vorbei nach rechts, hob die Hand - und setzte zur öffentlichen Rüge an: "Herr Streiter, wenn Sie etwas leiser sprechen könnten, wäre das sehr hilfreich." Der Gescholtene schaute betreten - und schwieg fortan.
Ironie des Schicksals: Streiter erwischte der Tadel der Kanzlerin, weil er seine kroatische Amtskollegin Ivana Grljak um Ruhe bitten wollte. "Ich habe der kroatischen Regierungssprecherin in dem Moment gesagt, wir müssten jetzt leise sein, weil die Kanzlerin spricht", berichtete Streiter. "Weil ich den Kopfhörer für die Simultanübersetzung schon auf hatte, war ich wohl etwas laut."
Erinnerungen an Schäubles Sprecher-Rüffel
Angesichts des kleinen Zwischenfalls werden Erinnerungen an einen öffentlichen Ausbruch von Merkels Finanzminister Wolfgang Schäuble wach. Schäuble hatte vor knapp zwei Jahren seinen Sprecher Michael Offer vor laufenden Kameras scharf zurechtgewiesen, weil dieser aus Sicht des Ministers Unterlagen nicht rechtzeitig verteilt hatte. Offer kündigte wenig später.
So weit wird es diesmal nicht kommen. Dem Vernehmen nach sah die Kanzlerin die Sache am Ende doch recht entspannt, als Streiter sich im Anschluss an die Pressekonferenz bei ihr entschuldigte. Kroatiens Sprecherin Grljak wiederum tat es Leid, dass sie ihren deutschen Kollegen in Bedrängnis gebracht hatte - sie sagte Sorry zu Streiter.
In der Zusammenarbeit mit der Bundeskanzlerin war es nicht die erste Panne für den stellvertretenden Regierungssprecher. Ende Juni hatte Streiter über Twitter verbreitet, dass Merkel in einer internen Sitzung der FDP-Bundestagsfraktion Euro-Bonds eine Absage erteilt habe, und zwar "so lange ich lebe". Das ganze versah er mit einem Link zum entsprechenden Artikel auf SPIEGEL ONLINE.
Obwohl Streiter über seinen privaten Account twitterte, wurde sein Tweet in Journalistenkreisen als offizielle Bestätigung der Merkel-Worte aufgefasst. Streiter versuchte später richtigzustellen, dass er den Artikel interessant finde, sich aber den Inhalt nicht zu eigen machen wollte. Als Konsequenz gab er das Twittern wieder auf.
Aus dem Rüffel der Kanzlerin dürfte Streiter ebenfalls seine Lehren ziehen.
jok/flo/phw/dpa
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